E-Carsharing als Test für Alltag. Nicht nur das Netz an Stromtankstellen wird ausgebaut. In drei Gemeinden kann man bald E-Autos ausleihen.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 24. Oktober 2018 (04:00)
ECARREGIO/Schlichting
Das „Mooby Car powered by sharetoo“ ist ein E-Golf und kann bis zu drei Tage am Stück ausgeliehen werden.

Damit Klimaschutz im Bezirk kein leeres Wort bleibt, wurde im Jahr 2016 die „Klima- und Energiemodellregion“ – kurz KEM10 genannt – gegründet. Jüngste Initiative ist der Aufbau eines E-Carsharing-Systems. In Bisamberg, Hagenbrunn und Sierndorf können sich die Bürger noch heuer unkompliziert ein Elektro-Auto ausborgen.

privat
Insgesamt 18 Stromtankstellen werden bis Ende des Jahres errichtet. Jene in Großrußbach ging kürzlich in Betrieb und wurde von Manfred Weinhappel, Karin Schneider (KEM), Bürgermeister Josef Zimmermann, Günther Laister (LEADER) und Günther Heel (EVN) begutachtet.

2.667 mehrspurige Fahrzeuge wurden in der KEM10-Region, zu der die Gemeinden der Kleinregion 10vorWien und Sierndorf gehören, im Jahr 2017 zugelassen, 55 davon waren E-Fahrzeuge. Ziel der Carsharing-Aktion ist, dass sich dieser Anteil von 2,1 Prozent künftig vergrößert. „Dadurch, dass man das Auto unverbindlich testen kann, wollen wir die Hemmschwelle für die Anschaffung eines E-Autos abbauen“, beschreibt KEM-Managerin Karin Schneider die Überlegung. Außerdem hofft sie, dass sich der Gedanke „Nutzen statt Besitzen“ in den Köpfen der Bürger festsetzt.

Die E-Carsharing-Aktion ist eine Kooperation mit dem Autovermieter Europcar, der einen E-Golf zur Verfügung stellt. Die Gemeinden zahlen 400 Euro für den Standort und erhalten dafür 100 Stunden Fahrzeit. Bisamberg startet Anfang November als erste Gemeinde mit dem Projekt, es folgen Hagenbrunn im Laufe des Monats und Sierndorf im Dezember.

„Wir nehmen dafür gerne Geld in die Hand, damit die Sache ins Laufen kommt“, erklärt VP-Bürgermeister Günter Trettenhahn. „Dass jemand zwei eigene Autos hat, wird in 20 Jahren ungewöhnlich sein“, ist er überzeugt. Mit dem ausgeliehenen E-Golf können die Autofahrer ein Gefühl für die neue Form der Mobilität bekommen und das Auto im Alltagsbetrieb testen.

„Benutzer braucht sich um nichts kümmern“

Sobald man sich registriert hat, erhält man eine Karte, die quasi den Autoschlüssel für den Golf darstellt. Das Fahrzeug kann bis zu drei Tagen am Stück ausgeliehen werden. In der Zeit, in der es nicht gebucht ist, werden es die Gemeinden verwenden. „Der Benutzer braucht sich um nichts kümmern“, streicht Schneider die Vorteile heraus, „Winterreifen werden gewechselt, das Auto einmal in der Woche gereinigt und alle sechs Monate wird das Auto getauscht.“ Das gebrauchte Auto kann dann angekauft werden.

25 Nutzer pro Fahrzeug sind notwendig, damit sich die Aktion von selbst finanziert. Wird diese Zahl übertroffen, kommt ein weiteres E-Auto zum Einsatz. „Zielgruppe sind Senioren, Familien, die sonst ein zweites Auto bräuchten oder Personen, die sich kein Auto leisten können oder wollen“, weiß Schneider aus Erfahrung.

Parallel zum neuen Angebot arbeitet die KEM in Zusammenarbeit mit der LEADER-Region Weinviertel-Donauraum am Ausbau der Infrastruktur für E-Autofahrer. Die EVN errichtet daher bis Ende des Jahres 18 Ladestationen. Großrußbach wurde erst kürzlich eröffnet, in den nächsten zwei Wochen folgen jene in Harmannsdorf und Spillern. Einen Überblick über alle Stromtankstellen findet man auf der Website https://e-tankstellen-finder.at.

Umfrage beendet

  • Carsharing: Würdet ihr ein E-Auto ausleihen?