Juden im Bezirk Korneuburg: Verfolgt und ermordet

Erstellt am 28. Mai 2022 | 05:32
Lesezeit: 3 Min
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Bekannt und beliebt war das Warenhaus von Oskar Sofer am Hauptplatz in Korneuburg, das arisiert und später an die jüdischen Besitzer zurückgegeben wurde.
Foto: Alexander Sofer
Zur Hochblüte des Judentums gab es eine eigene Kultusgemeinde, durch die NS-Zeit war es damit vorbei. Spuren der Juden findet man in Stockerau und Korneuburg.
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Die ersten Juden kamen im 13. Jahrhundert nach Korneuburg. Eine jüdische Gemeinde bildete sich nach der Revolution von 1848: Zu dieser Zeit wurden auch erste jüdische Familien in Stockerau ansässig. In Korneuburg und Stockerau entstanden Gemeinden. Minjan-Vereine wurden gegründet, diese sind für gottesdienstliche Zusammenkünfte und die Pflege des religiösen Lebens verantwortlich. 1856 entstand ein Verein in Stockerau, 1859 in Korneuburg.

Erst 1905 löste man sich von der Wiener Gemeinde und gründete in Stockerau eine autonome Kultusgemeinde, der auch die Juden aus Korneuburg und Langenzersdorf angehörten. Dort erbaute die jüdische Gemeinde 1874 ihren Friedhof gegenüber dem kommunalen Friedhof und 1903 die Synagoge in der Schießstattgasse. Beruflich waren die Juden als Kaufleute, Beamte, Ärzte, Rechtsanwälte und Gewerbetreibende tätig. Sie bauten Häuser und wirkten bei der Entwicklung der Städte mit. Der Höhepunkt des jüdischen Bürgertums war um 1910, da gab es alleine in Stockerau 199 Juden; im Jahr 1930 waren es immer noch 130.

Im Ersten Weltkrieg waren Juden als Soldaten, Offiziere und Ärzte dabei. Nach dem Krieg beteiligten sie sich am Aufbau Österreichs, erfuhren aber immer mehr Ablehnung und Ausgrenzung. Daraus entstanden Hass und Feindschaft aufgrund des politischen Systems.

Nach dem Anschluss 1938 wurde auch im Bezirk der Antisemitismus offizielle Politik. Einige Familien konnten noch emigrieren, andere wurden nach Wien abgeschoben. Viele wurden in Konzentrationslager gebracht; Aufzeichnungen belegen, dass 28 Korneuburger Juden in Lagern zu Tode kamen, in Stockerau traf es 38 Juden. Im gesamten Bezirk wurden 84 getötet. Ende März 1940 wurde die jüdische Kultusgemeinde in Stockerau offiziell aufgelöst.

Synagoge an evangelische Kirche übergeben

Bereits kurz vor den Novemberpogromen erzwang die Stockerauer NS-Stadtverwaltung einen Schenkungsvertrag, durch den das Synagogengebäude an die evangelische Kirche übergeben wurde. 1953 erwarb es die Evangelische Pfarrgemeinde rechtmäßig von der Israelitischen Kultusgemeinde.

In Korneuburg steht die ehemalige Synagoge in der Roßmühlgasse. Errichtet zwischen 1306 und 1325, gilt sie als ältester erhaltener Bau seiner Art in Österreich und steht seit 1980 unter Denkmalschutz. Trotzdem wurde sie über viele Jahre als Garage verwendet. Die Stadt verhandelt seit einigen Jahren über einen Ankauf, durch die Pandemie kam es aber zu Verzögerungen.

Im Zuge eines Erinnerungsprojekts der Stadt Stockerau wird durch Tafeln an den Häusern oder im Boden davor an jüdische Bürger erinnert, die vertrieben oder getötet wurden. 19 „Erinnerungssteine“ sind geplant, die ersten wurden bereits verlegt.

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