Einkommensanalyse: In zwölf Jahren neun Plätze verloren

Der Industriesektor geht im Bezirk Korneuburg stetig zurück, immer mehr Menschen sind im – schlechter bezahlten – Handel beschäftigt.

Erstellt am 14. Januar 2022 | 05:14
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NÖ Medianeinkommen
Foto: AK NÖ

Vergleicht man die Medianeinkommen in Niederösterreich im Jahr 2020, dann liegt der Bezirk Korneuburg nur noch auf Rang 16. 2.183 Euro verdienen die Arbeitnehmer hier im Mittel, im Spitzenreiter-Bezirk Amstetten sind es um 417 Euro mehr. Zu diesem Ergebnis kommt die Arbeiterkammer NÖ in ihrer aktuellen Einkommensanalyse.

Zwar hat Korneuburg im Weinviertel immer noch die Nase vorne, jedoch in den letzten Jahren einiges an Terrain verloren. In zwölf Jahren ist der Bezirk im NÖ-Vergleich um neun Plätze abgerutscht, 2007 und 2008 rangierte Korneuburg noch auf Rang 7. Alfred Jordan, Bezirksstellenleiter der Arbeiterkammer, hat eine Erklärung für das Phänomen: „Die Struktur der Betriebe hat sich in dieser Zeit geändert.“ Lag der Anteil der Industriebetriebe vor rund zehn Jahren noch bei 27 Prozent, so liegt er heute nur noch bei 19 Prozent. Jordan erinnert an die großen Stockerauer Betriebe wie Isover und Vogelpumpen, die sich deutlich verkleinert hätten. „Andere Betriebe gibt es gar nicht mehr“, bedauert er.

Kosten für Miete, Energie und Lebensmittel werden immer mehr

Parallel dazu ist die Beschäftigung im Handel gestiegen, nicht zuletzt durch die Eingliederung von Gerasdorf mit dem G3 Shopping Resort. „Der Anteil des Handels ist von 27 auf 31 Prozent gestiegen“, erläutert Jordan. Logistik- und Transportbetriebe, die sich in den letzten Jahren vermehrt im Bezirk angesiedelt haben, würden nicht so hohe Gehälter wie in der Industrie zahlen.

Vonseiten der Wirtschaftskammer begründet man den Plätzeverlust auch mit Wachstum. „Wir haben fast den größten Zuzug in Niederösterreich“, gibt Anna-Margareta Schrittwieser, Bezirksstellenleiterin der Wirtschaftskammer, zu denken. Unter den Zuzüglern befänden sich viele Familien, in denen die Frauen Teilzeit arbeiten oder in Karenz sind.

Vom Jahr 2019 auf 2020 sind die Realeinkommen im Bezirk um 2,27 Prozent gestiegen. Den Arbeitnehmern bleiben somit knapp 48 Euro monatlich mehr im Börserl. „Das ist schon ein starkes Signal, dass wir gute Betriebe haben“, betont Schrittwieser.

Die Zahl jener, die finanziell nicht das Auslangen finden, ist in den letzten zwei Pandemie-Jahren gestiegen, weiß Jordan. „Die Kosten für Miete, Energie und Lebensmittel werden immer mehr“, führt er aus, „verliert dann jemand noch seinen Job, kommt er in eine echte Krisensituation.“ Er fordert daher einmal mehr die Erhöhung des Arbeitslosengeldes und rät: „Man sollte in schwierigen Situationen rechtzeitig Hilfe suchen und nicht erst, wenn der Hut brennt.“