Corona-Ampel: "Gelb" gibt Rätsel auf. Die Gelbschaltung des Bezirks Korneuburg gibt Rätsel auf, denn andere Bezirke haben viel schlechtere Werte.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 15. September 2020 (13:12)
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Als am Donnerstagabend durchsickerte, dass die Experten-Kommission des Gesundheitsministeriums die Corona-Ampel für den Bezirk Korneuburg auf Gelb schaltet, ging das große Rätselraten unter den Politikern und in den sozialen Medien los. Denn alleine aufgrund der Zahlen lässt sich nicht erklären, warum Korneuburg als einziger Bezirk in Niederösterreich neben Wiener Neustadt - Stand Montag - gelb leuchtet. Auch bei Landtagsabgeordnetem Christian Gepp liefen die Telefone heiß.

Der NÖ Landessanitätsstab begründet die Gelbschaltung damit, dass der 7-Tages-Inzidenzwert deutlich über dem Signalwert 25 liege. Der Wert sagt aus, wie viele Personen pro 100.000 Einwohner sich in den letzten sieben Tagen mit dem Coronavirus infiziert haben. Mit Stichtag Freitag lag der Wert für den Bezirk Korneuburg bei 25,31. Die Nachbarbezirke wiesen aber teilweise noch höhere Zahlen auf: So lag der Wert für Gänserndorf bei 28,93 und für Mistelbach gar bei 30,47.

„Die hohe Zahl an aufgeklärten Fällen in der Vorwoche“ strich der NÖ Landessanitätsstab dezidiert als positiv heraus. Etwas anders klingt das vonseiten des Gesundheitsministeriums auf NÖN-Anfrage. Die Bewertung der aktuellen epidemologischen Lage erfolge anhand von vier Indikatoren: die Zahl der Fälle der vergangenen sieben Tage (7-Tage-Inzidenz), die Anzahl der Fälle, deren Quelle geklärt ist (Cluster), die Belegung der Spitalsbetten (Ressourcen) und die Anzahl der Tests in den letzten sieben Tagen. Auch Gepp hat sich sagen lassen, dass das Zusammenspiel von Neuinfektionen, Aufklärungsquote und Langzeitentwicklung dazu geführt hätte, den Bezirk Korneuburg als „mittleres Risikogebiet“ zu definieren. „In den letzten Wochen waren die neuen Fälle vor allem über Reiserückkehrer zu orten, nun offensichtlich über soziale Kontakte auch über Wien“, führt der Abgeordnete aus.

Grundsätzlich bringt die gelbe Corona-Ampel verstärkte Sicherheits- und Hygienebestimmungen, wie eine ausgeweitete Maskenpflicht in vielen Bereichen, mit sich. Praktisch haben die bundesweiten Einschränkungen, die seit Montag gelten, die gelben Maßnahmen längst überholt.

Neben den 17 positiven Fällen in der Bäckerei Kuchen-Peter in Hagenbrunn beschäftigt auch ein weiterer Fall:  Nach einer Club-Sitzung der Landes-ÖVP wurde eine Person positiv auf Covid-19 getestet.

Über Stadtchef Gepp, der rund acht Meter von der infizierten Person entfernt gesessen ist, wurde eine sogenannte „Verkehrsbeschränkung“ verhängt. Das heißt, er soll sich von Menschenansammlungen fernhalten und möglichst wenige Termine besuchen. Da er bereits im März mit dem Coronavirus infiziert war, hat sich der Bürgermeister nun einem Antikörpertest unterzogen, dessen Ergebnis zu Redaktionsschluss noch ausstand.