Eigenheim-Traum wird auch im Bezirk Korneuburg teurer. Der Nachschub an Material versiegt, gleichzeitig steigen die Preise an. Bauen kostet mehr und dauert länger.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 28. April 2021 (04:15)
Auch Barbara Piller überlegt, ob der schon geplante Hausumbau noch leistbar sein wird.
privat, privat

Mangelnder Nachschub und in die Höhe schnellende Preise machen das Bauen teurer und schwerer kalkulierbar. Die NÖN hat Betroffene befragt.

„Man überlegt schon, ob sich das mit dem Geld ausgehen wird“, sagt Barbara Piller. Sie hat damit begonnen, mit ihrem Lebensgefährten in Würnitz umzubauen. Seit Jänner sind die beiden am Werken, derzeit wird aber eher noch geplant und entkernt. Was auf sie zukommt, kann Piller noch nicht genau abschätzen, „wir haben aber gehört, dass alles teurer wird“. Einen Vorgeschmack auf die Preissteigerungen hat das Paar bereits bekommen: „Sogar Maschinenzubehör wurde teurer“, klagt Piller.

„Die Kosten für Baumaterialien explodieren, und es ist kein Ende in Sicht.“ Franz Koy, Baustoffexperte, Lagerhaus Gerasdorf

In einer anderen Bauphase befindet sich der ÖVP-Ortsvorsteher von Kleinrötz, Roman Kamp leitner, bei seinem Sanierungsprojekt. „Stromkabel sind extrem teuer geworden“, erzählt er. Statt wie früher üblich auf Rollen seien die Kabel zum Teil nur noch als Meterware erhältlich – zu einem deutlich höheren Preis. Mittlerweile überlegt er schon, die Ware im Internet zu bestellen. Zu seinem Glück hat Kamp leitner schon im vergangenen Jahr Eisen gekauft. „Ich habe es dann auch großzügig in die Fundamente gegeben. Das wäre mit den aktuellen Preisen deutlich teurer.“ Weiteres Baumaterial will er noch nicht organisieren. „Ich warte mit den nächsten Käufen das Ende des Lockdowns ab, damit ich dann die Preise mit den Händlern direkt verhandeln kann“, so Kamp leitner.

„Ich merke den Engpass ex trem! Wir leiden alle darunter, denn die Leute wollen bauen“, beschreibt der Stockerauer Architekt Werner Fürtner die Situation, denn durch Corona und Homeoffice hätten sich viele entschlossen, zu bauen. Die Folge: „Baufirmen kommen nicht nach. Wer ein Haus will, muss bis zum Herbst warten“, so Fürtner. Einen großen Engpass ortet der Architekt bei Brettschichtholz, „diese Platten sind absolute Mangelware“. Die bis zu 30 Zentimeter dicken und zwölf Meter langen Platten sind immer beliebter, weil sie z.B. für Zwischen- oder Abschlussdecken verwendet werden.

Mittlerweile werde die Planung immer komplizierter. „Firmen trauen sich kein Angebot abzugeben, weil die Preise steigen, sie gelten nur noch wenige Wochen“, so Fürtner. Seine Arbeit als Architekt ist davon noch nicht betroffen: „Wir machen derzeit viel auf Halde, es wird halt im Vo raus geplant.“ Eine der Folgen für künftige Häuslbauer: „Noch vor zehn Jahren war der Holzriegelbau deutlich billiger als mit Ziegeln. Mittlerweile kosten sie mindestens gleich viel.“

Von einem Bestellstopp bei einigen Lieferanten berichtet Franz Koy. Er ist beim Raiffeisen Lagerhaus in Gerasdorf für die Baustoffe zuständig. Aktuell muss er Kunden vertrösten, denn bei Dämmstoffen gibt es Wartezeiten bis zu drei Monate, „und bei Baustahl ist es nicht viel besser“, so Koy. Er beobachtet, dass Bauunternehmer auf der Suche nach Material von Händler zu Händler fahren. Dazu kommt der Preisfaktor: „Die Kosten für Baumaterialien explodieren, und es ist kein Ende in Sicht“, sagt Koy.

„Ich bin schon lang im Geschäft, aber so etwas habe ich noch nie erlebt“, beschreibt Friedrich Mürner den Mix aus Mangel und Preiserhöhungen. Als Bereichsleiter Baustoffe bei Fetter sieht er täglich: „Die Nachfrage nach den Produkten wäre da.“ Eng wird es schon bei OSB-Platten, wie sie beim Holzriegelbau eingesetzt werden. Etwas besser sieht es beim Baustahl aus, „da sind Reserven auf Lager“, erklärt er. Besonders stark betroffen vom Engpass sind Dämmstoffe und Materialien zum Versiegeln. Wann die Versorgung besser wird, lässt sich noch nicht abschätzen. „Wir haben Vereinbarungen mit den Lieferanten“, so Mürner. Demnach sollen im Sommer wieder verstärkt Lieferungen erfolgen.

„Ich habe rechtzeitig eingelagert und die bestehenden Baustellen gut im Griff“, kann Baustoffhändler Manfred Zimmermann aus Großrußbach seine bestehenden Kunden beruhigen. Es werde extrem teuer, wenn man jetzt zu bauen beginnen will. Infolge der Verknappung berichtet Zimmermann von Zimmerern, die die Baumärkte auf der Suche nach Material abklappern.

Umfrage beendet

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