Anrainer in Sorge um die Natur. Die geplanten Industrieflächen auf einer Trockenwiese in Gerasdorf bereiten Anrainern Sorgen.

Von Julia Winter. Erstellt am 04. August 2021 (05:59)
Anrainer in Sorge um die Natur
Die Anrainer, die namentlich nicht genannt werden wollen, wandten sich an die NÖN. Sie befürchten, dass das Bauvorhaben der Firma CTP zu enormen Belastungen für sie führt.
Julia Winter

„Ich sorge mich um die vielen Tiere, die Rehe, Hasen und Füchse, die sich im Laufe der Zeit hier angesiedelt haben“, schildert Romana Böhm ihre Bedenken, während sie mit ihrer Hand auf einen rund 50.000 Quadratmeter großen Grund zeigt. Wenn man sich in der Nähe des Hofstätten-/Uferwegs befindet, stößt man recht bald auf diese naturbelassene Fläche, die in naher Zukunft jedoch fast gänzlich bebaut werden soll.

Demnächst möchte die niederländische Firma „CTP“ ein Bauvorhaben auf diesem Areal umsetzen. Man würde hier nach dem Konzept „Light Industry“ vorgehen, sprich, geplant sind mehrere Einheiten, die in weiterer Folge an verschiedenste Unternehmen vermietet werden. Ziel sei es, Industrieflächen zu verdichten, sodass möglichst wenig verbaut werden muss. Rund 47.500 Quadratmeter Fläche würde das Projekt umfassen.

„Wir wissen, dass wir dieses Projekt nicht verhindern können, wollen es aber wenigstens mitgestalten.“ Romana Böhm, Anrainerin

Die unmittelbaren Anwohner sind höchst besorgt: Von diesem Projekt hätten sie erst kurzfristig erfahren: „Es sind noch so viele Fragen dazu offen“, erzählt Böhm, die nur eine von rund 300 beunruhigten Anrainern ist. Neben Angst um den dortigen Tierbestand sieht sie auch weitere Probleme auf die gesamten Anwohner zukommen, darunter eine erhöhte Verkehrsbelastung sowie eine mögliche Verschmutzung des Gebiets und der sich daneben befindlichen Häuser. „Wir wissen, dass wir dieses Projekt nicht verhindern können, wollen es aber wenigstens mitgestalten“, sagt Böhm.

Ein Anrainertreffen sollte Licht ins Dunkel bringen; seitens des Unternehmens CTP und der Gemeinde wurde dieses am 29. Juli organisiert. Zahlreiche Anrainer nahmen die Einladung dankend an; Gemeindevertreter wie die die Stadträte Robert Bachinger (SPÖ) und Thomas Puchter (ÖVP) sowie Gemeinderat Christian Koza (Grüne) waren ebenfalls dabei. Mitarbeiter der Firma stellten sich den Fragen und Anliegen. Seitens des Unternehmens und der Gemeinde stießen die geäußerten Bedenken auf Verständnis.

Dem Wunsch der Anwohner, das Projekt gänzlich zu verhindern, könne jedoch nicht nachgekommen werden. Die Krux daran sei die Widmung des Gebiets, die ein solches Projekt gesetzlich zulassen würde.

Firma CTP legt Wert auf ein Miteinander

Der Ball liege somit bei der Bezirksbehörde; dieser obliegt die Entscheidung, ob das Projekt genehmigt wird. Zudem sei das Grundstück noch im Besitz einer Baufirma, die Gemeinde habe auch aus diesem Grund lediglich Parteistellung.

Trotzdem steht für die Gemeindevertreter fest: „Wir möchten das Bauvorhaben für die Anrainer so gut es geht optimieren“, betont Gemeinderat Koza. Und auch Stadtrat Puchter zeigt sich kooperativ: „Wir nehmen Bedenken, Wünsche und Vorschläge seitens der Anrainer ernst.“ Diese sollen der Gemeinde mitgeteilt werden, in weiterer Folge werden sie mit der Betreiberfirma besprochen und im Rahmen des Möglichen umgesetzt.

Ein Verkehrskonzept wird aus diesem Grund von CTP erarbeitet. Dabei wird darauf geachtet, dass der Schwerverkehr nicht durch Gerasdorf, sondern Richtung Wagramer Straße und weiter auf die Autobahn fährt. Auf ein gemeinsames Miteinander legt die Firma ebenso großen Wert: „Es ist uns wichtig, mit den Nachbarn in Dialog zu treten“, heißt es seitens des Unternehmens. Dieses weist zudem auf ihre Grünzertifizierung hin und betont, dass Experten den Bau Schritt für Schritt begleiten und auch auf Nachhaltigkeit prüfen würden. Zudem würden bereits einige Gutachten laufen beziehungsweise noch in Planung stehen.

„Ich bin mir sicher, dass wir mit CTP einen guten Projektpartner für die Entwicklung dieses Betriebsgebiets gefunden zu haben“, gibt Stadtrat Bachinger Entwarnung. Aber auch er werde sich für Wünsche und Anliegen der Bürger so gut es geht einsetzen.