Bestattung: Die Rituale ändern sich. Totengedenken – Nicht zuletzt durch die Corona-Bestimmungen wandeln sich auch die Arten von Bestattungen und Gräbern.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 28. Oktober 2020 (04:33)
Viel bewusster zelebrieren manche den Tod ihrer lieben Angehörigen in Corona-Zeiten, meint Betattungsunternehmer Günter Schönbichler aus Hainfeld. 
Gleiss

Natur- und Feuerbestattungen nehmen immer mehr zu. Auch Corona führte zu Änderungen bei Bestattungen. Die NÖN hat bei Experten nach den Motiven für diese Entwicklung gefragt.

„Der Trend geht stark zu Feuerbestattungen“, erklärt Günter Frittum von der gleichnamigen Bestattung in Stockerau. Einer der Gründe dafür sei, dass Menschen schon zu Lebzeiten vorbestellen, wie sie bestattet werden wollen. Eher weniger Einfluss auf diese Änderung im Verhalten hatte laut Frittum Covid-19. Nur zu Zeiten des Lockdowns seien Angehörige auf eine Feuerbestattung ausgewichen, weil damit der Zeitstress für die eigentliche Bestattung weggefallen sei. Als nur ganz wenige Angehörige zur Beisetzung durften, gab es zwar keine Beschwerden, „das hat sich der Tote nicht verdient“ ist laut Frittum aber öfter zu hören gewesen.

Auffallend ist laut Frittum, dass bei der Bestattung mehr darauf geachtet wird, wie der Verstorbene gelebt hat. Dies betreffe Ansprachen, Musikauswahl und auch besondere Details, etwa wenn ein Sportler zu Grabe getragen wird. „Die Rituale ändern sich“, so Frittum. So kommt es auch vor, dass Angehörige den Sarg bemalen wollen oder den Verstorbenen mit professioneller Hilfe ankleiden. Frittum: „Ich finde das toll, wenn die Menschen diesen letzten Dienst erweisen.“

Den Trend zur Naturbestattung mit vorhergehender Einäscherung kann Oliver Ried von der Bestattung Ried in Korneuburg bestätigen. Rund 30 Prozent seien bereits Kremierungen, schätzt er. Die Beerdigungen an sich verlaufen derzeit ganz normal und werden von den Angehörigen „sehr einfühlsam gestaltet“. Deutlich schwieriger sei die Situation zur Zeit des Lockdowns gewesen, als nur fünf Angehörige zugelassen waren. Da auch die vorhergehende Aufbahrung weggefallen war, musste sogar in dem als krisensicher geltenden Bestattungsgewerbe Kurzarbeit angemeldet werden, da für das Absenken des Sarges weniger Personal nötig ist.

Alternative Bestattungsformen

Eine Bestattung auf einer Blumenwiese ermöglicht die Pfarre Klein-Engersdorf. Im Zuge einer Vergrößerung des bestehenden Friedhofs wurde auch eine angrenzende Wiese miteinbezogen. Den großen Unterschied zu anderen Naturbestattungen erklärt Pfarrsekretärin Karin Sponer: „Da es sich um einen geweihten Friedhof einer Religionsgemeinschaft handelt, ist die Beisetzung auch in einem Sarg möglich.“ Rund 20 dieser Bestattungen gab es bereits seit der Friedhofseröffnung im Dezember 2019.

Von den Gräbern ist nichts zu sehen, sie werden von einer Naturwiese zugedeckt. Völlig anonym ist diese Bestattung allerdings nicht, so Sponer. Derzeit wird ein Andachtsplatz errichtet und für jeden Bestatteten gibt es eine Tafel mit Namen, Geburts- und Sterbejahr.

„Mir gefällt das Grab mitten in der Natur“, hört Sponer von Interessenten, die sich zu Lebzeiten für diesen Friedhof entscheiden. Das Fehlen von Anverwandten oder zu große Entfernungen, die eine Grabpflege unmöglich machen, sind sehr oft die Beweggründe, dass Menschen sich für einen Naturfriedhof entscheiden.

Als Alternative zur traditionellen Bestattung auf einem Friedhof ist auch eine Beisetzung mitten im so genannten Klosterwald im Rohrwald nahe dem Goldenen Bründl möglich. Natürlich kann mitten im Wald kein Grab für einen Sarg ausgehoben werden. Nur biologisch abbaubare Urnen sind erlaubt, die Beisetzung ist eher schlicht. Es gibt weder Grabstein noch Grabschmuck, die Grabpflege wird von der Natur übernommen. Bei jedem der rund 200 Bäume können etwa zehn Urnen beigesetzt werden. Vorgesehen ist nur ein einfaches Namensschild, wenn mehrere Urnen begraben sind.

Steigende Zahl von Kremierungen

Seit Corona haben die Feuerbestattungen zugenommen, erklärt Peter Schauer. Er betreibt für die Feuerbestattung Danubia in Stockerau ein Krematorium. Die ständig wechselnden Zahlen, wie viele Angehörige einer Bestattung beiwohnen dürfen, habe zu dieser Entwicklung beigetragen. Aktuell dürfen in dem Raum, in dem der Sarg dann dem Feuer übergeben wird, nur sechs Personen sein. Schauer hat aber eine Lösung gefunden: „Wir übertragen auf einen Bildschirm vor der Feuerhalle.“ Das System ist schon bewährt, bei Bestattungen von Sikhs gab es sogar Live-Übertragungen nach Indien und Indonesien.

Rund drei Stunden dauert die Einäscherung. Danach können Angehörige die Asche mitnehmen, wenn sie eine Genehmigung vom Bürgermeister vorweisen können. Schauer rät allerdings davon ab: „Bei der Trauerarbeit geht es darum, dass man abschließt.“ Mit einer Urne im Blickfeld sei dies kaum möglich.

Möglich ist seit 2008 übrigens auch eine Donaubeisetzung. Eine spezielle Urne aus Pappmaché wird mit der Asche des Verstorbenen an einer dafür zugelassenen Stelle der Donau übergeben. Die Urne löst sich dann langsam im Wasser auf.

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