Stockerauer klagt seit Jahren über Fluglärm. „Jeder Flieger ist einer zu viel“: Die NÖN sprach mit Umweltstadtrat Pfeiler und dem Dialogforum Flughafen Wien.

Von Nathalie Lackner. Erstellt am 06. Januar 2021 (04:15)
Symbolbild
APA (dpa)

„Seit ich an dieser Mail sitze, gab es etwa acht Anflüge direkt über Stockerau, und das während einer Pandemie, wo angeblich nur geflogen wird, wenn es absolut notwendig ist. Da kann man sich ja gut vorstellen, wie es zu ‚normalen Zeiten‘ hier ist“, schreibt ein Leser in einer Nachricht an die NÖN-Redaktion. Grund dafür ist der Fluglärm in der Umgebung, der nach Aussagen des Stockerauers seit Jahren immer mehr zunimmt.

„Ich bin vor zwölf Jahren nach Stockerau gezogen. Die erste Zeit war es traumhaft hier, aber etwa ab dem Jahr 2014 kam es mehr oder weniger von einem Tag auf den anderen zu Überflügen. Ich ging davon aus, dass sich die Situation in ein paar Monaten wieder beruhigen würde. Das ist jetzt sechs Jahre her. Seitdem wird der Fluglärm von Monat zu Monat schlimmer“, äußert der NÖN-Leser seinen Unmut.

Ihn würde vor allem interessieren, warum die Routen Ende des Jahres 2013 seiner Ansicht nach so geändert wurden, dass immer mehr Flugbewegungen über Stockerau führen und weshalb die Route, speziell bei Anflügen auf Piste 16, nicht weiter nördlich gelegt wird. „Im Moment fliegt man an Stockerau, Korneuburg und dann Gerasdorf vorbei, sprich genau dort, wo sich der Großteil der Bevölkerung in dieser Gegend befindet, anstatt über das annähernd menschenleere Gebiet ein paar Kilometer weiter nördlich zu fliegen.“

„Ich bin vor zwölf Jahren nach Stockerau gezogen. Die erste Zeit war es traumhaft hier, aber etwa ab dem Jahr 2014 kam es mehr oder weniger von einem Tag auf den anderen zu Überflügen"

Die NÖN erkundigte sich bei Umweltstadtrat Dietmar Pfeiler von den Grünen: „Jeder Flieger, der direkt über Stockerau fliegt, ist natürlich einer zu viel, und man fragt sich: Warum bei uns? Wenn man das Thema im regionalen Kontext ansieht, erkennt man die extrem hohe Belastung und Betroffenheit im gesamten Wiener Raum.“

Diesbezüglich habe Pfeiler auch bereits Anfragen an das Dialogforum Flughafen Wien gestellt. „Die Rückmeldung, die ich erhalten habe, war, dass jede Verlagerung weg von Stockerau zu Zusatzbelastungen in anderen Gemeinden der Region führt.“ So würde eine Verlegung der Route weiter nördlich dazu führen, dass die Flugbewegungen in Gerasdorf und Wolkersdorf zunehmen würden, wo man noch dazu bedenken müsse, dass sich die Flugzeuge, wenn sie über diese Gegend fliegen, auf einer noch niedrigeren Höhe befinden. „Eine Verlegung der Route würde also letztens nur zu einer Verschiebung der Betroffenheiten führen.“ Um die Belastungen der Bevölkerung zu reduzieren, sollte laut Pfeiler nach der Pandemie neben möglichen kleinräumigen Optimierungen jedenfalls auf eine generelle Stabilisierung des Flugaufkommens und leisere Flugzeuge hingearbeitet werden.

„Eine Verlegung der Route würde also letztens nur zu einer Verschiebung der Betroffenheiten führen.“

Wolfgang Hesina, Geschäftsführer des Dialogforums Flughafen Wien, erklärt: „Faktum ist, dass Ende 2013 keine Routenänderungen stattgefunden haben. Die Experten haben sich die Flugspuren von Vergleichstagen bis ins Jahr 2000 zurück angesehen.“ Einen für Stockerau relevanten Zusammenhang konnte Hesina dennoch erkennen: „Im Corona-Jahr 2020, in dem der Flugverkehr phasenweise völlig eingebrochen ist, wurden auf allen Pistenrichtungen, so auch auf Piste 16, die Flugzeuge so direkt wie möglich zum Instrumentenlandesystem (ILS) geführt.“ Weniger Treibstoffverbrauch, weniger Kosten, weniger CO 2 -Ausstoß und weniger Luftschadstoffe seien dabei die Auswirkungen.

„Dies war aufgrund des geringen Verkehrsaufkommens möglich und hat bewirkt, dass an den Vergleichstagen im Jahr 2020 manchmal sogar einige Flugzeuge mehr über Stockerau geflogen sind als in den Jahren 2018 und 2019. Faktum ist also, dass der Flugverkehr nicht kontinuierlich jeden Monat zugenommen hat, sondern viele Einflussfaktoren letztlich das Flugverkehrsaufkommen über Stockerau beeinflussen und die Zahl der Überflüge schwankt“, so Hesina. Auch sogenannte „Transitions“ – Warteschleifen, die bei hohem Verkehrsaufkommen nötig sind und teilweise um Stockerau he rumführen, bis sie von den Fluglotsen die Anweisung bekommen, auf das ILS einzudrehen – müssen laut dem Geschäftsführer berücksichtigt werden.

Dass die wechselnde Intensität, mit der Flugzeuge über Stockerau geführt werden, von Anwohnern als Routenänderungen gesehen werden könnten, auch wenn keine Änderungen erfolgt sind, sei nachvollziehbar. Bezüglich einer Verlegung des Anflugs zur Piste 16 weiter nach Norden erklärt Hesina: „Es gibt mehrere Wegpunkte, über die die Flugzeuge zum Endanflug auf Piste 16 eindrehen.“

Würde man alle Anflüge aus dem Westen und Nordwesten nördlich von Stockerau führen, wäre es laut dem Geschäftsführer etwa nicht möglich, einen Teil der landenden Flugzeuge südlich von Kapellerfeld auf das ILS 16 einzudrehen. „In der Folge wären dann Siedlungsgebiete nördlich von Kapellerfeld und Kapellerfeld selbst direkt betroffen“, so Hesina.

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