Zeigt Klage gegen Verbund Wirkung?. Kraftwerke ändern ihre aktuellen Richtlinien. Die Stadtgemeinde sieht das als ersten Erfolg ihrer Klage gegen den Verbund, der hier allerdings keinen Zusammenhang sieht.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 01. Oktober 2014 (00:04)
NOEN, Stadtgemeinde Klosterneuburg
Juni 2013: Die Schlammberge im Strombad Kritzendorf erreichten Höhen von bis zu 1,5 Metern.

Die Stadt Klosterneuburg reichte im August gegen den Verbund Klage ein. Jetzt überarbeitet der Kraftwerksbetreiber laut Pressemeldungen die gültigen Wehrbetriebsordnungen für Klosterneuburg. Ein Zeichen, dass der öffentliche Druck Wirkung zeigt.

Die erste Tagsatzung findet zwar erst im November statt, schon jetzt scheint der entstandene Druck jedoch Schlamm aufzuwirbeln. Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager: „Ich werte es als positiv, dass sich die Kraftwerksbetreiber bewegen und österreichweit ihre Richtlinien überdenken. Schade ist nur, dass dies scheinbar erst durch den öffentlichen Druck, den unsere Klage ausgelöst hat, geschieht.“ Denn direkt nach dem Hochwasser im Juni 2013 sah man wohl noch keinen Handlungsbedarf. Einer Presseaussendung des Verbunds war lediglich zu entnehmen, dass die Wasserabfuhr aus den Stauräumen gemäß den behördlich genehmigten Vorschriften geschehe.

Auch bei Verhandlungen im Vorfeld der Klage hieß es, alles wäre in Ordnung. „Wir haben uns zu rechtlichen Schritten entschieden, um die Kraftwerksbetreiber in die Verantwortung zu nehmen“, erklärt Schmuckenschlager. „Es geht nicht nur um den Schadenersatz, wenngleich dieser als Hauptargument gilt. Alles, was den Menschen im Strombad und in weiterer Folge vielleicht im ganzen Land nützt, ist als Fortschritt zu werten.“

Stadtgemeinde will Umdenken bewirken

Hinter der Schlamm-Beseitigung steckte eine enorme Logistik, sie konnte nur durch tatkräftige Hilfe des Bundesheeres bewältigt werden. Strombad-Mitarbeiter, Bundesheer und Freiwillige bewegten rund 8.000 Kubikmeter Material pro Tag. Mehrere Radlader, Bagger, Lkw, Traktoren und Raupen waren im Einsatz.

Die Stadtgemeinde Klosterneuburg klagt nun den Verbund auf Schadenersatz für die Schlammbeseitigung im Strombad Kritzendorf. Im Fokus liegt das Kraftwerk Greifenstein, in dessen Staubereich sich massive Sedimentablagerungen sammeln, die durch den Sog der Hochwasserwelle hinausgespült wurden. Das erklärte Ziel der Stadtgemeinde ist es, ein Umdenken zu bewirken und Ablagerungen in solchen Ausmaßen in Zukunft zu verhindern.

Der Verbund sieht zwischen Klage und der Überarbeitung der Kraftwerksrichtlinien indes keinen Zusammenhang.