Weidlinger Mühlberg: Erste Hütten abgerissen. Grünland-Hütten wurden vor über 15 Jahren illegal errichtet. FPÖ-Stadtrat Pitschko wirft ÖVP wegen Grätzlfest im Jahr 2006 Kenntnis vor. Vize Honeder: „Mehr als lächerlich.“

Von Claudia Wagner. Erstellt am 02. Juli 2020 (02:25)
Nach gescheiterten Berufungen mussten die ersten Grünland-Hütten am Mühlberg abgerissen werden.
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Die Berufungen gegen die Abbruchbescheide wurden abgelehnt, die ersten Grünland-Hütten nun abgerissen: Der Zwist am Weidlinger Mühlberg geht in die nächste Runde. Stadtrat Josef Pitschko (FPÖ) unterstreicht abermals: Die Causa sei ein Beweis für die „Freunderl- und Pfründewirtschaft in der ÖVP-dominierten Stadt“.

Ein ÖVP-Politiker (nicht im Bild) soll, so behaupten die Pächter, die Hütten am Mühlberg mündlich genehmigt haben. FPÖ-Stadtrat verweist auf ein Grätzlfest im Jahr 2006 als Beleg, dass die ÖVP Kenntnis hatte.
NÖN

Zur Erinnerung: Pächter von gemeindeeigenen Grundstücken sahen sich plötzlich mit Abbruchbescheiden für ihre Kleinbauwerke konfrontiert. Das Brisante: Die Bewohner behaupten, dass ihre Hütten mit Zustimmung und Kenntnis des zuständigen ÖVP-Stadtrats errichtet worden seien. Die Berufungen scheiterten bei Stadtrat und Landesverwaltungsgericht.

Pitschko bringt das Thema wieder aufs Tapet und verweist nunmehr auf einen Bericht der NÖN vom 14. Juni 2006 über ein Grätzlfest am Mühlberg. An der nachbarschaftlichen Fete nahmen neben rund 40 Anwohnern auch ÖVP-Politiker teil. Der FPÖ-Stadtrat sieht seinen Verdacht auf ÖVP-Machenschaften bestätigt: „Die Mediengeilheit von Politikern kann nachträglich zu belastenden Dokumenten führen, die auch ihre Erinnerungslücken schließen. Der Bericht der NÖN lässt den Schluss zu, dass ÖVP-Politiker die illegal errichteten Hütten am Mühlberg zumindest kannten.“ Und weiter: „Ich kann nachvollziehen, dass sich die Pächter gefrotzelt fühlen, wenn sie 14 Jahre nach einem Grätzlfest mit ÖVP-Politikern mit offenen Ohren für die Anliegen der Bevölkerung von der Baubehörde Abbruchbescheide für ihre Gartenhütten erhalten.“

Honeder: Baubestand ändert sich in 14 Jahren

Unter den Besuchern war Vizebürgermeister Roland Honeder (ÖVP), damals Gemeinderat. Die Argumentation von Stadtrat Pitschko lässt er nicht gelten: „Dass vor 14 Jahren in einiger Entfernung zu den gegenständlichen Bauwerken ein Grätzlfest stattfand, als Beweis für ,Freunderlwirtschaft‘ heranzuziehen, ist mehr als lächerlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich in 14 Jahren der Baubestand ändert, ist erfahrungsgemäß hoch.“ Und: Eine Dominanz der ÖVP sei, so der Vizebürgermeister, bei acht Parteien und fehlenden acht Prozent auf die Absolute nicht mehr gegeben.

Wenn die FPÖ einen Beleg für die „Freunderlwirtschaft“ der ÖVP habe, „möge sie diesen bitte vorlegen und ansonsten die Anschuldigungen unterlassen“, fordert Honeder und fragt sich: „Wäre es der FPÖ lieber, einen erkannten nicht rechtskonformen Zustand beizubehalten?“