Klosterneuburger Verkehrs-Kollaps durch Wohnbau?. Jetzt schon ist, nach Meinung der Anrainer, die Verkehrssituation am Limit. Was, wenn 150 Wohnungen dazukommen?

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 18. August 2021 (05:49)
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So könnte der Wohnbau am Weilguni-Areal aussehen. Von fünf geladenen Architekturbüros konnte das Siegerbüro die Vorgaben der Stadt am besten umsetzen.
Janusch, www.janusch.co

Ein Vorzeigeprojekt in Klosterneuburg noch nie da gewesenen Ausmaßes soll es werden. Die Nachnutzung der Liegenschaft des früheren Autohauses Weilguni soll als Wohnprojekt den Baumarkt in Klosterneuburg revolutionieren. Doch auf eines hat man augenscheinlich vergessen: Was passiert mit dem Verkehr?

Statt der Weilguni-Betriebsfläche soll ein Wohnbau mit Öko-Schwerpunkt kommen. Die Richtlinien dafür gibt die Stadtgemeinde vor. Das Gebäude soll möglichst energieeffizient errichtet werden. Auf den Dächern soll es Photovoltaikanlagen geben, öffentliche Wege für Fußgänger und Radfahrer, eine Grünzone im Erdgeschoß soll entstehen.

Auch Soziales gab die Stadtgemeinde vor. So soll ein Kindergarten angemietet werden, der 130 bis 150 Kindern Platz bieten soll. Auch sollen zwölf Wohnungen, deren Nettomietzins gedeckelt ist, entstehen. Die Stadt hat ein Vorkaufsrecht auf Sozialwohnungen und Kindergarten.

„Sie können sich wohl vorstellen, in welche Gefahr sich die Kinder am Schulweg und die Bewohner begeben.“ Verena Grösel-Ruff, Anrainerin

Das klingt alles wunderbar. Und trotzdem erhebt sich nun Protest bei den Anrainern. Denn bei dem das Auflageverfahren durchgelaufenen Projekt gibt es viele Einsprüche der Anrainer. Der Grund ist die Verkehrssituation, die sich schon jetzt für die Anrainer als nicht mehr bewältigbar darstellt. Es gäbe ohnehin schon ein bestehendes Verkehrsproblem, insbesondere in der Anton-Bruckner-Gasse und Leopold-Weinmayer-Straße.

„Seit wir die Vorschläge zum geplanten Weilguni-Projekt gesehen haben, sind wir außer uns vor Sorge“, schreibt uns etwa Verena Grösel-Ruff, die mit ihren beiden Kinder seit 1998 in der Anton-Bruckner-Gasse lebt.

„Wir sind die authentischsten Beobachter und leidtragenden Zeugen der verkehrstechnisch ohnehin stark überlasteten Situation“, so Grösel-Ruff. Aktuell käme es schon jetzt zu überbordenden Verkehrsverdichtungen durch Schule, Kindergarten, Lieferanten, Gastronomie und vieles mehr. Aufgrund dieses extrem hohen Verkehrsaufkommens in der Leopold-Weinmayer-Straße – die eigentlich eine Spielstraße ist – käme es stetig zu einem enormen Chaos. Grösel-Ruff: „Sie können sich wohl vorstellen, in welche Gefahr sich die Kinder am Schulweg und die Bewohner begeben.“ Bereits in der Vergangenheit seien schlimme Unfälle mit Kindern passiert und Tiere überfahren worden. Spielende Kinder befänden sich in Lebensgefahr.

So die Wahrnehmung der Anrainer zur jetzigen Situation, die durch den Bau des Wohnprojektes mit seinen rund 150 Wohnungen wahrscheinlich nicht besser wird. „Die Entwürfe stellen überdimensionierte Monsterbauten dar. Solche in dieses ohnehin schon extra dichte Wohngebiet zu stopfen wäre eine Katastrophe für alles bereits Bestehende. Die Kapazität ist ja bereits jetzt schon am Limit“, so Grösel-Ruff weiter.

