Forstarbeit zur Brutzeit. Stadtwald Grüne kritisieren Durchforstung. Honeder (ÖVP): „Die Brutbäume bleiben.“ Lokalaugenschein

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 15. Mai 2019 (04:00)
Wechselberger
Zum Missfallen der Anrainer sieht es nun so im Gemeindewald aus. In der Vogelbrutzeit wird der Jungwald durchforstet.

Nach wilden Protesten gegen den Verkauf von zwei Hektar Gemeindewald im Reihergraben, der dann von der Stadtregierung in eine Verpachtung umgewandelt wurde, kommt der Reihergraben nicht aus den Gazetten. Diesmal geht es um die Durchforstung des Gemeindewaldes, die Proteste bei Anrainern, Umweltstadtrat, Umweltinitiative Wienerwald und Naturschutzbund NÖ auslöste.

Mit einem offenen Brief richtete sich die Obfrau des Naturschutzbundes Ilse Wrbka-Fuchsig gegen die Durchforstungsarbeiten im Reihergraben. Die Hauptkritikpunkte: Die Durchforstung geschehe in der Brutzeit der Vögel und die Durchforstung ließe die für eine Biosphärenpark-Gemeinde notwendige Sorgfalt gegenüber den Naturwerten missen.

Auch für die schon zwei Jahre andauernde Wegsperre hat die Landschaftsökologin wenig Verständnis. Dieser Meinung schließt sich auch die „Umweltinitiative Wienerwald“ bei einem Lokalaugenschein an (siehe Nebenartikel).

„Gerade mit unseren Neuanpflanzungen werden wir der Biodiversität in großem Maße Rechnung tragen.“ Vize Roland Honeder (ÖVP)

Als Unterstützer dieser Meinung setzt sich Umweltstadtrat Sepp Wimmer (Die Grünen) in Szene. Die Notwendigkeit der Durchforstung eines Jungwalds sehe er, Wimmer, zwar auch, aber es sollte der Erhalt der Biodiversität nicht wegen wirtschaftlicher Überlegungen zur leeren Phrase werden. Wimmer: „Der jetzige Zeitpunkt der Schlägerungen während der Vogelbrutzeit ist ein massiver Anschlag auf die bestehende Biodiversität im und um das betroffene Gebiet.“

Auch wenn es witterungstechnisch diesen Winter nur schwer möglich gewesen wäre, Forstarbeiten durchzuführen, so könne dies doch jetzt nicht auf Kosten der brütenden Vögel gemacht werden: „Meine Sicht als Umweltstadtrat ist es, dass der Erhalt der Artenvielfalt vor den wirtschaftlichen Interessen stehen muss.“

Der für Biodiversität zuständige Stadtrat Vizebürgermeister Roland Honeder (ÖVP) weist in seiner Antwort darauf hin, dass nach den ihm vorliegenden Informationen „keine Brutbäume gefällt werden, sondern die Schwächsten der jungen Bäume, sodass hier eine Beeinträchtigung der Vogelbrut weitestgehend vermieden wird.“ Die im Wald verbleibenden Bäume würden gerade für die Bodenbildung und für Kleistlebewesen im Wald wertvolle Dienste im Sinne der Biodiversität leisten.

NOEN
Beim Durchforsten wurde die Rinde erhaltenswerter Jungbäume verletzt.

Die Maßnahmen seien außerdem in einem sehr überschaubaren Maße getätigt worden und wären – nach Honeder – in drei Tagen erledigt gewesen, was für die geringe Dimension der jeweiligen Eingriffe spräche. „Gerade mit unseren Neuanpflanzungen werden wir der Biodiversität in großem Maße Rechnung tragen und Bäume anpflanzen, die die Nahrung vieler (auch seltener) Vogel- und Tierarten sind, um gerade die Biodiversität in Klosterneuburg zu fördern“, führt Honeder weiter aus.

Dass hier wirtschaftliche Interessen vor denen der Biodiversität gereiht würden – dagegen verwehrt sich Honeder entschieden. Hier werde kein Geld seitens der Stadtgemeinde verdient. Einnahmen, aus der Waldwirtschaft von rund 11.000 Euro, stünden im letzten Jahr Ausgaben von 104.000 Euro gegenüber.

Die Nachpflanzungen von 6.000 Bäumen, die die Kahlschlagflächen nach den Eschentriebschlägerungen wieder aufforsten sollen, hält Umweltstadtrat Wimmer, als keine außergewöhnliche Leistung: „Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass man Kahlschlagflächen wieder aufforstet.“ Der Nutzen eines Waldes sei nicht nach finanziellen Kriterien zu bewerten. Er produziere Sauerstoff und binde Kohlendioxid und vor allem hätte er eine eminente Erholungsfunktion für Menschen und gibt Tierarten und Pflanzenarten Lebensraum.

„Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass man Kahlschlagflächen wieder aufforstet.“

Eine Frage stellt Wimmer noch in den Raum: „Wenn die geschlägerten Bäume liegen bleiben, warum konnte man dann nicht die Vogelbrutzeit abwarten?“ Die Antwort Honeders bleibt nicht aus: „Jungwaldpflege dieser Art kann nur am Anfang der Vegetationszeit stattfinden, da nur dann die entsprechenden schwachen Bäume identifiziert werden können.“