Jagd bleibt heißes Eisen in Stockerau. Trotz Beschluss: Grüne können sich mit dem neuen Vertrag nicht anfreunden.

Von Michaela Höberth. Erstellt am 28. November 2019 (05:31)
In Sachen Au werden sich die ÖVP und die Grünen nicht einig. Auch der neue Jagdvertrag und die Jagdverwaltung sorgen für einen Schlagabtausch. Foto: Shutterstock/HalizovS
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Eigentlich ist die Entscheidung längst gefallen: Vergangene Woche beschloss der Gemeinderat im nicht-öffentlichen Teil seiner Sitzung einen neuen Jagdvertrag und die Jagdverwaltung ( die NÖN berichtete, siehe hier ). Grünen-Umweltstadtrat Dietmar Pfeiler, der schon im Vorfeld viel Kritik an den Plänen geübt hatte, hat dennoch nicht vor, die Entscheidungen hinzunehmen.

„Mir fehlt bei manchen Teilen der Stadtregierung ein tiefergehendes Verständnis für das Naturschutzgebiet.“Grünen-Umweltstadtrat Dietmar Pfeiler

Es sind gleich mehrere Punkte, an denen sich Pfeiler stößt: Für ihn öffnet der neue Jagdvertrag Tür und Tor für eine Bejagung der Kernzone der Au, die eigentlich unberührt bleiben sollte. „Wenn die Jäger die Wege dort nutzen und erhalten, werden auch die Erholungssuchenden in die Kernzone wollen“, fürchtet Pfeiler.

Ängste, die er auch in einer Stellungnahme an die Naturschutzbehörde und die Umweltanwaltschaft gerichtet hat. Doch dem nicht genug; Pfeiler fordert einen Runden Tisch aller Parteien über die Zukunft der Au.

„Mir fehlt bei manchen Teilen der Stadtregierung ein tiefergehendes Verständnis für das Naturschutzgebiet. Wir werden nicht zulassen, dass es stückweise untergraben wird“, macht er klar. Und er zweifelt auch an dem neuen Jagdverwalter, ÖVP-Stadtrat Herwig Hödl. „Er verfolgt bestimmte Interessen, wie wir aus seinem Vorgehen lesen. Dabei kommt uns allerdings das allgemeine Interesse, also der Naturschutz und die Erholungssuchenden, zu kurz.“ Zudem ortet er einen Interessenskonflikt, da Hödl auch benachbarte Jagdgebiete verwaltet.

ÖVP-Völkl: „Keine Jagd in den Kerngebieten!“

„Mit meiner Bestellung zum Jagdverwalter ist keine Erlaubnis zur Ausübung der Jagd verbunden“, wehrt sich Hödl gegen die Vorwürfe. Und auch Eigeninteressen will er sich nicht nachsagen lassen: „Mir ist völlig schleierhaft, welche Interessen Kollege Pfeiler mir unterstellt, der ja in der Gemeinderatssitzung gar nicht anwesend war. Auch im Vorfeld hat er meine Qualifikation in keinster Weise kritisiert. Dass ich voll und ganz hinter dem Naturschutzgebiet in der Stockerauer Au stehe, ist selbstverständlich und lasse ich mir von niemandem absprechen.“

Auch ÖVP-Bürgermeisterin Andrea Völkl kontert die Kritik: „Stadtrat Pfeiler muss sich keine Sorgen machen: Uns ist die Au genauso viel wert wie den Grünen. Und zum gegebenen Zeitpunkt wird es einen Runden Tisch geben.“ Man stehe im engen Austausch mit den Behörden, wobei der neue Jagdvertrag an dem bisherigen Vorgehen nichts geändert hätte.

„Die Jäger genießen mein vollstes Vertrauen, und dank unserem neuen Jagdverwalter, einem allseits anerkannter Top-Experten, wird es in Zukunft einen engen Austausch geben. Der neue Vertrag erlaubt es aber nicht, einfach in der Kernzone zu jagen“, hält sie fest.