Definierter Krisenstab für Notfälle in Klosterneuburg. Auch 35 Jahre nach dem GAU ist das Thema Tschernobyl present. Auch für Klosterneuburg gibt es Pläne für den Ernstfall.

Von Victoria Heindl. Erstellt am 30. April 2021 (03:28)
Leopold Spitzbart, Stadtrat für Zivil- und Katastrophenschutz, kann sich noch gut an die Situation vor 35 Jahren erinnern.
Spitzbart, Spitzbart

Es ist wohl eines dieser Ereignisse, an das sich jeder, der es miterlebt hat, erinnern kann. Als Anfang Mai 1986 die Meldung durchsickerte, dass es in einem Atomkraftwerk in der damaligen UdSSR zu einem Reaktorunfall gekommen ist, war man – selbst in Österreich – von einer Gefahr umgeben, die man zwar nicht sehen oder riechen konnte, die aber für alle spürbar war. Auch in Klosterneuburg änderte sich an diesem Tag das Leben der Menschen. Viele waren dabei nicht nur privat von dem GAU betroffen, sondern auch in ihrer beruflichen Existenz.

NOEN

Eigentlich sollte es nur eine Übung sein. Am 25. April wurde die Simulation eines vollständigen Stromausfalls im Kernkraftwerk gestartet. Aus der Übung wurde aber schnell Ernst. Es kam zu einem unkontrollierten Leistungsanstieg, der schlussendlich zu einer Explosion des Reaktors führte. Innerhalb kurzer Zeit wurde eine hohe Radioaktivität freigesetzt, die auch ihren Weg nach Österreich und somit auch nach Klosterneuburg fand.

Eine Gefahr, die man nicht sehen konnte

Im Jahr 1986 änderte sich dadurch das Leben sehr vieler Menschen. Spielplätze wurden gesperrt, Schwammerlsuchen war für dieses Jahr gestrichen, und auch Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten wurde in diesem Sommer meist nicht mehr verarbeitet. Aber nicht nur die eigenen Gartenfrüchte landeten auf dem Kompost, auch für Gärtnereien und die professionelle Landwirtschaft begann der Sommer 1986 alles andere als gut. Daran kann sich auch noch Leopold Spitzbart erinnern. Der jetzige Stadtrat für Katastrophen- und Zivilschutz erlebte die Nachwirkungen der Tschernobyl-Katastrophe in der Gärtnerei seiner Familie. „Wir mussten 1986 insgesamt drei Sätze Salat und anderes Blattgemüse, welches während der Katastrophe auf dem Freilandfeld wuchs, vernichten“, erinnert sich Spitzbart an die Zeit vor 35 Jahren. Erst Folgesätze, die nach dem Reaktorunfall angebaut wurden, konnte die Gärtnerei Spitzbart – nach mehreren Proben und Analysen – wieder verkaufen.

„In Klosterneuburg würde auch der Krisenstab der Stadtgemeinde zusammentreten und weitere Maßnahmen, wie im Katastrophenschutzplan vorgesehen, umsetzen.“ Leopold Spitzbart, Stadtrat für Zivil- und Katastrophenschutz

„Ich war damals 15 Jahre alt. Ich kann mich noch erinnern, dass alle Erwachsenen ob der Gefahr, die man weder sehen noch riechen noch schmecken kann, sehr nervös waren. Es wurden auf den Spielplätzen alle Sandkisten abgedeckt, und wir durften nicht im Freien unsere Freizeit verbringen. Das war für mich damals schon die Höchststrafe. An die Sorgen bezüglich der Zukunft der Gärtnerei meiner Eltern und Großeltern kann ich mich auch noch gut erinnern – das war ein beängstigendes Gefühl“, ist die Erinnerung bei Spitzbart auch nach 35 Jahren noch immer präsent.

Immer bereit für den Notfall

Aber wie würde eine solche Katastrophe heutzutage aussehen? Welche Schutzmaßnahmen, welche Regelungen würden jetzt aktiv werden? Dazu kann Spitzbart ebenfalls Auskunft geben. Als Stadtrat für Zivil- und Katastrophenschutz würde auch ein neuerlicher Reaktorunfall in seinen Aufgabenbereich fallen.

„Federführend bei einem GAU ist der Bund im Rahmen des nationalen nuklearen Notfallschutzes. Es gibt österreichweit ein flächendeckendes Messnetz für Gammastrahlung mit über 300 Messstellen“, erklärt Spitzbart. Zusätzlich gibt es bundesweit zehn Luftmonitore, die automatisch und regelmäßig Alpha-, Beta- und Gammastrahlungen messen. In Wien, Linz, Graz und Innsbruck werden außerdem verschiedene Überwachungsaufgaben in den dafür ausgestatteten Strahlenschutzlabors durchgeführt.

Corona-Pandemie als Vorbereitung

„Die weiteren Interventionspläne von Bund und Land beinhalten die Beteiligung aller Einsatzorganisationen und ihre Zuständigkeiten, die Ablaufplanung sowie die Melde- und Alarmierungswege, alle Interventionsmaßnahmen, die Information der Bevölkerung und die mögliche medizinische Hilfeleistung“, berichtet Spitzbart über das Prozedere, das im Fall des Falles in Kraft treten würde.

Die Alarmierung der Bevölkerung erfolgt dann über Sirenen, das Radio und über das Fernsehen. Sollte es es zu einem nuklearen Zwischenfall kommen, würde auch in der Babenbergerstadt die Maschinerie in Gang gesetzt werden. „In Klosterneuburg würde auch der Krisenstab der Stadtgemeinde zusammentreten und weitere Maßnahmen laut Katastrophenschutzplan umsetzen. Wie wichtig so ein fix definierter Krisenstab ist, hat sich erst vor einem Jahr gezeigt, als Klosterneuburg sehr schnell Maßnahmen beim Beginn der COVID-19-Pandemie umsetzen konnte“, setzt Spitzbart auf die Erfahrungen, die der Krisenstab in den letzten Monaten sammeln konnte.

Aktuell werden für den Notfall im Klosterneuburger Katastrophenschutzplan die Blackout-Maßnahmen überarbeitet: auch eine durchaus reale Bedrohung. Für solche oder nukleare Notfälle ist detailliertes Informationsmaterial zum Verhalten unter www.noezsv.at nachzulesen.