Prälat Maximilian Fürnsinn: Ein Mann & seine Botschaft. An seinem ersten Augustinustag in Klosterneuburg hielt Prälat Maximilian Fürnsinn die Festmesse. Ein Appell für Gemeinschaft.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 12. September 2021 (05:55)
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Premiere im neuen Amt: Administrator Prälat Maximilian Fürnsinn hielt am Augustinustag das Hochamt. Seine Botschaft: „Das Gemeinsame wieder mehr über das Eigene stellen.“ Das Vorbild eines Lebens in dienender Liebe ist Jesus Christus.
Stift Klosterneuburg

Augustinus und Maximilian: Am 28. August standen im Stift Klosterneuburg zwei Männer im Fokus. Was den Ordensvater und den neuen Administrator verbindet? Eine gemeinsame Botschaft, die Prälat Maximilian Fürnsinn in seiner ersten Predigt zum Augustinusfest in Klosterneuburg besonders hervorhob.

„Alles geschehe im Dienst der Gemeinschaft“

„Niemand möge bei seiner Arbeit auf seinen persönlichen Vorteil bedacht sein, sondern alles geschehe im Dienst der Gemeinschaft, und zwar mit mehr Eifer und größerer Begeisterung, als wenn jeder für sich selbst und zum eigenen Nutzen arbeiten würde“, erklärt Fürnsinn den Schlüsselsatz aus der Augustinusregel, die „Goldene Regel“ des Heiligen Augustinus von Hippo.

Er zitiert: „Über die Liebe steht geschrieben, dass sie nicht ihren Vorteil sucht, das heißt: Sie stellt das Gemeinschaftsinteresse über das Eigeninteresse und nicht umgekehrt.“ Das, so der Prälat, ist für die persönliche Entwicklung essenziell: „Die Tatsache, dass ihr mehr Sorge für die Belange der Gemeinschaft als für eure eigenen an den Tag legt, ist deshalb ein Prüfstein für euren Fortschritt. Auf den Punkt gebracht: Das Gemeinsame über das Eigene stellen und das Gemeinschaftsinteresse über das Eigeninteresse.“

„Das Gemeinsame wieder mehr über das Eigene stellen.“ Prälat Maximilian Fürnsinn

Auf den ersten Blick sei der Appell von Augustinus „eine banale praktische Forderung, nicht spirituell, scheinbar kein großer Geistesblitz, eine fast hausbackene Empfehlung“, meint Fürnsinn weiter. Aber: „Augustinus ist nicht wirklichkeitsfremd. Er weiß, dass der Mensch eher zum Egoismus neigt. Dies war zu seiner Zeit so und dies ist auch heute so, ob in der großen Gesellschaft oder in unseren kleinen Lebensräumen.“

Das Prinzip „Zuerst komme ich und dann lange niemand und dann du“ führt zu Gesellschaftsproblemen. Fürnsinn: „Wir erleben ein Zunehmen der Entsolidarisierung in unserer Gesellschaft. Das Eigenwohl wird immer mehr über das Gemeinwohl gestellt.“ Hinzu kommt das Wachsen der Beziehungsunfähigkeit, und bei vielen ein übersteigertes Selbstwertgefühl – „mit kindlichem Konkurrenzdenken und übersteigertem Kompetenzverständnis. Und auf der Ebene der Wirtschaft bricht ein heftiger Vernichtungskampf aus“, predigt der neue Administrator.

Die Augustinusregel ist daher auch heute bedeutend: „Der Satz des Heiligen Augustinus bekommt auch für unsere Zeit viel für alle gesellschaftlichen Bereiche eine neue Aktualität: Dies ist ein politischer Satz! Das Gemeinsame wieder mehr über das Eigene stellen!“

Auch für seine Mitbrüder gilt der Appell. Denn: „Der sogenannte moderne Lebensstil schwappt heute auch hinter die Klostermauer. Aus meiner jahrzehntelangen Erfahrung im Ordensleben weiß ich, dass Augustinus mit seinem Postulat – das Gemeinsame über das Eigene zu stellen – einen Knackpunkt klösterlichen Lebens berührt. Er selber bezeichnet dieses Postulat als einen Prüfstein für die Reife eines Klosters und seiner Mitglieder.“