Altenpflege wird große Aufgabe. In Zukunft werden Pflegeeinrichtungen, mobile Dienste und 24-Stunden-Betreuer mehr Menschen pflegen müssen, besagt der aktuelle NÖ Altersalmanach. Die NÖN recherchierte die Situation im Bezirk.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 10. Juli 2019 (04:07)
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Symbolbild

Knapp über 90.000 Menschen leben derzeit im Bezirk, 103.000 werden es laut dem Altersalmanach, der sich mit der Entwicklung des Pflegebedarfs in NÖ beschäftigt, im Jahr 2035 sein. Die Zahl der Über-80-Jährigen wird im gleichen Zeitraum aber von 4.354 auf etwa 7.380 ansteigen, das sind 69,5 Prozent mehr. Ähnlich drastisch ist auch die Entwicklung bei der Betreuung: Im mobilen Bereich wird die Zahl der Patienten von 789 auf 1.276 steigen – ein Plus von 61,7 Prozent. Noch stärker ist der Zuwachs bei der 24-Stunden-Pflege: Von 411 Fällen wird sich die Zahl auf 708 erhöhen, das sind 72,2 Prozent. Und auch die stationäre Pflege muss sich den Herausforderungen stellen: Die Zahl der benötigten Betten wird von 261 auf 431 ansteigen – ein Plus von 65 Prozent.

„Trägerorganisationen der mobilen Dienste wie die Volkshilfe sind im regelmäßigen Austausch mit der Niederösterreichischen Landesregierung“, versichert der Geschäftsführer der Volkshilfe Niederösterreich Gregor Tomschizek. So könne gemeinsam auf Veränderungen
reagiert werden. Problematisch ist die steigende Zahl der Single-Haushalte. „Die Pflege durch Angehörige geht somit zurück“, so Tomschizek. Eine Lösung aus Sicht der Volkshilfe ist das betreute Wohnen. „Die Menschen können in kleinräumigen Einrichtungen in ihrem unmittelbaren Umfeld bleiben“, erklärt er.

„Wir können den steigenden Bedarf an Pflegeplätzen decken, doch Wartezeiten sind möglich.“ Christian Seidl, Pflegeszentrum Korneuburg

Zusehends schwieriger wird es, das geeignete Pflegepersonal zu finden. „2050 werden wir dreieinhalb Mal so viel Pflegepersonal brauchen wie jetzt. Es sind dringend Maßnahmen nötig, denn der Personalmangel wird sich weiter zuspitzen“, warnt die Präsidentin des Hilfswerks Niederösterreich, Landtagsabgeordnete Bürgermeisterin Michaela Hinterholzer. Sie ist überzeugt, „dass mobile Pflege die kostengünstigste Betreuungsform ist“.

Die Nachfrage nach geeignetem Pflegepersonal zeigt sich auch in der Schule für Sozialberufe in Stockerau. „Man merkt schon, dass es mehr Interessenten werden“, so Direktorin An drea Pichler. Wenn die 14- bis 17-Jährigen die Schule abgeschlossen haben, können sie die Ausbildung zum Altenpfleger machen. Diese dauert vier Semester, Voraussetzung ist eine abgeschlossene Schulbildung.

„Ich merke eine steigende Nachfrage, das ist der Zug der Zeit“, bestätigt Margit Hermentin, Gründerin der Pflegevermittlung „Gut betreut“ in Korneuburg. „Hätte ich 1.000 Pfleger – sie wären sofort bei 500 Patienten“, beschreibt Hermentin die Situation. Sie betreibt die Vermittlung seit neun Jahren. Schon in dieser relativ kurzen Zeit hat sie eine Veränderung des Alters ihrer Klientel bemerkt: Vor neun Jahren waren ihre Pfleglinge Anfang bis Mitte 80, „jetzt sind sie Ende 80 bis 95 Jahre, der Einstieg erfolgt später. Die Betreuungsdauer ist aber unverändert.“

NOEN

Ist die Pflege daheim durch Angehörige oder mobile Dienste nicht möglich, gibt es Pflegeheime des Landes, von Gemeinden und von privaten Organisationen. Auch da steigt im Bezirk der Pflegebedarf. „Für nächstes Jahr gibt es bereits eine Erhöhung der Bettenanzahl im Bezirk“, versichert Christian Seidl, Direktor des NÖ Pflege- und Betreuungszentrums Korneuburg.

Einen Engpass gebe es nicht, „wir können den Bedarf decken, aber Wartezeiten sind möglich. Dann ist vorübergehend die Unterbringung in einem anderen Heim möglich, es bleibt niemand auf der Straße.“ Die Verweildauer in den Pflegeheimen wird laut Seidl kürzer, „weil das Leben daheim durch mobile Dienste und 24-Stunden-Pflege länger möglich ist.“

In der Warteschleife befindet sich das im vergangenen Jahr vorgestellte Projekt „Generationen-Campus Korneuburg“. Das Projekt sei nicht gestorben, informierte VP-Bürgermeister Christian Gepp, „es wird aber zwei Gebäude geben.“ Aufgrund der Erkenntnisse aus dem Altersalmanach werde die Zahl der stationären Betten im Neubau im Vergleich zum ersten Plan um 30 Langzeitpflegebetten aufgestockt, kündigt er an.