„Wenn es keine praktikablen Lösungen für einen reibungslosen Verkehrsablauf gibt, wird eine endgültige Zustimmung der Grünen zu dem Projekt schwer möglich sein.“Sepp Wimmer, Fraktionschef der Grünen

Auch im Namen vieler Anrainer entwirft Verena Grösel daher einen umfassenden Forderungskatalog, was den Wohnbau auf den Weilguni Gründen betrifft (siehe Kasten) „Ich kenne sehr viele Anrainer, und durch unsere Kinder haben wir viele Bekannte. In der letzten Zeit habe ich mit allen über das geplante Bauvorhaben gesprochen. Alle waren wir uns einig, dass das Projekt in der vorgeschlagenen Form eine Katastrophe für die Bewohner des Viertels und vor allem für die Kinder wäre“, versichert Grösel-Ruff.

Hier setzt auch Stadtrat Josef Pitschko (FPÖ) an: „Der Zugang zum Bauteil 1 und zum Kindergarten soll über die Leopold-Weinmayer- Straße erfolgen, wo auch eine ,Kiss and Ride‘- Zone vorgesehen ist. Damit ist eine tägliche prekäre Verkehrssituation vorprogrammiert, wenn zusätzlich die Anton-Bruckner- Gasse wie geplant verengt wird.“

Und die Gelegenheit auf einen Seitenhieb auf die Grünen lässt Pitschko auch nicht aus: „Während der Bauzeit können die einfältigen Weidlinger Speckgürtelgrünen im Verkehrsstau monatelang in eine tiefe Baugrube schauen und danach das Entstehen der Öko-Betonklötze verfolgen. Solche Wohnklötze wollen die grünen Politiker Klosterneuburgs und wohl auch deren Wähler. Die Anrainer tun mir jetzt schon leid, weil die Parkplatzsituation für sie unerträglich werden wird.“

Auch die angekündigten Dachgärten auf den Flachdachbereichen hält der freiheitliche Stadtrat für einen Öko-Schmäh: „Erstens müssen die Dachgärten einem Ortsbildgutachten entsprechen und zweitens sind die Dachflächen der Gebäude mit Photovoltaikanlagen auszugestalten. Da wird für großartige Dachgärten kein Platz sein.“

Die Grünen sind bekannt für ihre kritische Haltung, was das Bauen, insbesondere Großprojekte, betrifft. Sie halten auch mit Stadtrat Johannes Edtmayer den Vorsitz in dem dafür zuständigen Planungsausschuss. Fraktionschef Sepp Wimmer zählt die Grünen Forderungen auf, die mit diesem Projekt erfüllt wären:

  • Zentral an einer Hauptverkehrsachse gelegen mit einer zehnminütigen Fußverbindung zum zentralen Öffi-Verkehrszentrum den Weidlinger Bahnhofs
  • 30%ige Entsiegelung des Bodens.
  • Niedrigenergiebauweise
  • Flächen werden begrünt .
  • Photovoltaikanlage am Dach.
  • Errichtung eines siebengruppigen Kindergartens und damit Beendigung des bestehende Kindergarten-Containerprovisoriums
  • Die Stadt bekommt 12 Wohnungen für Sozialbedürftige zu einem gedeckelten Mietpreis.

„Das sind alles Gründe, warum wir Grünen diesem Projekt bisher zustimmten“, so der Grüne Fraktionschef Sepp Wimmer. Was aber noch geklärt werden müsse, wären – und das hätte der Vorsitzender im Planungsausschuss Edtmayer bereits in seiner Wortmeldung im Gemeinderat gesagt – zahlreiche Verkehrsmaßnahmen, die insbesondere den Kindergarten, die Anton-Bruckner-Gasse und die Leopold-Weinmayer-Straße betreffen.

Wimmer: „Denn mögen die aufgezählten positiven Sachverhalte noch so grün-affin sein: Wenn es keine praktikablen Verkehrsmaßnahmen für einen reibungslosen Verkehrsablauf in dem Viertel gibt, wird eine endgültige Zustimmung der Grünen zu dem Projekt schwer möglich sein. Grüne Parameter schön und gut, aber nicht auf Kosten eines Verkehrschaos und der Lebensqualität in diesem Viertel.“