Pfeile auf Meister Petz im Bogenwald Klosterneuburg. Lebensnahe Tierattrappen als Ziel von Pfeil und Bogen: Manche finden das ethisch bedenklich. Auch der Grüne Wimmer.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 30. Juli 2020 (03:34)
Ein Ziel von 30 im Bogenwald: ethisch bedenklich?
Wagner

In der Serie „Urlaub in Klosterneuburg“ stellt die NÖN Orte vor, die bei coronabedingtem Zuhausebleiben Urlaubsstimmung vermitteln. Ein solcher Ort ist der Bogenwald zwischen Klosterneuburg und Tulln, der vor zwei Wochen in der NÖN präsentiert wurde. Ein 4,5 Kilometer langer Parcours führt da mit Pfeil und Bogen durch den Wienerwald. Unterwegs wird auf etwa 30 Tierattrappen geschossen – und genau das stößt nun auf Kritik bei manchen Lesern. Auch bei Sepp Wimmer, Fraktionschef der Grünen Klosterneuburg: „Bisher hatte ich nur ein ungutes Gefühl, als ich die Fotos mit den mit Pfeilen bespickten lebensgroßen Tierattrappen aus dem Bogenwald sah. Nachdem mich nun aber immer mehr Menschen, vorwiegend Frauen und Mütter mit Kindern, kontaktiert haben, muss ich eingestehen, ich habe die Wirkung dieser Bilder nicht ernst genug genommen.“

Dabei findet der Grüne Politiker fast nur lobende Worte für den Bogenschießsport: „Bogenschießen ist ein ökologischer Sport. Die Sportler bewegen sich in der Natur, und die Schadstoffemissionen sind gleich Null.“ Was Wimmer aber stört, ist die Tatsache, dass nicht auf Scheiben, sondern auf lebensgroße Tierattrappen geschossen wird. „Tierattrappen, die scheinbar, ob der Treffer, schmerzverzerrt aufschreien“, so Wimmer.

„Schießscheiben passen nicht in den Wald, das wäre lebensfremd und schaut bescheuert aus.“ Hannes Oberndorfer, Betreiber Bogenwald

Ist das Jagen von Tieren, von Bären, zur „Bespaßung“ grundsätzlich ethisch vertretbar? Wimmer: „Es werden hier zwar keine lebendigen Tiere gejagt, aber das Schießen auf lebensnahe Attrappen soll diesen Eindruck wohl vermitteln, sonst bräuchte es diese ja nicht.“

Besonders den Kindern werde damit vermittelt, dass Schießen auf Tiere mit Pfeilen zum Zeitvertreib erlaubt ist. Keine Kindergärtnerin würde das machen. Wimmer: „Bogenschießen ist gut, aber kann es nicht auf Scheiben sein? Macht es den Reiz erst aus, auf Tierattrappen zu zielen?“

Eine Verbindung mit dem mit einem Pfeil angeschossenen Fuchs in Kritzendorf herzustellen, liegt Wimmer fern. Es gebe aber Menschen, die würden dies tun. Daher Wimmers Appell an die Betreiber: „Verschenkt die Tierattrappen an Schulen oder Kindergärten und stellt Schießscheiben auf und macht damit den tollen Parcours auch tauglich für Kinder und Menschen, die im 21. Jahrhundert nicht mehr sehen wollen, dass man auf Tiere schießt.“

Hannes Oberndorfer, Betreiber des Bogenwaldes, sieht das naturgemäß anders: „Schönen Gruß an Herrn Wimmer. Er möge doch vorbeikommen und sich vergewissern, was wir hier vermitteln. Das hier hat nichts mit Jagen zu tun.“

Auch breite Erfahrungen mit Kindern wurden schon gemacht. Sie würden das Bogenschießen nicht mit dem Jagen in Verbindung bringen. Worum es vielmehr ginge, sei die Freude am Sport, die Konzentration und um die Entspannung.

Und zum Appell Wimmers, doch auf Schießscheiben zu wechseln? Oberndorfer: „Schießscheiben passen nicht in den Wald, das wäre lebensfremd und schaut bescheuert aus. Scheiben haben nichts mit dem Wald zu tun.“

Die Kritik ist für Oberndorfer eine klassische Reaktion von Menschen, die das noch nie gemacht haben. Die Mitgliederliste zeige aber, dass sogar Vegetarier, ja dass sogar ein Buddhist Freude Bogenschießen hat. Da hätte es anfangs auch Bedenken gegeben. Oberndorfer: „Eine Fraktionskollegin des Herrn Wimmer aus St. Andrä/Wördern ist auch bei uns Mitglied.“

Und Oberndorfer abschließend: „Wir sagen immer, dass das Jagen im Wald verboten ist. Leider gibt es manchmal ein paar Wahnsinnige, die sich – wie der angeschossene Fuchs in Kritzendorf zeigt – darüber hinwegsetzen. Damit haben wir nichts zu tun und wollen auch nichts zu tun haben.“