Klosterneuburg

Erstellt am 13. Januar 2017, 03:39

von Claudia Wagner

„Wenn inklusiv, dann für alle!“. Dass es bei inklusiven Schulen Untergrenzen gibt, sieht Direktor Werner Sallomon als Gefahr der Sonderschul-Abschaffung.

Sonderschul-Leiter Werner Sallomon fürchtet, dass bei der Debatte die Kinder zu kurz kommen.  |  NOEN, NÖN

Sonderschulen sollen bald Geschichte sein. Stattdessen wird es – so die Pläne von Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) – inklusive Klassen mit mehr Lehrern und unterschiedlichen Lehrplänen geben. Vorbilder für diesen Schritt sind Skandinavien und Südtirol.

„Hinter der Idee steckt ein positiver Gedanke von der heilen Welt, wo es keine Menschen gibt, die Hilfe brauchen“, so Werner Sallomon. Aus seiner Erfahrung als Sonderschulpädagoge weiß er aber, dass manche Kinder sehr wohl besondere Förderung benötigen. Bislang wurde das in Sonderschulklassen mit maximal zwölf Schülern und zwei Lehrern angeboten. Die Sonderschulen sollen nun eingestellt werden, das System mit mehreren Klassenlehrern wird für inklusive Schulen übernommen.

Inklusive Klassen gibt es bereits, genauso wie die Möglichkeit, Schüler individuell zu fördern. „Das Wichtigste ist ein offener Dialog mit den Eltern. Wir machen ihnen keine falschen Versprechungen, sondern zeigen Probleme ehrlich auf und nennen sie beim Namen“, gibt der ASO-Direktor Einblick in seinen Schulalltag. Gemeinsam mit den Pädagogen können die Eltern dann wählen, welche Variante die beste für das Kind ist. Wenn die Sonderschule abgeschafft wird, fällt diese Entscheidungsfreiheit weg. Zukünftig soll jedes Kind eine inklusive Klasse besuchen.

„Es geht um die Zukunft unserer Kinder“

Und genau da sieht der Schulleiter die lauernde Gefahr: „Es gibt in den Vorbild-Ländern Untergrenzen, aber das sagt niemand dazu. Manche Kinder kann ein inklusives Schulsystem nicht mitnehmen. Wenn inklusiv, dann muss es für alle gelten!“

Das bedarf einer dementsprechenden Planung. „Man muss sich das sehr gut überlegen, schließlich geht es um die Zukunft unserer Kinder“, mahnt der Schulleiter. Bislang schwirren zwar Gerüchte umher, konkrete Ideen gibt es aber noch nicht. „Wenn es soweit ist, ist meine Aufgabe, die Kinder so vorzubereiten, dass sie den Umstieg schaffen“, betont Sallomon, „da geht es nicht um meinen Beruf oder die Sonderschule, sondern um die Kinder“.

Gerade die werden bei der Debatte aber oft außen vor gelassen – etwa bei ihren zukünftigen Job-Chancen. Die Vorbildstaaten ohne Sonderschule zeigen nämlich, dass die Eingliederung in die Arbeitswelt ein langfristiges Problem ist: „In diesen Ländern gibt es zwar Integration in den Schulen, aber nicht im Berufsleben. Da sind die Zahlen nicht anders als bei uns.“