Bürger wettern gegen Autoplatz in Hagenbrunn. Seit Herbst lagern Autos am Feld. Anzeige, weil Betrieb nicht genehmigt ist.

Von Manfred Mikysek. Erstellt am 30. Dezember 2020 (06:17)
Am 19. Dezember lud Gemeinderätin Manvinda Pal Gill die NÖN zu einer gemeinsamen Besichtigung des Areals, auf dem ein Kinderspielplatz geplant ist. Zwanzig Bewohner der Siedlung Neues Wirtshaus waren gekommen, darunter auch Brigitte Bittner von den Grünen Hagenbrunn. Gil zeigt auf den Autoabstellplatz.
Mikysek

Die Bewohner der Siedlung Neues Wirtshaus, einem an der Brünner Straße liegenden Ortsteil von Hagenbrunn, sind entsetzt, dass im Oktober vis-à-vis der Feldgasse – auf Gerasdorfer Gemeindegebiet – ein Autoabstellplatz errichtet wurde – noch dazu, wo hier ein Kinderspielplatz geplant ist.

Wo bis Ende September noch Mais wuchs, stehen nun große Container und Blechverschläge. Täglich werden die Autos beziehungsweise die Wracks mehr, erzählen die Bewohner. Die Fahrzeuge stehen auf nicht befestigtem Boden, Sträucher wurden entfernt und der Platz ist mit Dosen, Plastikflaschen und Zementsäcken total vermüllt. „Hier am Feld kann man anscheinend die Flüssigkeiten vom Auto einfach auslassen, sonst braucht man überall einen Ölabscheider. Privaten Personen drohen hohen Strafen, nur hier ist das nicht der Fall“, kritisierte Anrainer Ferdinand Gahr beim NÖN-Lokalaugenschein. „Am eigenen Grundstück herrschen so viele Richtlinien, da musst du dich mal trauen, ein Auto auf nicht befestigtem Boden stehen zu lassen“, pflichtete ihm Manuel Krippel bei.

SPÖ-Gemeinderätin Manvinda Pal Gill, die selbst hier wohnt, nahm sich der Sache an, nachdem sie auf die Situation aufmerksam gemacht worden war. „Ich habe ich den Bauamtsleiter darüber informiert und ihn aufgefordert, mit der verantwortlichen Nachbargemeinde Gerasdorf Kontakt aufzunehmen“, berichtete sie. „Es handle sich hier um ein gemischtes Gebiet, also sowohl Acker als auch Industriegebiet“, sei laut Gill die Reaktion des Bauamtsleiters gewesen.

Das reichte der Gemeinderätin aber nicht, und sie wandte sich an die Stadtgemeinde Gerasdorf. Mitte Oktober sprach sie mit SPÖ-Bürgermeister Ale xander Vojta und übergab ihm auch Fotos von den Zuständen am Lagerplatz. „Er zeigte vollstes Verständnis für die Befürchtungen und Ängste der betroffenen Bürger“, erzählt Gill. Er könne diese Plätze behördlich überprüfen lassen, mit Finanzpolizei und anderen Behörden, versprach der Stadtchef, „aber bis heute ist nichts passiert“, ist Gill enttäuscht und verärgert. „Männer werken an den Autos herum. Wir haben Angst um unser Grundwasser, die Umwelt und die Kinder“, so die Gemeinderätin.

Sie informierte auch ÖVP-Bürgermeister Michael Oberschil telefonisch, der aber auf die Zuständigkeit von Gerasdorf verwies. „Es scheint, dass wir das ‚Gallische Dorf‘ und seit Längerem auf uns alleine gestellt sind“, bringt Gill die Stimmung in der Siedlung auf den Punkt. Sie wünscht sich mehr Unterstützung der Behörden. Auch wenn die Autostellplätze gesetzlich zugelassen seien, fordert sie ein Umdenken, um die Grünflächen zu belassen.

Nach dem NÖN-Lokalaugenschein und der Nachfrage bei Bürgermeister Oberschil kam Bewegung in die Sache. Am 23. Dezember erreicht folgende schriftliche Stellungnahme der Gemeinde die NÖN: „Aufgrund von zahlreichen Beschwerden seitens der Mitbürger im Siedlungsgebiet Neues Wirtshaus gab es am 22.12.2020 einen Lokalaugenschein durch Bürgermeister Michael Oberschil und Bauamtsleiter Bernd Balcar, bei dem festgestellt wurde, dass die Beschwerden durchaus gerechtfertigt erscheinen.“

Nach Rücksprache mit dem Bauamt und dem Bürgermeister der Stadtgemeinde Gerasdorf wird festgehalten, dass für das betroffene Grundstück zwar ein Bauansuchen vorliege, dieses jedoch noch nicht genehmigt wurde. „Weiters wurden in diesem Bereich auch Altfahrzeuge abgestellt, was einer ordnungsgemäßen Nutzung dieses Gebiets widerspricht“, so die Gemeinde Hagenbrunn. Oberschil hat in weiterer Folge Anzeige sowohl bei der Baubehörde der Stadtgemeinde Gerasdorf, als auch bei der zuständigen Behörde der NÖ Landesregierung erstattet. Der Gerasdorfer Bürgermeister Alexander Vojta war bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme zu den Missständen nicht erreichbar.