Der Traum vom Eigenheim platzt

Erstellt am 16. August 2022 | 22:30
Lesezeit: 3 Min
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Rußbachs Gemeinderat Thomas Muhr und Familie sind von den verschärften Kreditregeln nicht betroffen, bedauern aber künftige Bauherren.
Foto: privat
Strengere Kreditregelungen machen die Finanzierung des Wunschhauses auch im Bezirk Korneuburg immer schwieriger.
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Die strengeren Kreditregeln beginnen langsam zu wirken. Der Traum vom Eigenheim platzt oft wie eine Seifenblase.

Fehlende Barmittel . „Es ist schlimm, wir bringen kaum noch Finanzierungen durch“, sagt Immobilienmaklerin Susanne Hausamann von Remax Korneuburg. Habe man früher rund fünf interessierte Kunden benötigt, um einen finanzierten Abschluss zu erreichen, „brauchen wir jetzt bis zu 20 Kunden“, sagt die Expertin.

Dieser Trend habe schon vor rund zwei bis drei Monaten begonnen. Offenbar hatten Banken die Kreditregeln zum Teil vorweggenommen. Für junge Leute sei es ex trem schwierig geworden, den Wohntraum zu finanzieren, sagt Hausamann.

Trend zum Generationenwohnen. Noch sei von den strengeren Kreditregeln nichts zu bemerken, sagt Armin-Martin Achtsnit von Immo 8 Projektentwicklung & Immobilientreuhand. Dies werde sich aber bald ändern, „wenn im Herbst die Baustoffpreise steigen“. Er hat aktuell einen Baugrund in Mollmannsdorf im Portfolio, allerdings wohl eher für private Bauträger. „Privathaushalte und Jungfamilien haben kaum das Ersparte, um 20 Prozent von oft bis zu 600.000 Euro für Grund und Haus abdecken zu können“, sagt er. Die Folge: Manche Banken gehen mit bis zu 150 Prozent der Kreditsumme ins Grundbuch. Der Trend werde wohl zu Generationenhäusern gehen, wie in Spanien oder Italien schon üblich, erwartet Achtsnit. Dort bleiben Kinder oft im Elternhaus, das dann um einen Zubau erweitert wird.

Grund als Kapitalanlage . Peter Fellhofer von Raiffeisen Immobilen bietet zurzeit etwa ein Grundstück in Würnitz an. Noch sei von Auswirkungen der neuen Kreditbestimmungen nichts zu bemerken, „mittel- und langfristig werden die Käufe aber zurückgehen, weil Grund und Haus nicht mehr finanziert werden können“, schätzt der Experte.

Jungfamilien, die den Grund kaufen müssen und beim Hausbau keine Hilfe der Familie haben, werden wenig Chancen haben, den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen, sagt Fellhofer. Zudem sei kein Ende der Preisexplosion bei Grundstücken zu erkennen. Im Versuch, Geld in Grund und Boden anzulegen, hätten sich Käufer bei ohnehin schon sehr hoch angesetzten Preisen noch gegenseitig überboten.

Interesse sinkt. Bei Town & Country in Spillern gibt es zwar noch keine Verkaufsrückgänge, „es wird aber schwieriger“, sagt Martin Mayer. „Für Junge, für Alleinverdiener sieht es sehr schlecht aus“, führt er aus. Die größte Chance, zu einem Eigenheim zu kommen, führe über Baurechtsgründe.

„Wir merken seit einigen Wochen, dass das Interesse wegen der strengeren Finanzierungsvorgaben sinkt“, erklärt Mayer. Besonders deutlich sei dies an der gesunkenen Besucherfrequenz bei den Musterhäusern zu erkennen. Bis sich die neuen Regelungen auswirken, werde es laut Mayer noch etwas dauern.

Situation in Gemeinden bekannt. Noch keine Probleme beim Bauen ortet Enzersfelds ÖVP-Bürgermeister Gerald Glaser. Bei Baurechtsgründen rechnet er mit einer deutlichen Zunahme, weil nur ein Kredit für das Haus aufgenommen wird. „Man hört, dass die Leute jammern, wenn sie um einen Kredit ansuchen“, sagt Hausleitens ÖVP-Bürgermeister Josef Anzböck.

Bei der Vergabe von Bauplätzen in Rußbach ist es laut Gemeinderat Thomas Muhr mehrmals vorgekommen, dass sich Interessenten von der Liste streichen ließen, weil die Finanzierung nicht ganz geklappt hat. „Wir haben unsichere Entwicklungen“, sagt Muhr, der gerade selbst baut. Momentan seien aber die Kostensteigerungen das größere Problem als die Finanzierung.

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