Das Korneuburger Rathaus: Einst eine Kirche ...

Erstellt am 27. Juni 2022 | 04:36
Lesezeit: 3 Min
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1922 war der Vorplatz vor dem Rathaus noch komplett ungestaltet, die Terrasse folgte deutlich später.
Foto: Museumsverein Korneuburg
Die Verzierungen am Rathaus von Korneuburg täuschen: Es wurde erst 1895 errichtet. Zuvor stand eine Kirche an diesem Platz, Reste sind noch vorhanden.
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Balkone, Erker, Spitzbögen und Giebel – die Fassade des Korneuburger Rathauses bietet davon reichlich. Dabei ist das heutige Gebäude erst 126 Jahre alt. Ursprünglich stand an seinem Platz die Nikolauskirche. Um 1170 erbaut, diente sie zuletzt als Pfarrkirche der Stadt.

Über die Jahrhunderte gab es an der Kirche viele Veränderungen. Der 47 Meter hohe Stadtturm wurde anstelle des Kirchturms in den Jahren 1440 bis 1447 errichtet. Er war Wachturm im Krieg und bot Überblick, um vor Feuer warnen zu können. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde der Turm schwer beschädigt. Im Zuge einer großen Renovierung 1890 erhielt er sein heutiges Aussehen.

Die Kirche selbst war im 16. Jahrhundert als lutherische Kirche adaptiert, 1625 wurde sie den Augustinern übergeben. Nach der Entweihung 1786 war sie Salzmagazin, Depot der Feuerwehr, Theater und auch Geschäfte gab es. Im Hof des Rathauses ist der Triumphbogen dieser Kirche erkennbar.

Als das alte barocke Rathaus abgetragen wurde, kam 1893 der Beschluss zum Neubau. 1894 wurde die Kirche abgebrochen, 1895 war das Rathaus fertig, im Februar 1896 erfolgte die Übergabe. Mehr als die Hälfte der Baukosten von 120.000 Gulden – heute etwa 1,2 Millionen Euro – spendete übrigens die Sparkasse Korneuburg. Dafür konnte sie Amtsräume im ersten Stock unentgeltlich nutzen. Bis 1929 war das auch der Fall.

Architekt des Rathauses war Max Kropf, der den Stadtturm in den Plänen einbezog. Dieser trägt eine Sonnenuhr und Turmuhren, die mit 1924 datiert sind. Deutlich älter sind die Glocken im Turm, sie stammen aus 1641 und 1673.

Rathaus-Vorderfront ist auffallend verziert

Markant verziert ist die Vorderfront: Über dem Balkon stehen die Figuren von Franz Joseph I. und Herzog Albrecht I. Die zehn Wappen darüber stehen für die Kronländer – die Königreiche Böhmen, Dalmatien sowie Galizien und Lodomerien, die Erzherzogtümer Österreich unter der Enns und Österreich ob der Enns, den Herzogtümern Salzburg, Steiermark, Kärnten, Krain und Bukowina. Im Giebel sind das Stadtwappen und die Jahreszahl 1298 zu sehen. Damals wurde Korneuburg zur Stadt erhoben.

Im Inneren hat das Treppenhaus eine reiche Stuck-Wappendecke. Fein gestaltet sind bürgerliche Wappen des 15. und 16. Jahrhunderts zu sehen, darunter jene von Andreas Ramler, dem ersten Bürgermeister der Stadt 1406, und von Niklas Engelgershauser, der sich beim raschen Wiederaufbau der Stadt nach dem Brand von 1417 verdient gemacht hat.

Im Sitzungssaal der Stadtgemeinde schließlich finden sich eine Holzvertäfelung, eine Kassettendecke und ein großer Kronleuchter. Ein Wandbild zeigt die Verleihung des Stadtrechts, von Kaiser Franz Joseph gibt es ein Ölbild.

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