Tierschützer Michael Aufhauser war Vermittler bei Geiselnahme. Der Salzburger "Tierdiplomat" Michael Aufhauser hat bei der Geiselnahme in der Bezirkshauptmannschaft Klosterneuburg am Dienstag eine zentrale Rolle gespielt:

Erstellt am 23. März 2011 (10:56)
NOEN, FELIX HOERHAGER (DPA)
Michael Aufhauser
Der Gründer von "Gut Aiderbichl" in Henndorf hat den ganzen Nachmittag über mit dem Täter verhandelt, weil dieser seine 16 Pferde im Tierasyl unterbringen wollte. Der Tierschützer kam dabei dem Ersuchen der Polizei nach, den Mann so lange wie möglich hinzuhalten, bestätigte Aufhauser am Mittwoch.

"Ich saß gerade beim Mittagessen, als ich einen Anruf von meinen Büro bekam, dass es in der Bezirkshauptmannschaft Klosterneuburg eine Geiselnahme gebe, der Täter mit zwei Pistolen eine Frau bedrohe und mit mir sprechen möchte", so Aufhauser. Er habe sich sofort verbinden lassen. "Du kannst Fredi zu mir sagen", habe der Geiselnehmer das Gespräch eröffnet und dann gleich die Frage gestellt, ob Gut Aiderbichl seine 16 Pferde aufnehmen könne, schilderte der Tierschützer. "Ich habe gesagt, dass ich ins Büro fahren muss und mich dann wieder melde."

Zwischenzeitlich nahm Aufhauser mit der Polizei Kontakt auf, die ihn bat, Zeit zu gewinnen, weil die Sondereinheit Cobra erst unterwegs sei. "Danach habe ich ihn am Handy zurückgerufen und gesagt, dass ich Einzelheiten zu den Pferden wissen muss und eine genaue Aufstellung über Alter, Geschlecht et cetera brauche." Laut Aufhauser diktierte "Fredi" seiner 52-jährigen Geisel die gewünschten Details, die diese aufschreiben musste. "Das hat eine Zeit gedauert, dann ist das Mail gekommen."

Nach weiteren Gesprächen mit der Polizei und Psychologen erläuterte Aufhauser dem 55-Jährigen, dass er mit ihm noch die einzelnen Tiere "durchgehen" müsse, ob diese geimpft und entwurmt seien. Und als auch dies erledigt war, erklärte der Aiderbichl-Chef, alleine keine Entscheidung treffen zu können und noch den Stiftungsrat einberufen zu müssen. Auf diese Weise gewann er laufend Zeit. Als er aber dann ankündigte, nun nach Niederösterreich zu kommen, um sich die Pferde persönlich anzusehen, schöpfte der Geiselnehmer Verdacht: "Du hast mit der Polizei gesprochen." Er gab Aufhauser dafür zwei Stunden Zeit, es war dies aber das letzte Telefonat der beiden.

"Er hat mit sonorer, fast pastoraler Stimme mit mir gesprochen", beschrieb der Tierschützer die geschätzten 15 bis 20 Telefonate. "Wenn er mit der Geisel sprach, war er aber sehr forsch." "Ich habe ihm mehrmals gesagt, 'wir kriegen das alles wieder hin, wenn Du finanzielle Hilfe brauchst, so finden wir sicher eine Lösung'." "Fredi" habe ihm auch von seinen Plänen erzählt, Rennpferde-Züchter zu werden. Mehrere Male habe er, Aufhauser, auch mit der Geisel gesprochen, diese habe aber nie vom Handy des Geiselnehmers, sondern über die Amtsleitung angerufen und gebeten, "tun Sie, was er Ihnen sagt".

"Mir geht es heute schlecht. Es wäre mir lieber gewesen, es hätte auch sein Leben gerettet werden können", sagte Aufhauser. "Trotzdem bin ich erleichtert, dass die Frau und auch der Beamte noch am Leben sind."