Stiftsweinkeller: Modern in der Tradition . Der barocke Stiftsweinkeller in Klosterneuburg vereint Historisches mit neuester Technik.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 23. Juli 2020 (03:59)

KLOSTERNEUBURG Drei Stockwerke unter Erzherzoghut, Agnesschleier und Co. lagert das Stift Klosterneuburg verborgene Schätze: St. Laurent, Zweigelt, Riesling, Chardonnay oder Grüner Veltliner.

Der Weinkeller ähnelt einem Labyrinth. Mit einem Stifts-Guide an der Seite ist Orientierung in den verwinkelten Gängen, Nischen und Verzweigungen aber kein Problem. Und noch besser: Man hört die besten Anekdoten aus über 900 Jahren (Wein-)Tradition.

Wussten Sie etwa, dass sich jeder Novize als Winzer probiert und bei der Eiswein-Lese mithilft? Dass der Versuch, Hühner am Weinberg als natürliche Schädlingsbekämpfer einzusetzen, scheiterte, als Füchse kamen? Oder, dass das Stift Franz Josef und Sisi je ein Fass widmete und Sisi länger dicht blieb?

Die beste Geschichte schreibt der Weinkeller selbst: Die unterirdischen Gewölbe aus der Barockzeit erstrecken sich bis Donau-Niveau hinunter – und sind somit um 36 Meter tiefer als der Stiftsplatz. Dicke Doppel-Mauern kühlen natürlich und sind seit Jahrhunderten wartungsfrei. Guide Kerstin erklärt das gefinkelte System: „Die Außenmauern sind vier Meter dick, dann ist ein Meter freier Raum und dann noch einmal eine Zwei-Meter-Mauer. Der Zwischenraum ist wichtig für die Luftzufuhr, denn es gibt immer wieder kleine Kamine, die frische Luft bringen.“

Umweltfreundlich und am Zahn der Zeit

Der historische Weinkeller – das Stift Klosterneuburg ist das älteste Weingut Österreichs – vereint Tradition und Moderne. Die Zukunft ist umweltfreundlich, das bestätigt auch das „CO -neutral“-Gütesiegel, mit dem das Weingut ausgezeichnet ist. Die Winzer drehen aktiv am Zahn der Zeit, oft in Zusammenarbeit mit HBLA und BA Klosterneuburg – der weltweit ältesten Weinbauschule, 1860 im Stift gegründet. Forschungserfolg der Gegenwart: Barrique-Fässer aus Wienerwald-Eiche.

Jedes vierte Barrique-Fass ist mittlerweile aus heimischem Holz. Dort reifen die edelsten Tropfen und entfalten ihre herbe, holzige Note. Wer lieber zum leichten, spritzigen Vino greift, wird ebenso fündig. In einem Durchschnittsjahr füllen die Winzer rund 750.000 Flaschen ab. Besucher einer Weinkellerführung können einige wenige davon als Abschluss in der Vinothek verkosten.