Blackout: Vorbereitet für den Ernstfall

Was passiert, wenn plötzlich kein Strom aus der Steckdose kommt? Die NÖN hat bei den Hilfsorganisationen im Bezirk Korneuburg nachgefragt, wie sie vorbereitet sind. Die Bezirkshauptmannschaft, die im Krisenfall als Einsatzleitung fungiert, koordiniert alle Maßnahmen.

Erstellt am 03. November 2021 | 05:26
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Ortsvorsteher, Feuerwehrkommandant und Mitarbeiter beim Zivilschutzverband – Roman Kampleitner aus Kleinrötz hat für einen Blackout vorgesorgt.
Foto: privat

„Das Thema eines Blackouts hat schon länger große Priorität bei den zuständigen Organisationen“, heißt es aus dem Büro von Bezirkshauptfrau Waltraud Müllner-Toifl. Im Hinblick auf die Bedeutung des Szenarios werde dieses vermehrt bei der Durchführung von Übungen berücksichtigt.

Für wesentliche Infrastruktureinrichtungen und Einsatzleitungen bestehen laut Müllner-Toifl Notstromversorgungen. Eine Versorgung mit Photovoltaik wurde punktuell bereits in einigen Gemeinden umgesetzt und soll weiter ausgebaut werden. Die Kommunikation kann über den Digitalfunk erfolgen, der allen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben zur Verfügung steht. Dieser ist ebenso notstromversorgt.

Die Energieversorger haben grundsätzlich entsprechende Pläne, um im Fall eines flächigen Stromausfalls rasch die Stromversorgung wiederherzustellen. „Wie aber bereits eingetretene Stromausfälle gezeigt haben, kann ein Blackout nicht ausgeschlossen werden“, so Müllner-Toifl. Eine genaue Gefahreneinschätzung sei naturgemäß äußerst schwierig.

Die Bezirkshauptfrau nimmt auch die Bevölkerung in die Pflicht: „Die Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens bei Wegfall der Stromversorgung  hängt im Wesentlichen von der Eigenvorsorge der Bevölkerung ab.“ Der NÖ Zivilschutzverband leiste hier schon seit vielen Jahren wertvolle Aufklärungsarbeit.

Notfallrettung statt Krankentransporte

Im Fall eines Blackouts finden Krankentransporte aufgrund des Notbetriebs in Spitälern und Instituten kaum mehr statt, stattdessen sei die Aufrechterhaltung des Rettungsdienstes absolut prioritär, um die die Notfallrettung zu sichern, schildert Helmut Riemer vom Roten Kreuz das Szenario. Jedes Fahrzeug wird am Ende des Tages vollgetankt, damit auch beim Zusammenbruch der Treibstoffversorgung zumindest einige Tage gefahren werden kann. Die Dienstpläne sind auch in ausgedruckter Form vorhanden.

Das Rote Kreuz Korneuburg ist mit zahlreichem Material ausgestattet, das im Ernstfall für die Bevölkerung zum Einsatz kommt: Decken, Feldbetten oder Zelte erleichtern etwa die Unterbringung von Personen in Ersatzquartieren. Dank der stets vorhandenen Vorräte können Dienst- und Einsatzmannschaften mittels Speisen und Getränken versorgt werden.

Gefahr, weil Heizungen ausfallen

Über eine eigene Notstromanlage verfügt die Feuerwehr der Stadt Stockerau. Dies ist nötig, weil in dem Gebäude auch die Leitstelle für den Bezirk untergebracht ist. Die einzelnen Wehren sind nicht so gut ausgestattet, so Bezirksfeuerwehrkommandant Wilfried Kargl. „Wir sind mitten in der Erhebung, welche Feuerwehrhäuser Bedarf an einem Notstromaggregat haben. Diese werden nächstes Jahr besonders gefördert.“

Besonders problematisch kann ein Blackout im Winter werden. Kargl schätzt, „dass dann in Stockerau etwa 95 Prozent der Heizungen nicht funktionieren“. Bei Einfamilienhäusern sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass es noch einen Holzofen gibt, der zum  Heizen und zum Kochen taugt. „Allerdings besteht die Gefahr, dass die Leute alles ausprobieren, was Wärme erzeugt“, warnt Kargl. Es sei sogar schon ein Holzkohlengrill im Wohnbereich eingesetzt worden.

