Stockerau: Kontrollen sorgen für Unmut. NÖN-Leser vermuten Abzocke. Eigentümer sah sich zu Kontrollen gezwungen.

Von Michaela Höberth. Erstellt am 15. Juli 2020 (04:16)
Wer diesen Privatgrund an der B4 befährt, muss mit einer Besitzstörungsklage und einer Zahlungsaufforderung über 276 Euro rechnen.
Sturm

„Das ist Abzocke!“, sind sich Gerhard Schauerhuber und Gottfried Maurer einig. Sie beide verbindet der Ärger über Zahlungsaufforderungen von jeweils 276 Euro, die ihnen kürzlich ins Haus geflattert sind.

„Meine Tochter hat auf dem Grundstück beim Holland Blumen Mark gewendet, da die Baustelle auf der B4 schlecht beschildert war. Daraufhin hat sie eine Besitzstörungsklage erhalten“, erzählt Maurer, der sich in der Sache bereits an die Versicherung und den ÖAMTC gewandt hat.

Und auch einen Mitarbeiter der Firma Schauerhuber ereilte dieses Schicksal: Er wendete mit einem Müllwagen auf dem Grundstück, die Klage folgte kurze Zeit später. „Mein Fahrer wurde dort von einem Mann in einem weißen Wagen fotografiert, außerdem sind die Schilder, die den Grund als Privatgrund ausweisen, sehr klein. Ich habe das meinem Anwalt übergeben“, will Schauerhuber dagegen vorgehen. Maurer ist ebenfalls sicher: „Das ist ein Geschäftsmodell!“

Der Besitzer des Grundstücks, Robert Pfandler, steht zu den Kontrollen: „Ich lade alle herzlich ein, sich einen Tag auf die Liegenschaft zu stellen.“ Schon vor den Bauarbeiten auf der B4, die im Mai begonnen haben, hätten täglich Fahrzeuge den Grund zum Halten und Wenden genutzt, obwohl er als Privatgrund ausgeschildert sei.

Dabei sei die Abnutzung der Fahrbahn nur ein Übel gewesen; viele Fahrer hätten sich so kurz vor der Autobahnauffahrt ihrer Abfälle entledigt oder sogar den Platz hinter einem Container genutzt, um sich zu erleichtern.

„Die Baustelle hat die Situa tion noch verschärft“, so Pfandler. 100 Fahrzeuge am Tag hätten unerlaubterweise das Grundstück befahren, bis er einen Schlussstrich zog und sich zu scharfen Kontrollen entschloss. „Es hat sich herumgesprochen, ich sehe den Effekt“, sagt Pfandler, der in der Sache schon viele Telefonate führte. Auf Dauer will er die Kontrollen aber nicht durchziehen, denn er hat einen Plan für das Grundstück: „Ich möchte es zu einem Geschäftsstandort entwickeln.“

Bei der Stadtgemeinde liegen keine Beschwerden über Besitzstörungsklagen vor. Seitens der Bezirkshauptmannschaft und der Polizei verweist man auf den Rechtsweg: „Das müssen sich die Streitparteien vor Gericht ausmachen“, stellt Alois Schnaitt vom Bezirkspolizeikommando Korneuburg klar.