Klosterneuburg: Mit Grün gegen kahle Fassaden. Fassadenbegrünung birgt viele Vorteile. Besonders in Zeiten des Klimawandels. Auch die Politik will grüne Fassaden forcieren.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 02. Juni 2021 (05:52)
Er geht mit gutem Beispiel voran: das Reihenhaus von Gemeinderat Peter Hofbauer als zugewachsene Oase.
privat, privat

Obwohl man es in diesem außergewöhnlich kalten Mai kaum für möglich hält: Es wird heißer! Und dieser Trend wird sich so schnell nicht umkehren lassen. Besonders die Städte leiden mit ihren Beton- und Asphaltbauten unter dieser Hitze.

Als probates Mittel gegen dieses sogenannte „Urban Heating“ wird aktuell die Fassadenbegrünung gehandelt. Auch die Stadt Klosterneuburg bietet in ihrem Zentrum genug freie Fassadenflächen, die sich für eine Begrünung anbieten würden.

Umweltgemeinderat sieht auch Probleme

„Vertikale Begrünungen sind wunderbare Möglichkeiten eines umweltfreundlichen Hitzeschutzes“, weiß Gemeinderat Peter Hofbauer, der sich diesem Thema in Zukunft auch im Gemeinderat intensiv widmen will.

Fassadenbegrünungen hätten viele ökologische Vorteile (siehe unten), sie wirken isolierend, fördern die Biodiversität, reinigen die Luft, verbessern das Mikroklima und würden dadurch zu einer besseren Lebensqualität beitragen.

„Mein Traumbild ist Fotovoltaik am Dach und die Fassade begrünt.“Leopold Spitzbart, Stadtrat und Umweltgemeinderat, ÖVP

Auch ÖVP-Stadt- und Umweltgemeinderat Leopold Spitzbart, der durch die Umsetzung vieler grüner Projekte der Stadt zu „grünem“ Ruhm verholfen hat, steht der Begrünung von Fassaden positiv gegenüber. „Grundsätzlich ist es eine gute Sache. Es ist einfach Wärmedämmung, Luftreinigung, Biodiversität, schallmindernd, kühlt Objekt so wie die Umgebung. Darum ist es eine feine Sache, die unterstützenswert ist“, so der ÖVP-Stadtrat, der allerdings auch auf Schwierigkeiten bei der Realisierung hinweist: „Jede Fassadenbegrünung ist eine Veränderung der Fassade. Hier ist bei der Baubehörde nachzufragen, ob das überhaupt möglich ist.“

Im Prinzip könnten bei nachträglicher Begrünung einer Fassade bautechnische Probleme auftreten. Zum Beispiel könnte der Gehsteig zu schmal werden. Bei alten Gebäuden könnte auch der Denkmalschutz ein Wörtchen mitzureden haben. Spitzbart: „Im Nachhinein wird das wahrscheinlich aus diesen Gründen nicht gehen.“

Die Gemeinde Wien hat in der Mariahilfer Straße ein Vorzeigeprojekt umgesetzt. Doch auch hier gab es Probleme. Spitzbart: „Dort ist die Bewässerung ausgefallen. Alles ist vertrocknet. Auch feuertechnisch ist das nicht ohne. Wenn im Sommer alles austrocknet, könnte das brandtechnisch zum Problem werden.“

Im Prinzip bleibt Spitzbart aber bei dem Resümee, dass Fassadenbegrünung eine gute Sache ist, wobei aber Dachbegrünung oder Bäume vor dem Haus technisch leichter umsetzbar wären. Das Dach sollte aber – geht es nach Spitzbart – für die Stromgewinnung im optimalen Fall reserviert sein: „Mein Traumbild ist Fotovoltaik am Dach und die Fassade begrünt.“

Grüne Fassaden auch ein Grünes Thema

Reduktion der exzessiven Bodenversiegelung, natürliche Beschattung und Fassadenbegrünung sind natürlich auch Anliegen, die die Grünen beschäftigen. „Diese Dinge könnten schnell das Stadtklima verbessern und die nächste Klimaanlage ersparen“, so der Planungsstadtrat der Grünen, Johannes Edtmayer. Dabei seien Begrünungen der Fassade überhaupt nicht neu.

Edtmayer: „Im Prinzip kennt man das, seit es Städte gibt, also seit der Antike. In den letzten Jahrzehnten haben wir aber, wie in vielen Bereichen, auf natürliche Mittel vergessen und versucht, jedes Problem mit Technologie zu lösen.“

Eine grüne Fassade mit einer Größe von 850 Quadratmetern brächte eine Kühlleistung, die 80 Klimaanlagen mit jeweils 3.000 Watt in acht Stunden schaffen. Ein herkömmliches Flachdach würde sich im Sommer sehr stark erhitzen. Die Raumtemperatur unter einem Gründach läge um bis zu vier Grad unter der eines herkömmlichen Daches.

Ziel der Grünen sei es, die Fassadenbegrünung als Instrument gegen den Klimawandel auch in den Bebauungsvorschriften zu verankern. So könne Klosterneuburg eine optisch ansprechende Stadt bleiben und das „Urban Heating“ gestoppt werden. Und Edtmayer abschließend: „Die ökologische Steuerung der Stadtentwicklung ist mein großes Anliegen: weniger Bodenversiegelung, mehr natürliche Beschattung und Förderung der Fassadenbegrünung.“

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