Verkeimtes Wasser in Sierndorf: „Tun, was wir können“. Gemeinde-Experte erklärt, warum Reinigung so lange dauert.

Von Karin Schuhböck. Erstellt am 13. Januar 2021 (05:02)
Die Gemeinde hofft, dass die Chlorierung des Trinkwassers bald Wirkung zeigt.
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Der Kampf gegen das verkeimte Trinkwasser geht weiter: Seit Monaten müssen die Bewohner das Wasser abkochen, ohne dass die Ursache der Verunreinigung festgemacht werden konnte (die NÖN berichtete). In der Bevölkerung wächst der Unmut; viele können nicht verstehen, warum die Gemeinde das Problem nicht in den Griff bekommt.

Die NÖN wandte sich an den Wassermeister der Gemeinde, Harald Plattner. Er erklärt, wa rum sich die Beseitigung des Trinkwasserproblems so lange hinzieht: „Die Wasserversorgung in Sierndorf ist auf vier Behälter mit insgesamt 1.400 Kubikmetern Fassungsvolumen aufgeteilt. Das Rohrnetz ist 77 Kilometer lang“, macht er die Dimensionen bewusst.

Das Wasser kommt aus Stockerau und wird derzeit ab der Übergabestelle chloriert, um die Bakterien zu bekämpfen. Es dauere bei der Größe des Rohrnetzes und der Behälter aber länger, bis das Chlor verteilt ist, ganz zu schweigen von den Hausanschlüssen. „Es darf nur eine bestimmte Menge Chlor verwendet werden, damit es sich nicht gesundheitsschädlich auswirkt, und es dauert seine Zeit, bis ein gleichmäßiger Wert im gesamten Netz messbar wird.“

„Es wurden auch alle Lüftungen gereinigt und selbst die Fliegengitter wurden überprüft.“ Wassermeister Harald Plattner

In Sachen Geruch gibt er Entwarnung: „Der Chlorgeruch entsteht dadurch, dass nicht nur die ‚schlechten‘, sondern auch die ‚guten‘ Bakterien, die sich in jedem Wassernetz finden, durch das Chlor angegriffen werden. Der Geruch ist aber absolut bedenkenlos und es wird sicher nicht zu viel Chlor eingebracht, wir halten uns genau an die Vorgaben“, versichert er.

Die Gemeindemitarbeiter seien täglich, auch an Wochenenden und Feiertagen, unterwegs, um das Wasser zu überprüfen und weitere Maßnahmen durchzuführen. „Wir tun wirklich alles, um das Problem in den Griff zu kriegen“, betont er. „So wurden auch alle Lüftungen durchgereinigt und selbst die Fliegengitter, die angebracht sind, um Verschmutzungen zu vermeiden, wurden genaustens überprüft und gereinigt“, so der Wassermeister, dem jetzt nur noch bleibt, um Verständnis zu bitten.

„Wir können nur noch abwarten, bis das gesamte Wassernetz einen Wert von 0,2 bei der Chlorierung erreicht hat und hoffen, dass die nächste Messung keine gesundheitsschädlichen Bakterien mehr anzeigt“, macht Plattner klar.

Auch ÖVP-Bürgermeister Gottfried Muck versichert, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden: „Es wurden in den letzten Tagen und Wochen alle Teile der Wasserversorgungsanlage wieder desinfiziert und das Wasser chloriert. Die Wasserreservoire wurden nochmals auf eventuelle Risse und mögliche Eintrittsstellen für Keime untersucht“, erklärt er.

Der Ortschef bittet um die Mithilfe der Bewohner: „Aufgrund der Größe des zusammenhängenden Wasserversorgungsnetzes kann kontaminiertes Wasser immer noch in einzelnen Leitungsbereichen vorhanden sein, vor allem dann, wenn diese Leitungen während des Chlorierens nicht benutzt werden. Dazu werden von unseren Mitarbeitern Hydranten geöffnet, damit das in den Zuleitungen stehende Wasser abfließt. Empfohlen wird auch das eigenständige Spülen aller Wasserleitungen im eigenen Hause bzw. der eigenen Wohnung.“

Eine weitere Probeentnahme durch die AGES ist in den kommenden Wochen angeordnet. Das Ergebnis dieser Untersuchung wird für Ende Jänner erwartet. Die Empfehlung, das Wasser abzukochen, bleibt aufrecht. Die endgültige Freigabe des Wassers als Trinkwasser ohne Abkochen darf erst erfolgen, wenn die amtlichen Proben zu 100 Prozent in Ordnung sind.