Suche nach Au-Bomben in Klosterneuburg. EVN beauftragt Spezialisten, nach Kampfmittel aus dem 2. Weltkrieg zu suchen.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 27. Januar 2021 (04:00)
Kampfmittelexperte Andreas Kuhnt von der Firma Schollenberger mit EVN Pressesprecher Stefan Zach auf der Suche nach Bomben.
Hornstein

Über das, was unter der Erde in der Au liegt, gibt es schon lange wilde Gerüchte. Durch den Bau des EVN-Versorgungstunnels, der unter der Donau Klosterneuburg und Korneuburg verbinden soll, wird dieses Thema wieder aktuell. Denn die Versorgungsleitungen müssen auch durch die Au geführt werden.

Dafür wurde auch eine Schneise geschlagen. Die Vermutung, dass in der Klosterneuburger Au Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg niedergegangen sind, ist belegt, dass unter der Erde scharfe Bomben liegen, anzunehmen. Die EVN beauftragte daher eine Spezialfirma, um Munition aus dem Boden aufzuspüren. Die NÖN war bei einem Lokalaugenschein dabei.

Luftbilder aus dem Zweiten Weltkrieg

Andreas Kuhnt ist der Projektleiter der Firma Schollenberger, die sich mit der Kampfmittelräumung beschäftigt. „Wir werden meistens dann gerufen, wenn Bauvorhaben geplant sind und der Verdacht besteht, dass Munition im Erdreich liegt“, so Kuhnt.

In der Regel werden zuerst historische Recherchen angestellt. Dabei helfen Luftaufnahmen, denn von Amerika und England wurde jeder Bombenangriff vorher und nachher aus der Luft dokumentiert. Aus diesen Bildern wird dann der Schluss gezogen, ob eine Gefährdung vorliegt, oder nicht.

„Es ist einigermaßen wahrscheinlich, dass im Bereich der Trasse durch die Au Bomben liegen.“ Andreas Kuhnt, Projektleiter, Firma Schollenberger, Kampfmittelbergung

„All das haben wir uns in der Au erspart, denn dass in der Au eine Menge Bomben niedergegangen sind, ist kein Geheimnis“, so Kuhnt. So wurde über den gesamten Verlauf der Trasse mit geomagnetischen Suchgeräten ein Bild erstellt. Kuhnt: „Das zeichnet Funde auf, die dann ausgewertet werden. Die genaue Stelle und die Tiefe des Fundes, wird dann errechnet.“ Bei der Suche nach Eisen ist eine Bombe in der Regel an der Struktur erkennbar, zumindest die Annahme, es könnte sich um eine Bombe handeln, ist möglich.

Bei der 1,4 Kilometer langen und etwa 27 Meter breiten Trasse durch die Au leider nicht. „Es ist hier nicht möglich, bestimmte Stellen zu sichern und dann Bergungsgrabungen durchzuführen, denn der gesamte Boden ist mit Unrat und Bauschutt kontaminiert“, so die Expertise des Fachmannes. So sei ausgeschlossen, im Vorfeld gefährliche Kampfmittel zu erkennen. Es sei auch nicht möglich, die Menge an Bomben zu bestimmen. Eine seriöse Aussage darüber, wie viel oder ob überhaupt Munition im Erdreich liegt, könne der Fachmann daher nicht machen. Zu einer Aussage ließ sich der Projektleiter der Firma Schollenberger aber doch hinreißen: „Es ist einigermaßen wahrscheinlich, dass im Bereich der Trasse durch die Au Bomben liegen.“

Projektbegleitende Unterstützung

So bleibe nur die Möglichkeit, die Bautätigkeit projektbegleitend durch die Firma Schollenberger zu unterstützen. Das birgt natürlich eine gewisse Gefährdung der Bauarbeiter mit sich, denn diese müssten erst auf eine Bombe stoßen. Zeichen gibt es aber, die einen Bombenfund auch bei den Bauarbeiten erkennen lassen. „Eine Verfärbung des Erdreichs und auch einzelne Bombenteile weisen auf einen Fund im Vorfeld hin“, so Projektleiter Kuhnt, der mit seiner Firma auf 30 Jahre Erfahrung zurückgreifen kann. Stößt man auf eine Bombe, muss die Polizei gerufen werden, die ihrerseits den Entminungsdienst alarmiert und eventuell Evakuierungsmaßnahmen setzt.

„Die Sachlage erhöht natürlich die Gefährlichkeit der Bauarbeiten“, räumt EVN-Pressesprecher Stefan Zach ein, versichert aber gleichzeitig, dass alles unternommen werde, um jegliches Risiko weitmöglichst auszuschließen. Vor dem Baustart warte die EVN aber noch auf die notwendigen Bescheide – wie den Naturschutzbescheid –, um dann endgültig grünes Licht für den Bau zu erhalten.

Der genaue Baubeginn kann erst nach Vorliegen der notwendigen Bescheide festgelegt werden.