Ausstellung auf den Spuren spätmittelalterlicher PR. Stift zeigt Kaiser Maximilian I. als peniblen Kontrolleur der Medien. Der „Letzte Ritter“ und Habsburger-Vater setzte sich gekonnt in Szene.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 25. März 2019 (12:58)
Stift Klosterneuburg/Thomas Gorisek
Maximilian I. legitimierte seine Macht durch eine fungierte Verbindung zu den Babenbergern. Der Stammbaum des Klosterneuburger Herrschergeschlechts ist bei der Schau im Original zu sehen und mit einem digitalen Touchscreen-

Es sind fünf Dissertationen und drei Master-Arbeiten, die das Stift in der Jahresausstellung vereint. „Des Kaisers neuer Heiliger“ ist eine wahre Spielwiese für Profi- und Hobby-Historiker: Auf zwei Ebenen lässt das Stift das Leben Maximilians I. neu aufleben.

Und das durch die Augen von Doktoratsstudenten, die gefördert durch die Österreichische Akademie der Wissenschaft in der Stiftsbibliothek forschen. Julia Anna schön, Edith Kapeller, Sabine Miesgang und Michael Richter-Grall rücken den großen Kaiser in ein neues Licht zeigt die Hintergründe der beinahe narzisstischer Selbstdarstellung Maximilians.

„Heilige sind etwas Besonderes. Herrscher nehmen das, um sich selbst und ihre Macht zu legitimieren.“Kurator Martin Haltrich

Der „letzte Ritter“ und Vater der Habsburger-Weltdynastie verstand es, sich selbst und seine Linie gut in Szene zu setzen. Und blieb da nicht immer der Wahrheit treu, wie die Verbindung zu Leopold III. zeigt. Der legendenumwobene Markgraf – zu Maximilians Herrschaft fast vier Jahrhunderte tot – wird als „Vorfahr“ dargestellt. Auch, wenn keinerlei Verwandtschaftsverhältnis besteht. „Heilige sind etwas Besonderes. Herrscher nehmen das, um sich selbst und ihre Macht zu legitimieren“, erklärt Stiftsbibliothekar Martin Haltrich.

Stift Klosterneuburg/Thomas Gorisek
Die Sunthaym-Tafeln (1491) haben die Geschichte der Babenberger zum Inhalt und sind ein Beispiel für multimediales Erzählen im Mittelalter.

1485 wurde Leopold III. heiliggesprochen. Maximilian I. wohnte den Feierlichkeiten in Klosterneuburg bei. Aber nicht aus Pflichtgefühl gegenüber seines angeblichen Ahnen, sondern um in den Medien – Büchern, Schriften, Bilder – eine gute Figur zu machen.

Die eigenen Ideen zu verbreiten, war im Spätmittelalter für Politiker nämlich ebenso wichtig wie heute – nur unterscheiden sich Inhalte und Kanäle. Angetrieben von der Sicherung der Macht und der Sorge um sein Andenken, verstand es Maximilian I., penibelst zu kontrollieren, welche Botschaften an Zeitgenossen und Nachwelt vermittelt werden.

Medien zu Zeiten Maximilian I. und ihr Wandel spielen in der Ausstellung eine große Rolle. Aber auch das moderne Pendant ist in der Schau präsent: „Des Kaisers App“ führt durch die Räume und lässt die Besucher in die Rolle eines Menschen zur Zeit Maximilians schlüpfen.

Drei frei wählbare Erzählstränge innerhalb der App bieten unterschiedliche Sichtweisen auf das historische Geschehen. So kommen der Kaiser selbst, ein Wissenschaftler und Till Eulenspiegel zu Wort. „Uns war es wichtig zu zeigen, dass auch Vergangenheit immer im Auge des Betrachters liegt“, betont Kuratorin Julia Anna Schön.