24-Stunden-Pflege liegt voll im Trend. Waren es früher nur ausländische Pflegekräfte, so entdecken mittlerweile auch immer mehr Österreicher den Beruf.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 17. August 2017 (05:00)
gutbetreut.at
Die Langenzersdorferin Andrea Fichtinger (links) arbeitet seit Mai als 24-Stunden-Betreuerin. Margit Hermentin von gutbetreut.at am rechten Bild. Drei ihrer 350 Pfleger sind Österreicherinnen.

„Man bekommt sehr viel zurück“, sagt Andrea Fichtinger über ihren Job. Seit Anfang Mai arbeitet die Langenzersdorferin als 24-Stunden-Betreuerin. Als ihr Job in einer großen Firma wegrationalisiert wurde, hat sie sich an Margit Hermentin von gutbetreut.at erinnert. Die Chefin der Kor-neuburger Pflegevermittlung hatte sie kennengelernt, als sie eine 24-Stunden-Pflege für ihre Mutter gesucht hatte.

"Nachfrage überproportional gestiegen"

Hermentin hat derzeit 350 Pflegekräfte, davon sind zwölf Prozent männlich. „Die Nachfrage nach 24-Stunden-Betreuung ist in den vergangenen Jahren überproportional gestiegen“, kann sie aus Erfahrung sagen, „immer mehr Menschen wollen in ihrem Haus und ihrer Wohnung bleiben, wenn sie Hilfe brauchen.“ Waren es anfangs vor allem Pfleger aus Rumänien und der Slowakei, so entdecken auch immer mehr Österreicher das Berufsbild des Personenbetreuers. Drei österreichische Betreuerinnen sind derzeit für gutbetreut.at tätig, „gerade diese Woche habe ich wieder zwei Bewerbungen he-reinbekommen“, berichtet Hermentin. „Wir Österreich werden stetig älter“, glaubt sie, dass die Sozialberufe in Zukunft generell boomen werden.

14 Tage arbeitet Andrea Fichtinger bei ihren Patienten, die folgenden 14 Tage hat sie frei. Die Arbeitszeit ist für sie kein Problem, nachdem ihre Mutter und ihr Mann gestorben sind und ihr Sohn mit seiner Freundin zusammengezogen ist. „Das Leben ist für mich intensiver und spannender geworden und ich habe gelernt, meine Zeit besser einzuteilen und Termine optimaler zu gestalten.“

Pflegeheime spüren den Trend noch nicht

Dass die Betreuung in den eigenen vier Wänden einen Boom erlebt, bestätigt auch Brigitte Rybka von der Seniorenhilfe Stockerau. „Wenn es sich die Leute leisten können“, wie sie hinzufügt. 22 Klienten betreut sie derzeit, die Pflegerinnen bleiben je nach Pflegestufe zwei oder vier Wochen am Stück. Rybka glaubt, dass eine Erhöhung der Landesförderung für das 24-Stunden-Modell die sta-tionären Pflegeeinrichtungen entlasten würde. Derzeit zahlt das Land NÖ maximal 550 Euro pro Monat bei selbstständigen Betreuungskräften.

Aber spüren den Trend zur häuslichen Pflege auch die Pflegeheime? Die Frage sei gerade im Bezirk Korneuburg schwierig zu beantworten, „weil wir ein Zuzugbezirk sind“, sagt Direktor Christian Seidl vom NÖ Pflege- und Betreuungszen-trum Korneuburg. Grundsätzlich ortet er einen Unterschied zwischen der Pflege daheim und in einer Einrichtung: „Eine 24-Stunden-Betreuung ist relativ leicht zu handhaben, solange die älteren Menschen mobil und Demenzerkrankungen noch nicht stark ausgeprägt sind.“ In einem späteren Stadium sei ein Pflege- und Betreuungszentrum meist unumgänglich. „Solange es möglich ist, möchten die Menschen zu Hause bleiben“, kann Seidl den Wunsch nachvollziehen, „das wird auch von der Politik forciert.“ Aus diesem Grund seien in den letzten Jahren immer mehr maßgeschneiderte Angebote geschaffen worden.

„Wir spüren im Raum Stockerau die 24-Stunden-Betreuung noch nicht“, gibt Michaela Tanzler, Direktorin des NÖ Pflege- und Betreungszentrums Stockerau, Auskunft. Sie weiß aber, dass das in grenznahen Heimen anders ist. „Sie bekommen ihre Betten nicht mehr voll“, gibt sie die Erfahrungen von Kollegen wieder. Dennoch glaubt sie, dass sich der Trend wieder umkehren wird, nämlich dann, wenn
der Pflegeregress abgeschafft wird und die Länder nicht mehr auf das Vermögen der Betroffenen zugreifen können.

Auch Seidl denkt, dass diese politische Entscheidung die Entwicklung der 24-Stunden-Betreuung wieder bremsen wird. „Wenn es Vermögen gibt, kann das schon ein Entscheidungskriterium sein“, überlegt er.

Umfrage beendet

  • 24-Stunden-Pflege oder Heimplatz?