Wie zahnlos sind die Schutzzonen?. Ein Bauprojekt in einem der schönsten Viertel der Stadt ruft Anrainer und die Grünen auf den Plan. Schutzzone ist wirkungslos.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 21. September 2016 (05:40)
NOEN, Hornstein
Das malerische Viertel Skallgasse soll um eine neue Wohnhausanlage bereichert werden. Die Anrainer laufen Sturm.

Das Skall- und Berchtesgadnerhof-Viertel ist wohl eines der schönsten Viertel in Klosterneuburg, geprägt durch Villen, die um die Jahrhundertwende gebaut wurden, und durch viel Grün. Jeder würde gerne dort wohnen.

Jetzt soll für 20 neue Wohnungseigentümer dieser Wohntraum in Erfüllung gehen, denn in der Skallgasse 9 bis 15 sollen zwei Wohnhausanlagen gebaut werden. Dass dieses Vorhaben nicht ohne Protest über die Bühne gehen kann, ist ein Faktum in Klosterneuburg. Anrainer laufen Sturm, und auch die Klosterneuburger Grünen sind mit diesem Bauvorhaben nicht einverstanden. Die Wohnanlage passe nicht ins Ortsbild, was in dieser Gegend besonders wichtig ist. Die Skallgasse ist außerdem Schutzzone.

NOEN, privat
So sollen die beiden Wohnhausanlagen nach den Einreichplänen ausschauen. Für fast alle Anrainer der Skallgasse stellt das eine Verschlechterung des Ortsbildes dar.

Wenn jemand in der Schutzzone bauen will, muss er sich nicht nur eine Baugenehmigung bei der Baubehörde einholen, sondern das OK einer für die Schutzzonen eigens installierten Ortsbildkommission, bestehend aus Vertretern des Bundesdenkmalamtes (BDA) und zwei unabhängigen, nicht in Klosterneuburg tätigen Architekten, einholen. Das ist beim Bauvorhaben Skallgasse auch geschehen.

Dem Projekt ist von der Ortsbildkommission durch ein Ortsbildgutachten von Architekt Karl Langer grünes Licht gegeben worden. Trotzdem oder gerade deshalb gibt es einen Aufschrei unter den Anrainern, der letzte Woche in einer zehnstündigen Marathon-Bauverhandlung gipfelte.

Kritik an der Schutzzonenverordnung

Mittlerweile wird die Sache zum Politikum, denn auch die Klosterneuburger Grünen wehren sich gegen den Bau und die ihrer Meinung nach zahnlosen Schutzzonen. Stadtrat Sepp Wimmer: „Bei der Gemeinderatssitzung am 27. März des vorigen Jahres haben wir – gegen alle anderen Parteien und Fraktionen – noch versucht, mit einem Dringlichkeitsantrag eine Schutzzonenverordnung zu erreichen, die auch wirklich schützt. Abgelehnt.“

So werden wertvolle Ensemblegassen, wie jetzt die Skallgasse, mit großvolumigen Wohnblöcken zubetoniert, und die Anrainer seien verzweifelt. Die aktuelle Schutzzonenverordnung gebe den Menschen keinen Schutz, und im Ortsbildgutachten, das die Stadt in Auftrag gegeben hat, sei mit keinem Wort die bauhistorische Bedeutung der in der Skallgasse 1913 errichteten Bauten im Rahmen der sogenannten „Gartenkolonie“ des bekannten Architekten Carl Witzmann aus der Gründerzeit erwähnt. Wimmer abschließend: „Die im Vorjahr von ÖVP, SPÖ, FPÖ und NEOs beschlossene Schutzzonenverordnung ist nichts Anderes als eine Verhöhnung der Klosterneuburger Bevölkerung.“

„Die Schutzzonen-Verordnung ist nichts Anderes als eine Verhöhnung der Klosterneuburger Bevölkerung."

Grün-Stadtrat Sepp Wimmer

Die NÖN ersuchte auch Ortsbildgutachter Architekt Karl Langer um ein Statement: „In Klosterneuburg gibt es Bebauungspläne, die bei Weitem mehr zulassen würden. Im Prinzip muss man mit Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager reden.“

Generell verstehe Langer die Ängste und Sorgen der Anrainer. Es gäbe aber ein Baurecht. Gemäß diesem, der Bauordnung und des Bebauungsplanes wäre zu bauen. Im Endeffekt würde nicht alles ausgenützt, was im Gesetz möglich wäre.

Langer: „Ich habe das verhindert, was zu verhindern war, weil mir das Ortsbild Klosterneuburgs am Herzen liegt. Ab dem Zeitpunkt, wo wir kluge Bebauungspläne hätten, würden wir und die Anrainer uns leichter tun.“

Schmuckenschlager lässt Kritik nicht auf sich sitzen

Das kann Schmuckenschlager nicht so auf sich sitzen lassen: „Die Stadtgemeinde hat Schutzzonen verordnet, neun Bausperren erlassen, Begrenzungen von Wohneinheiten in den Randlagen eingeführt und verpflichtende Gutachten für Baumaßnahmen im Zentrum veranlasst.“ Als strategisches Ziel galt, die Weinberge und die Donauau zu schützen. Demnach könne nur im Stadtgebiet gebaut werden.

Der unglückliche Zufall, dass die niedrigen Zinsen zu erhöhen Immobilienkäufen führen, verursache die starke Aktivierung von Baulandreserven. „Als Kommunalpolitiker muss man immer an einer Lösung interessiert sein, die sowohl Eigentümer- als auch Anrainer rechte berücksichtigt. Jede Partei kann Vorschläge einbringen und mitarbeiten.“

Die Geschäftsführer der Bauträger-GmbH „Omicon“, Christian Spörk und Hannes Sampl, sehen die Sachlage nüchtern: „Wir halten uns an die Bauordnung und an die Vorgabe der Ortsbildkommission. Unser Entwurf ist in mehreren Etappen als positiv begutachtet worden. Wir haben das Projekt immer und von Anfang an mit der Baubehörde und der Ortsbildkommission abgestimmt.“