Weingenuss ohne bittere Note. Rebe „Zweigelt“ 1922 in Klosterneuburg gezüchtet. Neuer Name wegen NS-Hintergrund gefordert.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 19. Dezember 2018 (04:33)
HBLA
Von 1938 bis 1945 war Friedrich Zweigelt, Schöpfer der gleichnamigen Rotweinrebe, Direktor der HBLA für Wein- und Obstbau.

Eine Kreuzung der Sorten St. Laurent und Blaufränkisch aus dem Jahr 1922 ist heute die meistangepflanzte Rotweinsorte Österreichs. Und gerade auch die meistdiskutierte: Kritiker fordern ob der NS-Vergangenheit Friedrich Zweigelts eine Umbenennung des gleichnamigen Weins.

Die Traube stammt aus der Babenbergerstadt, Zweigelt züchtete seine Rebe einst in der HBLA für Wein- und Obstbau. Getestet wurde an unterschiedlichen Standorten, damals namenlos und mit einer Nummer versehen. Wein und neue Sorten wurden zur Nebensache, als der Zweite Weltkrieg ausbrach. Die Versuche gerieten in Vergessenheit, dafür gewann sein Schöpfer an Bedeutung: Zweigelt – ab April 1933 Mitglied in der NSDAP – wurde 1938 Direktor der Schule.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor der gebürtige Steirer die Position, dafür erlebten seine Reben einen Aufschwung. Der heutige Direktor Reinhard Eder erzählt aus der Geschichte: „Der Winter 1946 war sehr frostig. Fast alle Reben sind erfroren, außer diese Neuzüchtung von Zweigelt.“ Die kälterobusten Trauben wurden in Krems und der Babenbergerstadt parallel weiterentwickelt – bei der HBLA als „Rotburger“. Der Name verrät die Herkunft. Eder: „Alle unsere Weine aus Klosterneuburg heißen -burger.“

„Abgezweigelt“ will neuen Namen

Die neue Sorte gewann in der Winzerwelt Zuspruch. Im Jahr 1975 – Zweigelt war bereits tot – erhielt die Rebsorte durch die Qualitätsweinrebsorten-Verordnung den Namen seines Züchters. Eine Taufe, die nicht unumstritten blieb und bleibt.

Eine Änderung sei längst überfällig, fordert das „Institut ohne direkte Eigenschaften“. Die Aktion „Abgezweigelt“ will den Namen vom Etikett bringen. Zweigelt sei ein „glühender Nazi“ gewesen, lokale Widerstandskämpfer rund um Chorherr Roman Scholz warfen ihm vor, er hätte die Auslieferung eines Aktivisten an die Gestapo nicht verhindert.

„Zweigelt war ein Nazi, keine Frage“, will Eder die Verbrechen nicht schön reden, „in der damaligen Zeit war das in Führungspositionen so.“ Der Rotwein der HBLA trägt heute den Namen „Zweigelt“, in Klammer steht die frühere Bezeichnung „Rotburger“. Wenn es nach der Initiative geht, soll der Wein künftig „Blauer Montag“ heißen. Eder: „Das ist für uns nicht relevant, da die Sorte mit ,Rotburger’ bei uns bereits einen politisch unbefangenen Namen hat.“

Zweigelt:

Friedrich Zweigelt (*1888, † 1964) kam 1912 an die HBLA für Wein- und Obstbau Klosterneuburg. 1922 gelang dem gebürtigen Steirer die Züchtung einer neuen Rebe, heute bekannt als „Zweigelt“. Im April 1933 trat er der NSDAP bei, 1938 übernahm er die Schulleitung, die er bis 1945 innehatte.

Zweigelt-Rebe: Die Kreuzung der beiden Sorten St. Laurent und Blaufränkisch ist besonders kälteresistent. Heute ist der „Zweigelt“ die meistangepflanzte Rotweinsorte in Österreich.

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