Bio-Garteln liegt voll im Trend. Lockdowns und wenig Möglichkeiten für eine Urlaubsreise – die Gärten im Bezirk Korneuburg werden für die Erholung daheim groß herausgeputzt.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 31. März 2021 (04:51)

Wegen der Lockdowns kümmern sich die Menschen intensiver um ihren Garten. Die NÖN hat nachgefragt, was heuer im Trend ist.

Der Boom bei der Gartengestaltung ist seit einem Jahr ungebrochen, weiß Andreas Wiedermann. Besonders groß ist in seiner Gärtnerei in Tresdorf die Nachfrage nach Kräutern und Gemüse. „Es wird immer mehr nach Pflanzen für die Selbstversorgung gefragt“, so Wiedermann. Auch Zwergobst, das in Töpfen auf Balkonen gezogen werden kann, wird oft verlangt.

Bei den Pflanzen steigt die Nachfrage nach mediterranen Gewächsen wie etwa Oleander. „Viele Menschen holen sie sich die Urlaubserinnerungen in den Garten“, so Wiedermann. Entscheidend sei immer die Gartenarbeit an sich. „Das Garteln ist gerade jetzt in der schwierigen Zeit für die Psyche positiv“, erinnert der Pflanzenprofi.

Immer stärker wird der Trend, Abkühlmöglichkeiten im eigenen Garten zu schaffen. Experte für naturnahe Gewässer ist Helmut Zangl aus Unterhautzental. Er erklärt auch den Unterschied zwischen Schwimmteich und Naturpool: „Bei Schwimmteichen sind Pflanzen und Planktonsedimentation für die Reinigung zuständig, Naturpools haben einen biologischen Filter, der die Wasserreinigung übernimmt.“ Bei Naturpools ist der Flächenanteil der Pflanzen nicht sehr hoch, sie eignen sich somit auch für kleinere Gärten.

Die Auftragsbücher für den Bau der Teiche sind bei Zangl voll, es gibt Wartezeiten von mehreren Monaten. Mit etwas Geschick könne ein Teil der Arbeiten selbst erledigt werden, so der Experte, der auch Bausätze anbietet. Einige Arbeiten sollten aber den Profis überlassen werden: „Das Verlegen der Teichfolie muss man einfach können, sonst sind Probleme vorprogrammiert“, warnt Zangl.

„Der Holzschnitt sollte schon erledigt sein, nun ist es an der Zeit, bei Stauden die abgestorbenen Teile zu entfernen“, gibt Wolfgang Eder von der Stadtgärtnerei Stockerau Praxistipps. Nun können typische Frühlingsblumen wie Stiefmütterchen oder Primeln gesetzt werden. Hobbygärtner dürfen sich von den bunten Blumenbeeten in Stockerau nicht täuschen lassen: Die Stadtgärtnerei verfügt über Glashäuser, in denen die Pflanzen heranwachsen können.

Seit dem ersten Lockdown ist die Nachfrage der Hobbygärtner nach Biogärten und Hochbeeten unverändert hoch, berichtet Doris Kampas von ihrem Spe zialgebiet. Wegen des großen Interesses ist die Bio-Gärtnerin aus Leobendorf an dem Punkt angelangt, „dass wir mit den Hochbeeten nicht mehr nachkommen“. Denn die Kunden hätten erkannt, dass man nach den Jahreszeiten anbauen kann und immer mit frischem Gemüse versorgt ist. Viele Menschen stürzen sich intensiv in die Gartengestaltung, um einen Urlaubsersatz zu schaffen. Entsprechend werde auch beim Gemüseanbau auf mediterrane Sorten gesetzt.

„Es geht alles in Richtung bio und es wird deutlich mehr Geld investiert“, beobachtet der Geschäftsführer von Blumen Weingartshofer in Korneuburg, Gerhard Minarik. Besonders beliebt sind vor allem frische Kräuter, die aus dem Beet direkt auf den Tisch kommen. „Bei der Gestaltung wollen die meisten Kunden ihre individuellen Vorstellungen umsetzen“, weiß Minarik. Dabei lassen sich die Gartenbesitzer erst beraten und dann immer öfter den Garten professionell betreuen.

Gartenarbeit als Ausgleich zum Alltag

„Alle Pflanzen sollen bringen, was man sich erwartet“, ist der Wunsch des früheren Stadtarztes von Korneuburg, Ewald Priessnitz. Seit 30 Jahren hegt und pflegt er seinen rund 4.000 Quadratmeter großen Garten in Bisamberg. Ein eigenes Glashaus ermöglicht schon im Frühjahr eine Blütenpracht. Sämtliche Schnitte sind bereits erledigt, Gemüse wurde angebaut. Nach Ostern beginnt er mit dem Auswintern der Orchideen. Für Priessnitz ist das Garteln „ein schöner Ausgleich zu den Problemen des Alltags“. Sein Nachsatz: „Auch wenn die Arbeit manchmal sehr anstrengend ist.“ Dafür schwärmt der Mediziner von den exotischen Pflanzen, die er großzieht. Sein liebstes Stück: eine Amaryllis Belladonna, die er aus New Orleans mitgebracht hat.

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