Thomas Henzinger: „Nobelpreis wäre schöner Nebeneffekt“. Zum runden Geburtstag denkt IST-Präsident Thomas Henzinger an die Anfänge und erzählt vom Alltag im Labor.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 13. Juni 2019 (04:07)
IST Austria
Das IST „misst sich mit den besten Universitäten und Forschungsinstituten weltweit“, ist Präsident Henzinger überzeugt.

In nur zehn Jahren hat sich das IST Austria zu einem international angesehenen Forschungszentrum entwickelt. Präsident Thomas Henzinger, Institutsleiter der ersten Stunde, zieht zum runden Jubiläum Bilanz.

NÖN: Zehn Jahre IST Austria – Was sind Ihre Höhepunkte?
Thomas Henzinger: Einen einzelnen Moment herauszugreifen fällt schwer, aber ein Highlight ist für mich sicherlich die Rekrutierung so exzellenter Wissenschafter. Eine kleine Anekdote: Wenn sich Rektoren von Universitäten treffen, dann fragen sie sich gegenseitig nicht, wie es geht, sondern danach, wie viele sogenannte ERC Grants ihr Institut in letzter Zeit bekommen hat. ERC Grants sind die begehrtesten Forschungsförderungen der Europäischen Union. Und da sind wir heute das erfolgreichste Forschungsinstitut europaweit.

Wenn Sie Tipps oder Ratschläge zehn Jahre zurückschicken könnten, welche wären das?
Als Ratschlag würde ich sagen: „Habt Vertrauen! Das Konzept ist gut und wird funktionieren!“

„Wir haben hier in Klosterneuburg mitten im Wienerwald eine sehr inspirierende Umgebung.“ Thomas Henzinger, IST-Präsident

Bürgermeister Schmuckenschlager hat beim IST-Infoabend sinngemäß gemeint, es ist nur eine Frage der Zeit, bis das IST einen Nobelpreisträger hat. Ist das ein angestrebtes Ziel? Welche Rahmenbedingungen gibt es, um diesen Traum zu erfüllen?
Die Rahmenbedingungen sind durch die Karrieremodelle, die wir anbieten wie dem Tenure Track für Professoren und einer Graduate School für Doktoratsstudierende optimal. Und ein Nobelpreis wäre natürlich ein schöner Nebeneffekt unserer Arbeit am IST Austria, aber so etwas ist nicht planbar und passiert oft erst Jahrzehnte nach der eigentlichen wissenschaftlichen Leistung. Uns geht es darum, exzellente Grundlagenforschung zu machen. Das bedeutet zu verstehen, wie die Welt funktioniert, vom kleinsten Atom bis zum Universum.

Was steht beim IST Austria Tag für Tag im Labor am Programm?

Henzinger: Wir beschäftigen uns mit ganz grundlegenden Fragen: Wie können wir verstehen, dass aus einer Eizelle ein komplexes Lebewesen heranwächst? Wie ist das Universum entstanden? Und wie kann man künstliche Intelligenz einsetzen? Konkreter wird es in Feldern wie der Autismusforschung, die am IST Austria betrieben wird. Oder der Frage nach dem Sozialverhalten von Ameisen und welche Schlüsse man daraus für Menschen und die Ausbreitung von Krankheiten ziehen kann.

Welche Bedeutung hat der Standort in Maria Gugging und Niederösterreich für das IST Austria?
Wir haben hier in Klosterneuburg mitten im Wienerwald eine sehr inspirierende Umgebung. Durch die baulichen Möglichkeiten konnten wir einen Campus schaffen, der für unser multidisziplinäres Institut perfekt ist und dennoch eine gute Anbindung an eine Großstadt mit all ihren Angeboten und einen internationalen Flughafen hat, was für den internationalen Austausch mit Wissenschaftern anderer internationaler Einrichtungen sehr wichtig ist.

Wenn man einen Vergleich aus dem Sport wählen möchte: Wir sind in nur zehn Jahren in die Champions League der internationalen Forschung aufgestiegen. 

Wie erklären Sie jemandem, den Sie im Kaffeehaus treffen, kurz, was das IST Austria ist?
Das IST Austria ist ein Weltklasse-Forschungsinstitut, das an Jungforscher auch Doktoratstitel vergibt. Hier arbeiten einige der besten Wissenschafter der Welt in den Forschungsfeldern Biologie, Neurowissenschaften, Mathematik, Informatik, Physik und Chemie. Unser wissenschaftliches Niveau misst sich mit den besten Universitäten und Forschungsinstituten weltweit: Stanford, MIT, ETH Zürich oder dem Weizmann-Institut in Israel. Wenn man einen Vergleich aus dem Sport wählen möchte: Wir sind in nur zehn Jahren in die Champions League der internationalen Forschung aufgestiegen. 

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