Raffinerie in Korneuburg: Übrig blieb eine Altlast

Erstellt am 06. Juni 2022 | 05:04
Lesezeit: 3 Min
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Ein Luftbild vom 20. Juni 1944 zeigt einen der vielen Bombentreffer der Raffinerie. Zerstört wurde sie dabei aber noch nicht.
Foto: Museumsverein Korneuburg
Erst wurde rumänisches Öl verarbeitet, dann Öl aus dem Weinviertel. Mit der Eröffnung der Raffinerie Schwechat wurde der Korneuburger Standort geschlossen.
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Weniger als vier Jahrzehnte war die Raffinerie Korneuburg in Betrieb, die Auswirkungen auf die Umwelt sind aber noch immer zu erkennen. Eigentlich hätte die Anlage 1921 gebaut werden sollen, von der rumänischen Mineralölgesellschaft Creditul Minier. Die Angst vor einer Geruchsbelästigung in der Stadt bremste das Projekt aber. Erst 1927 entstand die Anlage in der Tuttendorfer Breite – zwischen Bahn und der Bundesstraße B3 nahe der Anschlussstelle zur Donauufer-Autobahn A22.

Erdöl aus Rumänien wurde zur Verarbeitung mit Tankschiffen über die Donau und in Kesselwagen per Bahn geliefert. Doch zu Beginn der 1930er-Jahre wurde im Weinviertel vor allem in der Gegend von Zistersdorf Öl gefördert. Verstärkt wurde inländisches Öl verarbeitet. Im Jahr 1937 hatten die Produkte klingende Namen wie „Cremin“ für Benzin. Die Motoröle hießen „Creminoil“, „Python“ und „Scodol“.

Nach dem Anschluss an das „Deutsche Reich“ wurde das Werk in die deutsche Firma Gasolin eingegliedert und ausgebaut, auch ein Tanklager entstand. Dieses besteht noch immer, es wird vom ungarischen Unternehmen MOL betrieben.

140 Tote bei Bombenangriff

Erste Bombentreffer im Juni und Juli 1944 verliefen glimpflich, bei einem Luftangriff im August starben aber 72 Menschen. Gegen Kriegsende wurden die Angriffe auf Raffinerie und Werft immer heftiger. Die Raffinerie brannte nach Treffern schließlich lichterloh und wurde vollständig zerstört. Bei diesem Angriff waren 140 Tote zu beklagen, auch in der Stadt gab es schwere Schäden.

Nach dem Krieg wurde die Raffinerie in die sowjetische Mineralölverwaltung eingegliedert. Diese baute die Anlage wieder auf. 1947 ging die modernste Destillationsanlage des Landes in Betrieb – um wenige Monate später zeitweise stillgelegt zu werden. Grund waren die bescheidenen Erträge der heimischen Ölfelder.

Nach 1955 übernahm die Österreichische Mineralölverwaltung (ÖMV) den Betrieb. Erzeugt wurde die gesamte Erdölpalette: Benzin, Petroleum, Gasöle, Öldestillate, Bitumen sowie Heizöle. Mit der Fertigstellung der Großraffinerie in Schwechat kam im Jahr 1961 aber das Aus für Korneuburg.

Was zurückblieb, war ein Umweltproblem wegen dem durch Öl verunreinigten Erdreich. Angeblich könnte die Verunreinigung bereits 1929 erfolgt sein, dokumentiert sind die Altlasten erst seit 1956. Beim Donauhochwasser 1965 wurde das Öl bis an die Erdoberfläche geschwemmt, die Brunnen in der näheren Umgebung sind für Trinkwasser unbrauchbar.

2008 wurde damit begonnen, die Verunreinigungen aus dem Boden zu beseitigen. Dazu wurde auf ein biologisches Verfahren gesetzt, das es in dieser Größe zuvor in Österreich nicht gegeben hat. „Ölfressende Bakterien“ sollen den Boden reinigen. Bis zum Jahr 2020 wurden auf diese Weise bereits rund 1.100 Tonnen Rohöl aus dem Boden entfernt.

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