Zwar gibt es bei der Feuerwehr Einsatzpläne, „wir können aber die Kameraden nur einberufen, wenn zuerst ihre Familien versorgt sind“, erklärt Kargl. Er rät im Falle des Falles, „näher zusammenzurücken“, vielleicht könne man gemeinsam mit Nachbarn oder Verwandten ausreichend Wärme und warme Mahlzeiten erzeugen.

 „Natürlich wurden vom Innenministerium Vorbereitungen getroffen, Strategien entwickelt, es gibt einen Masterplan“, beruhigt Bezirkspolizeikommandant Siegfried Krische Dieser betrifft die Personalbereitstellung ebenso wie Versorgung und Kommunikation. Dabei werde die Polizei nicht völlig von der Welt abgeschnitten sein, so Krische. Die Planungen erfolgen gemeinsam mit anderen Einsatzorganisationen, „denn meist rückt ja nicht die Polizei alleine aus“. In der Theorie sollten die Vorbereitungen passen, „allerdings haben wir keine Erfahrungswerte“, so Krische. Er hofft, „dass es nie der Fall sein wird, dass wir tatsächlich einen Blackout haben“.

Bundesheer kann sich zwei Wochen selbst versorgen

Der Eigenbedarf des Bundesheers werde derzeit in einem eigenen Projekt erhoben, erklärt der Kommandant der Dabsch-Kaserne Oberst Jürgen Schlechter. 14 Tage muss die Kaserne autark funktionieren können. „Wir haben genug Lebensmittel, Notstromaggregate auch für die Tankstelle und eine eigene Quelle“, so Schlechter. Allerdings sei derzeit nicht vorgesehen, die Kaserne zu einer „Sicherheitsinsel“ auszubauen, um andere Blaulichtorganisationen versorgen zu können.

Im Ernstfall werde das Bundesheer wohl ebenso technische Hilfe mit der Feuerwehr leisten, wie Unterstützung beim Roten Kreuz bieten. „Wie auch bei Corona werden wir sehr flexibel sein müssen“, so Schlechter. Zusätzlich werden allerdings auch Sicherungsaufgaben zu bewältigen sein, wie etwa der Schutz von Supermärkten etc. Details würden wohl erst im Krisensicherheitsgesetz feststehen, das am Nationalfeiertag angekündigt wurde.

Schon vor einem Blackout kommt der Zivilschutzverband zum Einsatz. „Unsere Aufgabe ist die Prävention“, so Günter Haschka, Bezirksleiter des Zivilschutzverbandes. Dementsprechend werden Vorträge angeboten, wie sich die Menschen auf Großereignisse wie einen Blackout vorbereiten können und welche Vorräte man daheim haben sollte. Die etwa 80 bis 100 ehrenamtlichen Mitarbeiter im Bezirk würden bei Katastrophen hingegen eher selten angefordert. Allerdings ist Haschka glücklich, dass die Gefahr eines Blackouts, vor der der Zivilschutzverband seit Jahrzehnten warnt, nun in der Öffentlichkeit diskutiert wird.

Vorräte im Keller angelegt

„Persönlich glaube ich nicht, dass wir mal so schwierige Zeiten bekommen werden“, so der ÖVP-Ortsvorsteher von Kleinrötz Roman Kampleitner, der auch Feuerwehrkommandant ist und beim  Zivilschutzverband hilft. Vorbereitungen haben er und seine Gattin trotzdem getroffen: „Gerade zur Zeit der Pandemie kann es ja passieren, dass man einigen Tage nicht das Haus verlassen kann. Dafür habe ich mit meiner Gattin Vorsorge getroffen.“ Für den Fall eines Blackouts sind die beiden für mehr als drei Tage versorgt. Neben Lebensmitteln und Mineralwasser stehen ein eigener Brunnen, Stromversorgung für einige Tage und ein Gaskocher mit Gasflaschen zur Verfügung.

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