Schwebendem Haus in Klosterneuburg droht Abriss. Nur mit dem Erhalt der alten Gartenhütte ist der Bau rechtskonform. Aber jetzt scheint diese verschwunden zu sein.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 17. Februar 2021 (04:37)

Mit einer fast zu bewundernden Raffinesse und unter Ausnützung der noch so kleinsten Lücke in der Bauordnung, schaffte es ein, nicht genannt werden wollender Bauherr, aus einer Holzhütte im Grünland eine Designervilla mit Panoramablick zu machen.

Doch der letzte Akkord in dieser Bau-Symphonie ist noch nicht gespielt. Eine große Unachtsamkeit könnte noch den Abriss des Gebäudes bedeuten.

Wie war dieser Bau im Grünland überhaupt möglich?
Im Grünland darf prinzipiell nicht gebaut werden. Aber was wäre, wenn es nicht für jede Regel eine Ausnahme gäbe.

Am Kollersteig stand eine alte Holzhütte. Keine 50 Quadratmeter groß. Es ist im Flächenwidmungsplan als „Erhaltenswertes Gebäude im Grünland“, als sogenanntes „GEB“ gewidmet. Mit dieser Widmung konnten auch im Grünland gebaute Häuschen im Grünland bestehen bleiben und mussten nicht abgerissen werden. Voraussetzung dafür war und ist, dass die wesentlichen Gebäudemerkmale des Altbestandes erhalten bleiben, und eine bauliche oberirdische Erweiterung 16m2 nicht überschreitet. Zusätzlich darf zur Instandsetzung jene Bausubstanz ausgetauscht werden, deren Erhaltung technisch nicht möglich oder unwirtschaftlich wäre. Der Austausch der Bausubstanz darf jedoch nicht die Dimension eines Neubaus erreichen. A

„Der verbleibende Teil des Altbestandes muss auch im fertigen Zustand des Objekts erhalten bleiben.“ Peter Neubauer, Baudirektor

Am Kollersteig passierte dann im Laufe der Bautätigkeit Sonderliches: Wie die NÖN ausführlich berichtete, wurde an nämlicher Adresse das Gebäude halbiert, dann auf Stelzen gestellt, der Hang darunter abgetragen und ein Keller mit Panoramafenstern betoniert, der nahezu das Vierfache der Größe des ursprünglichen Gebäudes misst.

Damit war die Auflage erfüllt, dass die wesentlichen Gebäudemerkmale des Altbestandes auf dem Bauplatz bestehen bleiben müssen. Das als „Keller“ bezeichnete unterirdische Geschoss war aufgrund der GEB-Bestimmungen der Stadtgemeinde Klosterneuburg zulässig und konnte, wie man bei diesem Projekt sieht, auch als schöner Panorama Raum mit Glasfassade verwendet werden.

An der Rechtmäßigkeit der Vorgangsweise hatte auch die Klosterneuburger Baubehörde ihre Zweifel. So wurde ein Baustopp verhängt, und verschiedene Anfragen an das Land NÖ getätigt.

Die vorliegenden Stellungnahmen brachten jedoch keine neuen Erkenntnisse, welche der Behörde die Möglichkeit zum Einschreiten gegeben hätte. Die NÖN wollte nun wissen, wie es denn aktuell um den Baufortschritt am Kollersteig steht und besuchte die Baustelle. Was sofort auffiel: Die Holzhütten-Hälfte ist nicht mehr sichtbar. Dort wo sie zuletzt stand – nämlich auf der „Keller“decke – wurde nun ein Geschoss aufgebaut. Von der Hütte war vorige Woche beim Lokalaugenschein der NÖN nichts mehr zu sehen.

„Dieser verbleibende Teil des Altbestandes, muss auch im fertigen Zustand des Objekts erhalten bleiben“, bestätigt Baudirektor Peter Neubauer die Rechtslage. Man sei gerade dabei, dies zu prüfen, denn es wäre auch rechtens, wenn der verbleibende Teil des Altbestandes im Neubau integriert worden wäre. Wenn allerdings entgegen der rechtskräftigen Baubewilligung gebaut wurde, „sind baubehördliche Schritte einzuleiten. Bei einem Abbruch der wesentlichen Gebäudemerkmale wäre der Status des GEB‘s nicht mehr gegeben“, so der Baudirektor. Was nichts anderes als Abriss heißen kann.

All diese Bautricks sind zum Glück aktuell nicht mehr möglich, denn die Stadtgemeinde hat darauf mit einer Änderung der GEB-Bestimmungen reagiert. Früher war es möglich Gebäude im Grünland, um ein Geschoss zu erweitern. Dem ist nun ein Riegel vorgeschoben. Neubauer: „Jetzt ist eine Erweiterung um ein zusätzliches Geschoss nicht mehr möglich. Auch unterirdisch ist dies seit Mitte 2016 nicht mehr zulässig.“

„Jetzt ist eine Erweiterung um ein zusätzliches Geschoss nicht mehr möglich"

Planungsstadtrat Sepp Wimmer (Grüne): „Es ist schon eine Chuzpe sondergleichen, wenn eine frühere Gartenhütte nun plötzlich zur Designervilla, hoch in den Hängen über Klosterneuburg, wird. Ich vertraue der Baubehörde, dass sie hier genau überprüft, ob die Rechtsanforderungen durch den Bauherren eingehalten wurden. Wenn nicht, wird wahrscheinlich ein Abriss die Konsequenz sein.“

"Ich vertraue der Baubehörde, dass sie hier genau überprüft, ob die Rechtsanforderungen durch den Bauherren eingehalten wurden"

Dass sich so ein Umbau offensichtlich bezahlt macht, beweist ein unmittelbar danebenstehendes und erweitertes GEB-Gebäude im Grünland, das aktuell um 1,5 Millionen Euro zum Kauf angeboten wird. Baudirektor Neubauer: „Auch das haben wir am Radar.“