Der Regen half den Landwirten. Nahezu Totalausfall bei Steinost, den Feldern hat der Regen aber gut getan. Auch die Trauben entwickeln sich gut.

Von Hedwig Mohsburger. Erstellt am 01. Juli 2020 (04:54)
Für Weinreben und Ölkürbisse ist die Witterung derzeit günstig. Julius Schauerhuber hofft auf einen „normalen“ Sommer.
Mohsburger

Der Regen der vergangenen Wochen war zwar für die Landwirtschaft insgesamt wichtig, für einzelne Bereiche kam das Wasser zu spät. Die NÖN hat nachgefragt, wie die heurigen Ernten ausfallen können.

Auf schlechten Standorten mit sandigem oder Schotteruntergrund wie etwa bei Hagenbrunn und Flandorf ist der Ausfall bei der Wintergerste recht deutlich. „Normal gibt es zwei bis drei ährentragende Halme, heuer sind es wegen der Trockenheit höchstens einer“, erklärt der Obmann der Bezirksbauernkammer Josef Hirsch aus Harmannsdorf.

Vielen Feldfrüchten hat vor allem der Regen der vergangenen Tage gut getan, laut Hirsch sind die Erdbeeren besonders groß geworden. Dies gilt auch für die geernteten Frühkartoffeln, „da muss man die kleinen suchen“, erklärt Hirsch. Wegen der Trockenheit in Winter und Frühjahr wurden zwar weniger Knollen ausgebildet, diese sind aber zu beachtlicher Größe gewachsen. Sehr gut sieht es nach derzeitigen Schätzungen laut Hirsch auch beim Kukuruz aus.

Gefahr durch Schädlinge

Neben dem Wetter sind es in den nächsten Wochen vor allem Schädlinge, die gefährlich werden können. Wird der Sommer sehr trocken, kann der Drahtwurm den Erdäpfeln stark zusetzen. Besonders gefährdet ist die Zuckerrübe, der Rübenrüssler habe etwa im vergangenen Jahr einen großen Teil der Ernte vernichtet – mit weitreichenden Folgen. Aktuell beträgt die Anbaufläche nur noch etwas unter 1.200 Hektar, zu Spitzenzeiten waren es gut 4.400 Hektar. „Irgendwann resigniert man und wechselt zu anderen Feldfrüchten wie etwa dem Kukuruz“, erklärt Hirsch. Durch den starken Rückgang bestehe mittlerweile für eine der beiden Zuckerfabriken in Leopoldsdorf und Tulln Gefahr.

Große Zuwächse der Anbaufläche gab es heuer übrigens beim Ölkürbis. Hirsch: „Kürbis ist im Kommen.“ Da die Anbauflächen im Großraum Stockerau zudem ein ähnliches Klima haben wie jene in der Steiermark, wird aus heimischen Ölkürbissen sogar hochoffiziell steirisches Kürbiskernöl gewonnen.

Anders sieht es bei der Sommergerste aus, der wenige Regen im Frühjahr bringt Ertragseinbußen. Auch wenn es aktuell für die Landwirtschaft nicht allzu schlecht aussieht – „es gibt noch zwei Monate, in denen vieles passieren kann“, warnt Hirsch vor zu viel Euphorie.

 „Nach so einem verkorksten Winter und einem Frühjahr mit sieben Frostnächten gibt es keine Marillen“Hermann Wittek aus Mollmannsdorf

 „Nach so einem verkorksten Winter und einem Frühjahr mit sieben Frostnächten gibt es keine Marillen“, erklärt Hermann Wittek aus Mollmannsdorf, der auch Obmann des Vereins "Weinviertel Marille" ist. Die Bäume hatten zu früh geblüht, die Blüten sind abgefroren. Marillen sind heuer rar, mit Glück sind beim Ab-Hof-Verkauf  Marillen zu ergattern. Nicht viel besser sieht es bei den Kirschen aus: Durch den vielen Regen ist das Wasser zu schnell bis in die Früchte gekommen, die sind aufgeplatzt. „Wir versuchen, zwischen den aufgeplatzten Kirschen brauchbare herauszuklauben“, beschreibt Wittek die Situation. Wirtschaftlich gelte heuer: „Zähne zusammenbeißen!“ und davon leben, dass man in der Vergangenheit gut gewirtschaftet hat.

„Die Rebenblüte ist vorbei, der Regen war sehr gut, es schaut sehr schön aus“, beschreibt Weinbauverbandsobmann Julius Schauerhuber aus Stetteldorf das Wachstum in den Weingärten. Auffallend ist: Wir sind später dran als in den vergangenen Jahren.“ Die Lese werde voraussichtliche Ende September beginnen wie bis vor einige Jahre üblich. Zwar habe der Frost auch bei den Reben Schäden verursacht, der Behang ist laut Schauerhube aber sehr gut. Sein großer Wunsch für den Sommer: „Ein normales Wetter ohne Extreme.“

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