Klosterneuburg

Erstellt am 03. November 2016, 05:10

von Christoph Hornstein

Diskussion um Kernstockgasse in Klosterneuburg . Die Kernstockgasse in Klosterneuburg ist nach einem Strache-Statement wieder im Gespräch. War Kernstock ein Nazi? Stadtchef Schmuckenschlager will Hinweistafel anbringen.

NÖN

Nachdem FPÖ-Chef Heinz Christian Strache – wie der „Kurier“ veröffentlichte – auf Facebook ein Bild von sich und eine Strophe der Hymne der Ersten Republik von Ottokar Kernstock gepostet hatte, flammt die Diskussion um die Klosterneuburger Kernstockgasse wieder neu auf. Schon 1997 gerieten sich die Parteien in die Haare, was man denn mit der ungeliebten Straßenbenennung anstellen solle. Die SPÖ war für eine Umbenennung, die ÖVP wollte die Sache prüfen, die FPÖ war dagegen. Dann schlief die Causa ein.

Hakenkreuzlied von Kernstock

Der steirische Chorherr Ottokar Kernstock verfasste 1920 den Text zur „Deutschösterreichischen Volkshymne“, die dann auch im austrofaschistischen Ständestaat Verwendung fand. 1923 schuf er das sogenannte „Hakenkreuzlied“ für die Fürstenfelder Ortsgruppe der „Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei“ (DNSAP), das nach dem Anschluss 1938 Nazi-Deutschland als Propaganda-Lied diente. Nach seinem Tod (1928) wurden viele Straßenzüge nach ihm benannt. So auch die Klosterneuburger „Kernstockgasse“.

Gemeinderat Peter Hofbauer (Liste Peter Hofbauer), der 1997 als SPÖ-Vizebürgermeister für eine Umbenennung der Straße war, ist heute nicht mehr dafür: „Ich schlage vor, der Name der Kernstockgasse bleibt. Schon wegen der Komplikationen mit der Notwendigkeit von Änderung der Adressen der Bewohner.“ Die Kernstockgasse solle nicht nach Ottokar Kernstock, sondern nach Ernst Kernstock, einem 1900 verstorbenen Grazer Botaniker, benannt werden. Dass dieser nichts mit Klosterneuburg zu tun hätte, täte diesem Vorhaben keinen Abbruch, schließlich war Ottokar Kernstock auch kein Klosterneuburger, sondern soll nur in Weidling einige Sommer genossen haben.

Stadträtin Martina Enzmann von den Grünen geht da in ihrer Betrachtung schon tiefer. „Man muss auch den historischen Kontext im Blickfeld haben. War Kernstock ein Nazi? Aufgrund der Sterbedaten war er es nicht.“

„Ich finde es falsch, Geschichte, die sich durch Namen widerspiegelt, totzuschweigen.“

Stefan Schmuckenschlager, Bürgermeister

Seine Ansichten seien von einem deutschtümelnden Weltbild geprägt gewesen, Antisemitismus auch im klerikalen Umfeld war en vogue. In Schriften, Gedichten und Briefen wimmelte es ab dem frühen 19. Jahrhundert von Judenhass, Rassismus, und ab 1914 kam noch die Kriegsverherrlichung dazu, ehe 1918 das böse Erwachen kam. Und man erst recht aufgrund der erlittenen Schmach weiter dem Deutsch-Nationalismus frönen musste. Enzmann: „Darum gerne eine Diskussion, besser noch Erforschung weiterer ‚belasteter‘ Straßennamen in Klosterneuburg. Und diese nicht mit dem Pinsel übermalen, sondern als Chance für Geschichtsbewusstsein und Aufklärung verwenden.“

Für Stadtchef Stefan Schmuckenschlager gibt es keine Notwendigkeit, die Kernstockgasse umzubenennen, weil dies für Anrainer mit großem Aufwand verbunden wäre. Schmucken-schlager ist aber für die Anbringung
einer Hinweistafel. „Ich finde es falsch, Geschichte, die sich durch Namen widerspiegelt, totschweigen zu wollen.“

Das schlug der Stadtchef schon 2012 in der NÖN vor. Angebracht wurde bis dato keine Hinweistafel. „Die Sache ist im Ausschuss eingeschlafen“, so der Bürgermeister.

In Wien ist der Name Kernstock aus dem Straßenregister verschwunden. Aus dem „Kernstockplatz“ im 16. Bezirk wurde der „Familienplatz“, die „Ottokar-Kernstock-Straße in Wien-Penzing zur „Jägerstätterstraße“.

Umfrage beendet

  • Kernstockgasse: Soll sie umbenannt werden?