Fotokunst in Klosterneuburgs Vinothek

Erstellt am 20. Jänner 2023 | 05:31
Lesezeit: 3 Min
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„There will be Glory“: Florian Hirzingers fotografische Arbeiten sind noch bis 23. Jänner in der Stiftsvinothek zu sehen. Ein Werkblock widmet sich einem stillgelegten Trassenabschnitt der Wiener Stadtbahn.
Foto: Stift Klosterneuburg, W. Hanzmann
Nur noch bis 23. Jänner: Florian Hirzingers eindrucksvolle Fotoausstellung „There will be Glory“ in der Stiftsvinothek.
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„Jedes Infrastrukturprojekt unterliegt dem Wandel der Zeit, selbst wenn es von weltberühmten Architekten wie Otto Wagner geplant wurde“, meint Florian Hirzinger, dessen Fotoausstellung „There will be Glory“ in der Stiftsvinothek nur noch bis 23. Jänner zu sehen ist. Seine eindrucksvollen Arbeiten sind auch auf der Homepage www.fh-ap.com zu finden und auch erwerbbar.

Ein Teil seiner Bilder thematisiert unter dem Titel „The High Line“ die 1996 stillgelegte Hochbahn-Trasse der Wiener Stadtbahn zwischen Spittelau und Heiligenstadt. Diese Trasse steht zwar unter Denkmalschutz, ist aber offensichtlich dem Verfall preisgegeben.

„Fotografien können immer nur eine Momentaufnahme sein.“ florian hirzinger Beruf

Auf den Linien der 1898 eröffneten Wiener Stadtbahn fuhren anfangs noch Dampflokomotiven. Die Serie „The High Line“, so Hirzinger, dokumentiert „das Spannungsverhältnis zwischen der Planung und Entwicklung städtischer Infrastruktur im zeitlichen Horizont.“

„Fotografien jedoch können immer nur eine Momentaufnahme sein. Denn wie das Beispiel der namensgebenden High Line in New York illustriert, können heute verfallene Bauwerke schon morgen in neuem Glanz erstrahlen“, verleiht Hirzinger der Hoffnung Ausdruck, dass auch dieses historische Trassenstück einer Renovierung und Revitalisierung zugeführt werden kann, wie es bei einem anderen Teilstück ja auch schon der Fall war: am „Skywalk“ zwischen Spittelau und Friedensbrücke gibt es bereits seit 2007 einen Radweg.

Die Idee, die ein Kilometer lange Trasse zwischen Heiligenstadt und Spittelau zur High Line Vienna umzugestalten, ist nicht neu. Einer der Ersten, die sich intensiv Gedanken über eine Nutzung der Trasse gemacht haben, war der Journalist, Fotograf, Grafiker und Stadtvisionär Michael Hierner. Er hat sogar eine Facebook-Gruppe zum Thema eingerichtet.

Und natürlich haben auch andere Fotografen dort spannende Motive gefunden (etwa Dennis Iwaskiewicz).

Vor einigen Jahren haben die Wiener NEOS (die ja inzwischen in der Stadtregierung mitwirken) ein Konzept entwickelt, die denkmalgeschützten Stadtbahnbögen nicht nur als Flaniermeile, sondern auch als Start-up-Option für junge Unternehmen zu adaptieren. Von Künstlerateliers, einem Kulturzentrum, einem Skaterpark und einer Boulderstrecke war die Rede. Damals (2015) bezifferte man die Kosten mit 125 Millionen Euro: ein Betrag, der heute sicher deutlich höher anzusetzen wäre.

In jüngster Zeit scheint die Idee für die High Line wieder in Fahrt zu kommen: Im Büro der Döblinger Bezirksvorstehung soll sich nun auch die ÖVP für den Plan erwärmen, verlauteten die NEOS im Dezember.

Wer weiß – vielleicht sind Hirzingers Fotografien eines Tages Dokumente eines nur vorläufigen Verfalls. Andererseits: Gerade in Wien ist der Umgang mit geschichtlicher Bausubstanz in den letzten Jahren nicht immer von Gespür und Sensibilität geprägt gewesen.

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