Weiter Streit um die Schutzzonen. Grüne wähnen Unvereinbarkeit des Ortsbildgutachters mit der Schutzzonenkommission. VP-Stadtrat Kaufmann: „Unsinn.“

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 28. September 2016 (04:55)
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Stadtrat Christoph Kaufmann: „Wimmer versteht das Konzept nicht.“

Der geplante Neubau einer Wohnhausanlage in der Skallgasse erhitzt weiter die Gemüter. Während sich die Anrainer durch Unterschriften und Einsprüche gegen den Neubau wehren, wird die Angelegenheit immer mehr zum Politikum. Die Wirksamkeit der Schutzzonen wird von den Grünen in Zweifel gezogen. Grün-Stadtrat Sepp Wimmer: „Ortsbildgutachten verselbstständigen sich, denn es gibt eine völlig unterschiedliche Wahrnehmung der Bevölkerung.“

Aus vier Grundstücken wurde in der Skallgasse eines gemacht und damit Raum für eine Wohnhausanlage mit 20 Wohnung geschaffen. Die Skallgasse ist aber Schutzzone, und so wehren sich die Anrainer gegen diesen Bau. Die Grünen stehen ihnen zu Seite und kritisieren das Ortsbildgutachten, das bei einer Schutzzone notwendig ist.

Die Bebauung der Skallgasse datiert auf der südlichen Seite aus der Gründerzeit und nördlicherseits aus den 1930er Jahren zurück. Bauhistorische Bedeutung hat vor allem die sogenannte „Gartenkolonie“ des bekannten Hoffmann-Schülers Architekt Carl Witzmann. „Für jeden ist klar, dass der Neubau nicht in das Ensemble passt, für den beauftragte Ortsbildgutachter nicht.“ Wenn sich also Experten soweit vom Empfinden der Bevölkerung entfernen würden, muss die Politik – wenn sie nicht wolle, dass ihr die Bevölkerung vorwirft, ihre Interessen zu verraten – reagieren. Wimmer: „Wir Grüne machen das“.

Dass der beauftragte Ortsbildgutachter gleichzeitig Mitglied der Stadtbildkommission ist, geht für Wimmer nicht: „Nirgends wäre es möglich, dass ein Gremium die Arbeit eines Gremiumsmitgliedes kontrolliert. Wir fordern unverzüglich, dass das Stadtbildgremium organisatorisch und personell so aufgestellt wird, dass es zukünftig keine Unvereinbarkeiten gibt.“

ÖVP-Stadtrat Kaufmann kontert

„Wenn Wimmer meint, dass es jedem Klosterneuburger klar ist, dass im Jahr 2016 anders gebaut wird als im Jahr 1913, dann muss ich ihm recht geben“, kontert der zuständige VP-Stadtrat Christoph Kaufmann und spricht von Unsinn. Der Ortsbildkonsulent erstelle ein unabhängiges Gutachten im Auftrag der Gemeinde. Klosterneuburg sei hier von Anfang an den Weg der Beratung für die Bürger gegangen, die in einer Schutzzone etwas bauen wollen. Aufgrund dieser wurde den Bauwerbern eine Menge unnötiger Planungskosten erspart. Und zum Angriff Wimmers weiter: „Kollege Wimmer kritisiert hier ein Konzept, das er selbst inhaltlich nicht versteht. Daher lade ich die Grünen jederzeit ein, an solchen Vorberatungsgesprächen teilzunehmen und sich ein Bild darüber zu machen, wie hier qualitativ wertvoll im Sinne der Schutzzonen gearbeitet wird.“ Sollte er das Angebot ausschlagen, könne er sich gerne bei seinem grünen Parteikollegen in Mödling über die bewährten Abläufe bei diesem Modell informieren.

Ortsbildgutachter dementiert Aussagen

Auch Ortsbildgutachter Architekt Karl Langer meldet sich noch einmal zu Wort. Es wären verschiedene Bebauungsmöglichleiten vom Bauwerber vorgelegt worden. Das Ortsbildgutachten stelle den Schlusspunkt einer längeren Projektbearbeitung dar. Es wurde in seiner Höhe, der formalen Gestaltung, Anschluss an Nachbargebäude, Gestaltung des Gebäudesockels und der vom Straßenraum sichtbaren Freiraumgestaltung überarbeitet. Im Schutzzonengremium wäre die Entscheidung für ein positives Abschlussgutachten getroffen worden.

Des Weiteren distanziert sich Architekt Langer von den Aussagen, die er in der Vorwoche der NÖN gegenüber getätigt hat, und meint, sie wären unrichtig wiedergegeben: „Tatsache ist, dass man die Bebauungspläne, die eine wesentliche Grundlage für eine Bebauung und somit auch für ein Ortsbildgutachten sind, mit den dafür verantwortlichen Raumplanern diskutieren muss und nicht mit dem ‚Bürgermeister Schmuckenschlager‘.“ Ebenso unrichtig sei das Zitat von „klugen Bebauungsplänen“, da Pläne generell weder klug noch unklug sein könnten.