Hasenhündl: „Lösung liegt bei Politik“. Allgemeinmediziner der Stadt bieten keine Bereitschaftsdienste mehr.

Von Michaela Höberth. Erstellt am 11. April 2019 (06:17)
Bernhard Noll/Ärztekammer NÖ
Martina Hasenhündl: „Ist ein Generationenkonflikt.“

Es ist ein Urteil, das für die Stadt Stockerau weitreichende Konsequenzen hat: Ein steirischer Arzt hat im Februar einen Entscheid des Verwaltungsgerichtshofs herbeigeführt, der Kassenärzte nicht mehr verpflichtet, Bereitschaftsdienste an Wochenenden oder Feiertagen durchzuführen. „Bisher gab es dazu keine Verordnung“, so Martina Hasenhündl, Bezirksärztevertreterin. „Das war ein Versäumnis von Kammer und Kassen.“

Für Stockerau bedeutet das, dass derzeit kein Arzt in der Stadt Bereitschaftsdienste anbietet. „Den Diskussionen liegt ein Generationenkonflikt zugrunde. Früher haben die Hausärzte es als Selbstverständlichkeit gesehen, Bereitschaftsdienste anzubieten. Mittlerweile sind die Rahmenbedingungen jedoch ganz andere“, macht Hasenhündl klar. Die gesellschaftlichen Anforderungen an Männer und Frauen hätten sich verändert, zudem sei die Arbeitsbelastung enorm geworden. Außerdem gebe es innerhalb des medizinischen Berufsfeldes unterschiedliche Anforderungen; Internisten müssten beispielsweise keine Bereitschaftsdienste anbieten.

„Eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs haben wir zu respektieren. Wir haben mit Verhandlungen über eine Neuorganisation begonnen.“ Birgit Jung, AKNÖ

„Die jungen Ärzte sind also nicht faul, sie haben nur ein anderes Bild des Berufs Allgemeinmediziner. Und man darf nicht vergessen, dass durch die Entscheidungen der älteren Generation bereits Dienste an den Ärztenotdienst 141 abgetreten wurden, wie 2017 der Nachtdienst“, schildert Hasenhündl. Für sie steht fest: Es ist Sache der Politik, hier eine Lösung zu finden.

„Eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs haben wir als Ärztekammer natürlich zu respektieren. Wir haben daher unverzüglich mit den Verhandlungen über eine Neuorganisation des Bereitschaftsdienstes begonnen. Glücklicherweise sind 90 Prozent der diensthabenden Ärztinnen und Ärzte in den Gesundheitssprengeln in Niederösterreich bereit, den Bereitschaftsdienst auf freiwilliger Basis weiterzuführen“, so Birgit Jung, Sprecherin der Ärztekammer NÖ.

Sollten Patienten medizinische Hilfe am Wochenende benötigen und keinen Allgemeinmediziner erreichen, der Bereitschaftsdienst hat, verweist Jung auf Ausweichmöglichkeiten: „Es besteht die Möglichkeit, entweder für eine telefonische Auskunft die Gesundheitshotline 1450 zu wählen oder auf einen Nachbarsprengel auszuweichen. Im medizinischen Notfall ist jedenfalls weiterhin die Rettung zu kontaktieren bzw. stehen die Krankenhäuser zur Verfügung.“