Im Kampf um Macht und rechten Glauben: Schau im Stift

Erstellt am 08. Mai 2022 | 05:55
Lesezeit: 3 Min
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Wertvolle historische Exponate sind in der Ausstellung zu besichtigen.
Foto: Walter Hanzmann/Stift Klosterneuburg
Jahresausstellung „Gotteskrieger“ über Albrecht V. ist im Stift Klosterneuburg bis 18. November zu sehen.
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Die Jahresausstellung im Stift Klosterneuburg ist am vergangenen Donnerstag eröffnet worden. Die von Maria Theisen kuratierte Schau „Gotteskrieger“ behandelt den religiösen und politischen Umbruch im 15. Jahrhundert und die damit verbundenen Hussitenkriege, aber auch Missstände in Kirche und Reich, Pestwelle und Missernte. Die daraus entstandene Destabilisierung der Gesellschaft führte zu einer Zerreißprobe, wie wir sie auch heute wieder erleben müssen.

Der „Kampf um den rechten Glauben rund um Wien“ stand im Zeichen von Machtkämpfen, Krisenzeiten, weltanschaulichen Extrempositionen, nicht zuletzt die Schwächung der Kirche durch Gegenpäpste. Klingt schon das Thema „Gotteskrieger“ eher abschreckend, ist auch die zentrale Persönlichkeit von Herzog Albrecht V. alles andere als ein Sympathieträger.

Wie verhält sich Religion mit der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft – darüber nachzudenken lohnt sich.“ maximilian fürnsinn Prälat Stift Klosterneuburg

Im Vorfeld seiner Hochzeit mit Elisabeth, Tochter von König Sigismund, die seine eigene Karriere ebnen sollte, und der Hussitenkriege war er verantwortlich für einen grausamen Pogrom an der jüdischen Bevölkerung. Mit dem daraus geraubten Geld finanzierte er die Hochzeit und den Krieg gegen die Hussiten.

Papsttreue Katholiken aus dem tschechischen Norden fanden im Stift Klosterneuburg Zuflucht. Illuminierte Codices, theologische Traktate, Goldschmiedearbeiten, Tafelbilder, Altäre und Skulpturen stammen aus dieser Zeit – mit ihren aus heutiger Sicht zutiefst unsympathischen Begleitumständen, zumal sich die Geschichte unübersehbar wiederholt. Unrühmliche Boykott-Slogans („Kauft nicht bei Ketzern“) kehren später abgewandelt wieder, die Hetze gegen Feindbilder hat hartnäckige Tradition.

Daher geht es in der Ausstellung nicht bloß um historische Gegebenheiten, meint auch Prälat Maximilian Fürnsinn: „Man kann sie auf ganz aktuelle Situationen herunterbrechen: Wie verhält sich Religion mit der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft – darüber nachzudenken lohnt sich.“

Und auch Augustiner-Chorherr Anton Höslinger empfiehlt einen differenzierten Blick: „Der Begriff Reformation wird oft verkürzt auf Martin Luther, Huldrych Zwingli und Johannes Calvin angewandt. Doch weit vor dem 16. Jahrhundert gab es vielerorts reformatorische Strömungen und Lehren, die – wie gerade Jan Hus – großen Einfluss auf die habsburgischen Erblande hatten.“

Dabei ging es um Bibelübersetzung und -auslegung, Sakramententheologie und -praxis, auch um radikale Erneuerungsbestrebungen und gegen die Verweltlichung der Kirche.

Ein opulenter Ausstellungskatalog enthält viel anschauliches Material zur Thematik, darunter ein ausführliches Register der Ausstellungsobjekte. Herausgeberin Maria Theisen und Stiftsbibliothekar Martin Haltrich in ihrem Vorwort: „Das Ringen um Macht und Einfluss (...) angesichts von Naturkatastrophen und des Zerfalls alter Ordnungen – all das durchzieht unsere Geschichte wie ein rotes Band, bis heute.“

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