Leid als Thema der Jahresausstellung im Stift. “Was leid tut“ verbindet neueste Kunst mit historischen Sammlungsbeständen und den St. Leopold-Friedenspreisträgern.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 06. Februar 2020 (02:50)
Leid als Thema: Hier eine „Kreuzigung“ (2005) der Künstlerin Eva Kaiser.
Stift Klosterneuburg

Die Jahresausstellung 2020 im Stift Klosterneuburg versucht erstmals, den St. Leopold- Friedenspreis, die Aktivitäten der Galerie der Moderne und die historischen Sammlungsbestände des Stiftes in einem großen Projekt zusammenfließen zu lassen. Von 30. April bis 15. November steht das Thema „Was leid tut“ im Fokus.

Was macht das Leid aus dem Menschen? Wie verhält sich der Mensch angesichts des Leides? Zu diesem Thema sind künstlerische Arbeiten aus sieben Jahrhunderten zu sehen.

„Der Titel unserer Ausstellung lässt die Bedeutung absichtlich offen.“ Wolfgang Christian Huber, Kustos und Kurator

„Was letztendlich alles zu sehen sein wird, hängt nicht zuletzt vom Ergebnis des Wettbewerbs um den St.Leopold-Friedenspreis ab, der zum neunten Mal vergeben wird“, berichtet Wolfgang Christian Huber, Ausstellungskurator und Kustos der stiftlichen Kunstsammlungen.

Die Preisverleihung findet – zeitgleich mit der Ausstellungseröffnung – am 30. April statt. Das heuer ausgeschriebene Thema „Rette mich, Gott, denn das Wasser geht mir bis an die Kehle! (Ps. 69,2)“ lässt sich inhaltlich mit dem Titel des Gesamtprojekts gut verschränken, so Huber.

Und verrät auch schon ein wenig über die zeitgenössischen Beiträge. So wird etwa die im 80. Lebenjahr stehende Künstlerin Linde Waber einige ausgewählte Werke aus einer großen Bilderserie beisteuern, in der unter anderem die durch Krankheit und Alter hervorgerufenen Ängste thematisiert werden.

Krankheit und Leid haben auch das Leben der Kärntner Dichterin Christine Lavant (1915-73) geprägt. Ihr hat Luise Kloos mit dem Buchobjekt „Mein Schatten kann über Wasser gehen“ ein Denkmal gesetzt.

Das Künstlerbuch von Konrad Planegger (1958-2014) und Wolfgang Buchta zählt zu den beeindruckendsten Schöpfungen aus jüngster Zeit, die das Buch Hiob aufgreifen. Michael Endlicher, der Sprachspieler unter den österreichischen Künstlern, verweist in einer Werkserie auf die erstaunliche Tatsache, dass die Wörter „Gott“, „Mensch“ und „Krise“ die gleiche Buchstabensumme, nämlich 62, aufweisen.

„Der Titel unseres Ausstellungsprojekts lässt absichtlich offen, ob es darum geht,

was Leid in der Welt anrichtet, oder ob er in der Bedeutung von ,leid tun‘ = bereuen zu verstehen ist“, erläutert Huber. Und hat auch dafür ein Beispiel parat: Hans Robert Pippals Gemälde „Der Hahnenschrei“(1956).

Und natürlich keine Frage, dass auch bedeutende Hauptwerke der klassischen Kunstgeschichte zu sehen sein werden, wie zum Beispiel „Christus am Ölberg“ von Rueland Frueauf dem Jüngeren (um 1470-nach 1545) und weitere Glanzstücke aus den stiftlichen Kunstsammlungen.