Unmut gegen Klosterneuburger Bauprojekt wird stärker. Die NÖN-Telefone laufen heiß, die NÖN-Mail-Accounts sind voll: Anrainer wehren sich vehement gegen das Bauvorhaben Weidlinger Straße 45.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 08. September 2021 (04:41)
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Dieses Bauprojekt in der Weidlinger Straße 45 sorgt derzeit für viel Aufregung.
Janusch, www.janusch.co

Zu groß, zu hoch, kein ausreichendes Verkehrskonzept, der Kindergarten ist zu klein – das sind nur einige der Argumente, die Anrainer gegen das geplante Bauprojekt Weidlinger Straße 45 in vielen Mails und Telefonaten der NÖN vorbringen. Momentan sei man am Sammeln von Unterschriften gegen den Bau in dieser Größenordnung. Über einen schönen und großen Kindergarten und weniger Wohnungen würde man sich hingegen freuen, wie Anrainerin Sabine Telsnig der NÖN mitteilt.

Im Schlangenkurs auf einspuriger Straße

In der Gemeinderatssitzung am 24. September soll entschieden werden, ob der Bau in der vorgeschlagenen Weise kommt, oder nicht, denn dafür wäre eine Umwidmung in Bauland notwendig. In der Riege der Anrainer brodelt es aber bereits.

Der zu erwartende Verkehr ist das Hauptargument dagegen, denn der aktuelle Verkehrszustand soll schon jetzt am Limit sein, schreibt uns Anrainerin Beate Unfried. Mit dem Neubau würden noch 200 bis 300 Autos dazukommen. Parkplätze gebe es schon lange keine mehr, in der Sackgasse Leopold-Weinmayer-Straße – eine einspurige Wohnstraße – kommt es insbesondere in den Stoßzeiten zum Verkehrschaos.

Aber auch auf der Weidlinger Straße würde es gefährlich werden. Aufgrund der Straßenbiegung nach der Kreuzung Agnesbrücke ist die Straße nicht einsehbar. Unfried: „Durch die Ein- und Ausfahrt der geplanten Wohnanlage auf die bereits stark frequentierte Weidlinger Straße erhöht sich die Gefahr massiv.“

„Wir fordern ein umfassendes Verkehrskonzept, das die bereits jetzt angespannte Verkehrslage entschärft und nicht weiter auf die Spitze treibt.“ Beate Unfried,Anrainerin

Der Kindergarten soll von seinem derzeitigen Standort in die geplante neue Wohnanlage übersiedeln. Die geplante Anbindung des Kindergartens in der Leopold-Weinmayer-Straße bedeute, dass der Zubringerverkehr noch weiter in die einspurige Wohnstraße gezogen werden würde.

Kindergartenkinder könnten nicht bei der „Kiss & Go“ Zone auf der Weidlinger Straße aussteigen und dann alleine in den Kindergarten gehen. Sie müssten in die Gruppe gebracht werden. Das heißt, dass die Autos der Kindergarten-Eltern durch die Wohnstraße Leopold-Weinmayer-Straße fahren und dort den entgegenkommenden Autos auf der einspurigen Straße im Schlangenkurs mühsam ausweichen müssen.

„Daher fordern wir als Wohngemeinschaft Leopold Weinmayer Straße 14/Weidlinger Straße 49 ein umfassendes Verkehrskonzept, das die bereits jetzt angespannte Verkehrslage entschärft und nicht weiter auf die Spitze treibt“, so Unfried weiter.

Zwei weitere Wohnblöcke würden das Stadtbild verschandeln und die Lebensqualität Klosterneuburgs weiter verringern. Außerdem ließe die fünfstöckige neue Wohnanlage zum angrenzenden Gebäude nur einen schmalen Korridor zu und verringert für das Bestandsobjekt den Licht- und Sonneneinfall massiv. Unfried: „Zuletzt ist es auch fraglich, ob in Klosterneuburg – angesichts der Vielzahl an leer stehenden Wohnungen und des Baubooms - tatsächlich Bedarf an zusätzlichen Wohnungen besteht und die neu gebauten Wohnungen lediglich als ‚Anlegerwohnungen‘ gebraucht werden.“

„In der letzten Stadtratssitzung forcierte Stadtrat Wimmer die Ausarbeitung eines umfassenden Verkehrskonzeptes zur Verbesserung der Situation in der Leopold-Weinmayer-Straße“, versucht Vizebürgermeister und Stadtrat Roland Honeder (ÖVP) zu beruhigen. Die ÖVP unterstütze diese zielführende gemeinsame Ausarbeitung von Stadtplanungs- und Verkehrsausschuss. Das Projekt selbst sei im von den Stadträten Edtmayer und Wimmer geführten Planungsausschuss ausgearbeitet und geprüft worden. Anschließend wurde der entsprechende Raumordnungsvertrag mit großer Mehrheit im Gemeinderat beschlossen.

Positive Aspekte des Bauprojekts

Fast alle Parteien des Gemeinderates hätten die zahlreichen positiven Aspekte an diesem Projekt gesehen, allen voran den Ersatz für den alten sechsgruppigen Kindergarten, der nun um eine Gruppe erweitert werden könne und damit den bisherigen Container-Kindergarten ablösen wird.

Aber auch das Thema Sozialwohnungen, die Durchwegung um Rad- und Fußverkehr im Grätzl zu fördern, die angestrebte Niedrigenergiebauweise inklusive ökologischer Energieerzeugung, die Entsiegelung von Boden, eine biodiverse Bepflanzung sowie die hohe Radverkehrsfreundlichkeit sprächen für das Projekt als Alternative zum bisherigen Bauland-Betriebsgebiet inmitten von Wohngebäuden.

Honeder verspricht: „Die ÖVP wird die im Auflageverfahren eingebrachten Stellungnahmen der Anrainer sehr ernst nehmen und die fachlichen Antworten im Ausschuss genau prüfen.“