Luftgüte in Stockerau: Bürger sind beunruhigt

Erstellt am 17. August 2022 | 05:13
Lesezeit: 3 Min
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Die Messstation bei der A22-Anschlussstelle Mitte.
Foto: privat
Wie die Feinstaubbelastung zu bewerten ist, darüber sind sich die Bürgerinitiative und das Land NÖ nicht unbedingt einig.
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Wie sieht die Luftqualität in der Stadt tatsächlich aus? Kommt darauf an, mit wem man spricht: Die Bürgerinitiative „Tunnel und Grüner Übergang“ (BI) ist jedenfalls besorgt; das Land NÖ weist indes darauf hin, dass Stockerau in die Kategorie „moderate“ Belastung fällt.

Beide ziehen als Basis eine EU-Untersuchung heran, die die Luftqualität in 344 Städten verglichen hat. Die Feinstaubbelastung ist ein wichtiges Kriterium: Maximal 5 µm/m³ gilt laut WHO als unbedenklich, Wien hat im Bericht 10,9 µm/m³. Die BI sah sich den Stockerau-Wert an.

Messstation bei der A22-Anschlussstelle Mitte

Die Feinstaubbelastung wird dort seit 2020 in der Messstation bei der A22-Anschlussstelle Mitte gemessen. 2021 betrug der Jahresmittelwert 11,6 µm/m³ – und das bei einem pandemiebedingt viel niedrigeren Verkehrswert. Der Wert ist höher als jener in Wien und 2,4-fach höher als die WHO-Empfehlung.

Dass das Land NÖ von einer „moderaten“ Belastung spricht, liegt an den Kategorien, die in der Studie festgelegt wurden. Eine Belastung zwischen 10 und 15 µm/m³ gilt darin eben als moderat. „Die Belastungen in der Osthälfte von Österreich ist mit 11 µm/m³ in Wien und 12 µm/m³ in Linz eigentlich sehr einheitlich“, heißt aus der Abteilung Anlagentechnik des Amts der Landesregierung. 2021 habe man im Luftgütemessnetz niederösterreichweit Jahresmittelwerte zwischen 9 und 11 µm/m³erfasst.

Für Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf ist die „Luftqualität in Niederösterreich ausgezeichnet“, wie er im Jänner zur NÖN sagte. Jahresgrenzwerte seien nicht überschritten worden. Er zog für seine Bilanz die Langzeitentwicklung heran: Der Feinstaubmittelwert sei an den 46 Messstellen des Landes von 29 µg/m³ im Jahr 2005 auf 19 µg/m³ im Jahr 2017 und nunmehr 16 µg/m³ gesunken.

Hans Nader von der BI Stockerau kann Pernkopfs Freude nicht nachvollziehen. Er betont, dass das Nichtüberschreiten der Grenzwerte nichts mit guter oder gar ausgezeichneter Luftqualität zu tun habe. Die EU will auch bis zum Herbst darüber beraten, sich an strengeren WHO-Richtwerte zu orientieren „Wenn diese Richtlinie in Kraft getreten ist, wird sie anschließend auch in nationales Recht umgesetzt“, bestätigt das Land NÖ. Derzeit gelten die Grenzwerte des Immis sionsschutzgesetzes Luft.

Für die BI Stockerau ist schon jetzt klar, dass die Luft in Stockerau viel zu schlecht ist. Dass der Verkehr bei den Luftschadstoffen eine wichtige Rolle spielt, ist dem Land NÖ bewusst: Als Gegenmaßnahmen werden dort im Mobilitätssektor der Ausbau des öffentlichen Verkehrs, Fahrverbote für gewisse Abgasklassen oder Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung genannt. Die Bürgerinitiative befürchtet indes eine weitere Verschlechterung der Luftqualität, wenn der A22-Ausbau auf sechs Spuren mit einem weiter steigenden Verkehr kommen sollte.

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