2020 kann „Jahr des Radurlaubs“ werden. Ob mehr Freizeit, Angst vor einer Ansteckung in Öffis oder als Fortbewegungsmittel im Urlaub – seit der Coronakrise setzen sich auch im Bezirk Korneuburg mehr Menschen aufs Rad.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 24. Juni 2020 (04:52)
E-Bikes stehen bei den Kunden derzeit hoch im Kurs.Begehrt ist auch die Vollausstattung mit Packtaschen für den Radurlaub, weiß Norbert Bisko von „Bikestore“ in Langenzersdorf.
Mohsburger

In Zeiten von Corona schwingen sich deutlich mehr Menschen aufs Rad, Händler und Werkstätten verzeichnen gute Geschäfte. Die NÖN hat nachgefragt, was die Menschen verstärkt auf den Drahtesel bringt.

Viele alte Räder wurden aus den Kellern geholt, berichtet Johann Spazierer vom gleichnamigen Radgeschäft in Stockerau. „Die Leute merken, dass sie durchs Radfahren auch sparen können“, erklärt er. Neben den Instandsetzungsarbeiten gehen allerdings auch die Neukäufe sehr gut.

Von einem Verkaufsboom berichtet Wolfgang Pink aus Stetten. „Weil viele Menschen heuer Urlaub in Österreich machen“, nennt er den Hauptgrund für das starke Inte resse am Rad. „Viele setzen sich wieder oder intensiver aufs Rad, weil sie Homeoffice machen. Die Zeit, die sie sonst zum Pendeln benötigt haben, die nutzen sie jetzt zum Radfahren“, beobachtet der Fachmann.

Ich war über den Zustrom überrascht Norbert Bisko

Wer pendeln muss, greift laut Pink öfter als früher zum Drahtesel. Besonders begehrt sind übrigens E-Bikes. Für sie muss man allerdings schon mehr auslegen, als ein Sommerurlaub kostet: „Ab 2.500 bis 3.000 Euro ist man mit sehr guter Qualität dabei.“ Noch etwas hat Corona bewirkt: Wer ein Service für sein Rad will, braucht Geduld. „Wir haben Wartezeiten von zehn Tagen“, so Pink.

„Das wird das Jahr des Fahrradurlaubs“, erklärt BikestoreGeschäftsführer in Langenzersdorf, Norbert Bisko. Die Werkstätte hatte fast durchgehend geöffnet, trotzdem kam es zu langen Wartezeiten. „Ich war über den Zustrom überrascht“, so Bisko. Kunden hatten ihre zum Teil schon lange nicht genutzten Räder gebracht, weil sie aus Sicherheitsgründen lieber mit dem Rad als mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren wollen.

Neben dem Service sind aber auch die Verkäufe deutlich gestiegen, die E-Mobilität ist hoch im Kurs. Und auch Zubehör wie Packtaschen wird verstärkt gekauft.

„Ich fahre ja heuer mit dem Rad auf Urlaub“, bekommt Bisko oft zu hören. Befreundete Betreiber von Radhotels haben laut ihm eine gute Buchungslage bestätigt.

Harmannsdorfs Pfarrvikar Hannes Saurugg setzt als ehemaliger Amateurrennfahrer auch in Coronazeiten verstärkt aufs Rad.
privat

Der Obmann der Radlobby Korneuburg, Richard Stawa, radelt täglich von Korneuburg nach Wien in den 20. Bezirk. Seit dem Corona-Lockdown seien deutlich mehr Berufspendler unterwegs, „man fährt in lockerer Kolonne Richtung Zen trum“, beschreibt Stawa sein Raderlebnis. Er fährt gemütlich, „die Dreiviertelstunde ist für mich eine Erholung wie ein Spaziergang“, so Stawa. Positiv ist für ihn, dass er fast bis ins Büro im Grünen unterwegs ist.

„Für Ausflügler gibt es gute Radrouten, für Alltagsradler fehlen sie oft“, kritisiert die Grüne Stadträtin in Korneuburg und stellvertretende Vorsitzende der Radlobby NÖ Elisabeth Kerschbaum. Vor allem Verbindungen zwischen den Orten müssten geschaffen werden, um das Rad als Alltagsfahrzeug besser nutzen zu können. Radausflüge macht sie nur gelegentlich, im täglichen Leben gilt aber: „Ich fahre so gut wie gar nicht mit dem Auto.“

Ein begeisterter Radfahrer ist der ÖVP-Bürgermeister von Harmannsdorf, Norbert Hendler. Mit Freunden ist er in der Gegend von Baden unterwegs, mit dabei ist auch oft der Pfarrer von Harmannsdorf, Hannes Saurugg. Sein Rennrad ist auch in der Gegend eingestellt, daheim fährt Hendler dienstlich und privat mit einem „normalen“ Rad. In Zeiten von Corona wird es auch stärker genutzt. Pfarrvikar Saurugg, seinerzeit ein Amateurrennfahrer, nutzt sein Rad für die täglichen Wege. Sonst ist er im Kreuttal unterwegs oder mit Hendler am Radweg von Passau nach Wien.

Eine Steigerung beim Radfahren ist für Ernstbrunns ÖVP-Bürgermeister Horst Gangl erkennbar: „Heuer wurden bereits 30 Förderungen für ein E-Bike ausbezahlt.“ Vor allem Menschen im Homeoffice nutzen die gewonnene Zeit, weil sie nicht ins Büro fahren müssen und „suchen die Entschleunigung in der Natur“, so Gangl.

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