Auch Klosterneuburger fiebern auf „normalen“ September. Ein ungewöhnliches Schuljahr ist zu Ende. Direktoren und Eltern erzählen von Herausforderungen und Wünschen.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 08. Juli 2020 (04:41)
Nach einem turbulenten ersten Jahr starten für die Schüler des Privatgymnasiums die Sommerferien.. Wagner
Claudia Wagner

Am ersten Schultag hat es geregnet, am letzten auch. Dazwischen ist viel passiert: Corona, Homeschooling, Videokonferenzen. Der Unterricht ist übersiedelt – vom Klassenraum ins Kinder- oder Wohnzimmer.

Im Privatgymnasium wäre das Jahr sowieso in die Geschichte eingegangen, mit Corona wurde der Start noch spezieller. Als im September 2019 erstmals die Schulglocke läutet, ist von Lockdown und e-Learning noch lange keine Rede, von Digitalisierung aber sehr wohl.

Schnell erlernter Umgang mit Computern, aber auch negative Spuren

Alle 36 Schüler arbeiten von Anfang an mit iPads, Homeschooling gibt einen zusätzlichen „Digitalisierungsschub“ erklärt Direktor Johannes Poyntner: „Wir sind zwar eine MINT-Schule, in dem Ausmaß und der Schnelligkeit hätten wir das ohne Corona nicht gehabt.“

Der schnell erlernte Umgang mit Computern ist ein positiver Effekt. Der Lockdown hat aber auch negative Spuren hinterlassen. Und die sind sozialer Natur.

„Der Übergang zwischen Volksschule und AHS ist prinzipiell mit Herausforderungen verbunden. Die Schüler sind nach einem Semester gerade in der neuen Schule angekommen, und auf einmal kam Corona“, erzählt Poyntner, „der Zusammenhalt in der Klasse hat gefehlt, genauso die Präsenz des Lehrers, nicht nur als Vermittler des Stoffs, sondern als Ansprechpartner. Da können Videokonferenzen nicht mithalten.“

Ähnlich sieht das Sabine Geyrhofer, Direktorin der NMS Hermannstraße und der VS Albrechtstraße: „Rückblickend betrachtet, hat man aus dieser völlig neuen Situation heraus das reale Schulleben wieder schätzen gelernt. Etwas von Mensch zu Mensch vermittelt zu bekommen oder zu lehren, ohne Internetprobleme, Störungen oder Schwierigkeiten in der Tonqualität, ist wirklich sehr viel wert.“

Geyrhofer unterrichtet Sechs- bis 14-Jährige. Zwischen Jahrgängen und Schulformen sind, so die Erfahrung der Schulleiterin, enorme Unterschiede: „Von den Volksschülern kann man keine Selbstständigkeit erwarten, da hilft’s auch nicht, wenn sie Zugang zu einem Laptop haben.“ In der Volksschule war eine gute Vernetzung mit Mama und Papa besonders wichtig. Geyrhofer: „In Zeiten wie diesen mussten wir auf die Zusammenarbeit mit den Klasseneltern setzen, da diese ihre Kinder vor Ort am besten unterstützen konnten. Ein großes Dankeschön daher an diese!“

Digitales Klassenzimmer für die Volksschüler

Elternvertreter waren aktiv bei Videokonferenzen dabei, die Eltern unterstützten ihre Sprösslinge beim Umgang mit digitalen Medien. Alle Materialien standen in der VS Albrechtstraße auch in analoger Form zum Abholen bereit.

Ein „digitales Klassenzimmer“ wurde eingerichtet, in dem Aufgaben einer Woche übersichtlich gesammelt sind. „Sehr wünschenswert wäre es, würde eine diesbezügliche Plattform landesintern zur Verfügung gestellt werden“, hofft die Direktorin. Dennoch hält sie fest: „Je jünger die Kinder sind, desto schwieriger ist es, persönlich in Kontakt zu bleiben.“

Die Mittelschüler kennen digitale Medien vom Prä-Corona-Lehrplan. Mit e-Learning wurde die Computer-Nutzung abrupt verstärkt. Neue Programme machten den Unterricht daheim möglich, mit Schülern, Lehrern und Eltern hielt Geyrhofer über Video Kontakt. Aber: „Die technische Ausstattung sowie der Internetzugang sind in jeder Familie unterschiedlich vorhanden, und dies kann in Krisenzeiten nicht in kürzester Zeit auf- oder nachgerüstet werden.“

Eine Nutzung der Programme sei zwar auch über das Handy möglich, aber nicht immer geeignet. „Das Ziel wäre, dass jedem Kind ein entsprechendes Endgerät und ein adäquater Internetzugang zur Verfügung stehen“, unterstreicht die Direktorin.

Wie ist das Homeschooling aus Eltern-Sicht gelaufen? „Darauf lässt sich keine eindeutige Antwort geben. Je nach Schulstufe und Alter der Kinder, den beruflichen und persönlichen Rahmenbedingungen bei den Eltern, den beteiligten Lehrern sowie dem Stresslevel aller Beteiligten werden wohl Antworten von: ,Sehr gut und problemlos‘ bis hin zu ,Furchtbar und Chaos‘ zu hören sein“, bilanziert Norbert Kreuzinger, Obmann des Elternvereins am BG/BRG Klosterneuburg.

Am Gymnasium habe sich die Situation „überraschend schnell eingespielt, im Lauf der Zeit konnten die allermeistern Probleme beseitigt werden“. Eine Umfrage unter der Gym-Elternschaft mit positiven Rückmeldungen bestätigt das.

Gerade am Anfang – das Distance-Learning musste innerhalb weniger Tage aufgezogen werden – war die gesamte Schule und damit auch der Elternverein gefordert. Kreuzinger: „Für eine funktionierende, auf gegenseitigem Respekt basierende Schulpartnerschaft ist unumgänglich, auch in Extremsituationen gemeinsam, konstruktiv und offen an Lösungen und Kompromissen zu arbeiten. Das hat an unserer Schule hervorragend funktioniert.“

Für Herbst wünscht sich der Elternvereinsobmann einen normalen Start ins Semester – und findet damit Anklang bei den befragten Direktoren. Diese Hoffnung eint wohl alle, die mit Schule zu tun haben.

Umfrage beendet

  • Schulstart im Herbst: Haltet ihr einen Normalbetrieb für realistisch?