Corona-Regelungen: Veranstalter sind sehr vorsichtig. Die drohenden Beschränkungen erschweren Veranstaltern im Bezirk Korneuburg die Planungen. Publikum kauft Event-Karten erst sehr spät.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 15. September 2021 (05:03)
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DJ BBS alias Robert Eckerl aus Bisamberg konnte in der Korneuburger Werfhalle noch Hunderte begeistern.
Mikysek

Die neuen Corona-Bestimmungen in mehreren Abstufungen machen die Planung für Veranstalter zusehends problematischer und zum Teil auch teurer. Wie ein Rundruf der NÖN zeigt, sind auch viele Interessierte sehr zögerlich beim Kartenkauf.

In Stockerau hätte Anfang Oktober die Bildungsmesse im Z2000 stattfinden sollen. Laut Stadtamtsdirektorin Maria-Andrea Riedler wurde die Veranstaltung kurzfristig in die virtuelle Welt verschoben. Ursprünglich hätten rund 1.500 Kinder an zwei Tagen kommen sollen. „Das wäre eine Hochrisikoveranstaltung, gerade in der Altersgruppe sind die Kinder großteils nicht geimpft“, erklärt Riedler den Schritt. Nun sei auch das Risiko für die Aussteller weg, denn es hätte sein können, dass dann ganze Schulen absagen.

„Die Letztentscheidung, ob ein Event stattfindet, hat immer der Kunde.“
Christian Fetz, Korneuburg

Der Manager des Z2000 in Stockerau, Ernst Weidenauer, hat von der Stadtgemeinde noch keine exakten organisatorischen Vorgaben für bevorstehende Veranstaltungen bekommen. Allerdings klagt auch er über einen sehr schleppenden Kartenvorverkauf, weil das Publikum unsicher ist. Sogar für das Konzert der Wiener Sängerknaben kommenden Samstag waren eine Woche davor nur 60 Karten verkauft.

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Wartet auf die Details: Veranstalter Christian Fetz.
privat

Nicht nur die Planung von Veranstaltungen ist derzeit erschwert, auch die Dienstpläne können kaum noch erstellt werden, weil immer die Gefahr einer kurzfristigen Absage droht. Dann muss das Personal Zeitausgleich nehmen. Noch ärmer dran sind laut Weidenauer aber die Künstler, „die bekommen nun keine Förderungen mehr, weil es keinen Lockdown gibt und Veranstaltungen theoretisch stattfinden könnten“.

Entscheidungen zu Adventmarkt erst Ende September

Noch halbwegs gelassen ist man im Rathaus Korneuburg. Das „Montmartre“ der Künstler ist reibungslos über die Bühne gegangen. Die wohl größte Veranstaltung in nächster Zeit, der Adventmarkt, wird erst Ende September besprochen.

Keine Schwierigkeiten für Kulturveranstaltungen in Leobendorf sieht die zuständige ÖVP-Gemeinderätin Andrea Hohenecker. Zwar wurde der Bauernmarkt mit rund 1.000 Besuchern abgesagt, stattdessen findet am Dorfplatz aber am 26. September ein Blasmusik-Frühschoppen statt. Das verlangte Sicherheitskonzept ist mit der Bezirkshauptmannschaft bereits geklärt, „ich kann alle Vorgaben erfüllen“, so Hohenecker. Dazu ist auch ausreichend Kontrollpersonal vorhanden.

Auch für den bereits geplanten Kulturherbst hat man sich gerüstet, „große Veranstaltungen im Grunerhof werden gesplittet“, erklärt Hohenecker. Zudem wird man wie im vergangenen Jahr beim Kartenkauf registriert. Welche Kontrollen zum Zeitpunkt der Veranstaltungen auch nötig sein werden, sie können umgesetzt werden. Anders als vor einem Jahr hofft Hohenecker, „dass wir zumindest mit der 1G-Regel das Programm durchziehen können.“

Besucherzahl auf 25 Prozent zurückgegangen

Seit Monatsbeginn gibt es in Gasthubers Restaurant und Bühne wieder Veranstaltungen, allerdings ist die Besucherzahl auf rund 25 Prozent im Vergleich zur Zeit vor Corona zurückgegangen. Achtung hat Chefin Ulrike Gasthuber vor den Künstlern: „Sie sind bereit, vor so wenigen Leuten zu spielen und sind froh, überhaupt Auftritte zu haben.“ Allerdings sind die Kartenvorverkäufe sehr schleppend. „Vor allem Ungeimpfte haben Angst, dass sie auf den zum Teil teuren Karten sitzenbleiben, weil sie wegen strengeren Maßnahmen dann nicht zur Veranstaltung dürfen“, so Gasthuber.

„Wir warten sehnsüchtig auf die genaue Verordnung“, erklärt Christian Fetz von TR Produc tions GmbH in Korneuburg. Derzeit laufen bereits Planungen für Weihnachtsfeiern für drei international tätige Firmen.

„Es wird wohl auf eine 2G-Regel hinauslaufen“, erwartet Fetz. Ihm ist wichtig, dass es bei den Konzepten ein gutes Miteinander gibt, auch mit der Bezirkshauptmannschaft. Auch bei Einhaltung der strengsten Vorgaben gilt: „Die Letztentscheidung, ob ein Event stattfindet, hat immer der Kunde“, so Fetz. Denn das Restrisiko eines Clusters im Unternehmen bestehe immer, wenn viele Menschen zusammentreffen. Zudem sind strenge Kontrollen immer mit Mehrkosten verbunden. Deshalb kann sich Fetz auch nicht vorstellen, dass heuer viele Weihnachtsmärkte stattfinden werden. „Es kann zwar möglich sein – aber nur mit massiven Aufwendungen vor allem finanzieller Natur“, erklärt der Experte.

Kartenverkauf schleppend

Dominic Freudensprung von media & entertainment hat vor zwei Wochen noch ein großes Disco-Event in der Korneuburger Werfthalle organisiert. Davor hatte er aber einige schlaflose Nächte, „wir haben erst eine Woche vor der Veranstaltung die Genehmigungen bekommen“, erklärt er. Auch der Kartenverkauf sei lange Zeit schleppend verlaufen, weil die Angst vor einer Absage groß war. Letztendlich fand sich etwa ein Drittel weniger Gäste ein als in früheren Jahren.

„Angesichts der präsentierten strengeren Zutrittsregeln wäre eine ähnliche Veranstaltung möglich, aber nur mit viel Aufwand und wirtschaftlich nicht tragbar“, erklärt Freudensprung. Denn bei den Jungen sei die Durchimpfungsrate nicht hoch.

Bei einer Vorlaufzeit von ein bis zwei Monaten plant Freudensprung keine weiteren Großveranstaltungen, zu hoch ist für ihn das Risiko. Allerdings beginnt er schon mit den Vorplanungen für Events im kommenden Sommer.

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