Langenzersdorfs SPÖ setzt auf Neuanfang. SPÖ ist nicht mehr im Gemeinderat vertreten. Ex-Abgeordnete agieren nun „wild“.

Von Bernhard Preineder. Erstellt am 04. Mai 2019 (06:22)
privat
„Es war Zeit für einen Kurswechsel“, sind sich Christoph Baumgärtel (li) und Wolfgang Motz sicher. Ein 20-köpfiges Team für eine Neuaufstellung stehe bereit, kündigen sie an.

Insidern war es schon lange bekannt: Die SPÖ-Fraktion und der Vorstand können nicht miteinander. Schon vor zwei Jahren titelte die NÖN mit der Frage „Zerreißt es jetzt die SPÖ?“ Damals versicherte man noch, dass alles eitel Wonne wäre, hinter den Kulissen tobte der Streit aber umso heftiger weiter. Auch von angedrohten Handgreiflichkeiten wurde hinter vorgehaltener Hand gesprochen.

Freude über Ende der „unendlichen Geschichte“

Während der Vorstand den Gemeinderäten Untätigkeit vorwarf, kritisierten diese wiederum den Vorstand, vor allem aber dessen stellvertretenden Vorsitzenden Christoph Baumgärtel immer wieder wegen seiner aggressiven Facebook-Postings, die sie nicht mittragen konnten und wollten.

Offenbar dürfte sich der Vorstand nun durchgesetzt haben. In einer Presseaussendung teilte Landesgeschäftsführer Wolfgang Kocevar mit, dass zwei der vier betroffenen Gemeinderäte - einer war nie Mitglied, einer bleibt SPÖ-Mitglied - bereits aus der SPÖ ausgeschieden seien. Alle vier seien aber nicht willens, ihr Mandat zurückzulegen und bleiben damit bis zum Ende der Legislaturperiode im Gemeinderat – allerdings nicht mehr als SPÖ-Gemeinderäte, sondern als „wilde Abgeordnete“.

Sowohl Kocevar auch SPÖ-Bezirksvorsitzender Martin Peterl sind froh, dass diese „unendliche Geschichte“ nun ausgestanden sei und man sich wieder auf die politische Arbeit konzentrieren könne. Ansprechpersonen seien ab sofort Obmann Wolfgang Motz und sein Stellvertreter Christoph Baumgärtel. Damit ist die SPÖ im Gemeinderat also offiziell nicht mehr vertreten.

Dreiergespann an der Spitze der Ortspartei

Die Situation stellt sich nun wie folgt dar: Die Gemeinderäte Wolfgang Schleich und Gerti Martinetz sind mittlerweile aus der SPÖ ausgetreten, Karl Danha legte seine Mitgliedschaft hingegen nie zurück und Christian Hrdlicka war selbst nie Mitglied der Partei. Sie wollen jetzt als „wilde Abgeordnete“ ihre Arbeit im Gemeinderat so weiter machen wie in der Vergangenheit, weil sie nicht mehr der SPÖ-Fraktion angehören. „Alles bleibt gleich, nur halt nicht mehr unter dem Logo der SPÖ“, wie Gerti Martinetz resignierend anmerkte.

Laut Baumgärtel scharrt schon ein neues 20-köpfiges Team in den Startlöchern. An der Spitze der Partei soll in Zukunft ein Dreiergespann stehen: einerseits Baumgärtel selbst, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig sein wird, Obmann Wolfgang Motz als langgedienter SPÖ-Politiker und ehemaliger Landtagsabgeordneter und neu im Team Bezirksfrauenvorsitzende Sandra Gerbsch-Krainer.

Über die genaue Liste wird noch vor dem Sommer entschieden, und auch zu den Platzierungen und wer Spitzenkandidat sein wird, will sich Baumgärtel noch nicht in die Karten schauen lassen: „Es ist klar, dass es sich hier um interne Beschlüsse handelt, die wir gemeinsam mit unserem neuen Team entscheiden.“