Gastro-Lockdown: Wir wollen endlich aufsperren!. Die Gastrobranche im Bezirk Korneuburg fordert immer deutlicher eine Öffnung der Lokale. Steigende Verluste werden zur großen Belastung.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 24. Februar 2021 (04:35)
Die leeren Vitrinen fürs Buffet sollen bald wieder voll sein, hoffen Horst und Erika Bischof von der Dorfschenke in Oberzögersdorf.
Mohsburger

Die Wirte drängen auf eine baldige Öffnung der Lokale. Bis dahin halten sie sich meistens mit Abholservices über Wasser.

Beim Hotel und Restaurant Dreikönigshof in Stockerau setzt man im Lockdown auf ein Abhol- und Lieferservice. „Das wird gut angenommen und hat uns zu Spezialangeboten gebracht“, erzählt Chef Thomas Hopfeld. Für besondere Anlässe wie Weihnachten, Silvester oder den Valentinstag wurden eigene „Genussboxen“ zusammengestellt. Dabei wird ein mehrgängiges Menü vorbereitet und portioniert, die Kunden können mit wenigen Handgriffen ihr Festtagsessen daheim richten. Eine Osterbox ist bereits in Vorbereitung.

Zusätzlich ist man bei Familie Hopfeld auf das System des Einrexens gekommen. Gerichte wie Gulasch werden von den Kunden schon gerne angenommen. „Wir sind noch auf der Suche nach weiteren geeigneten Rezepten und einem breiteren Vertrieb“, so Hopfeld.

Für eine Öffnung der Gastronomie gibt es laut Hopfeld, der auch in der Fachgruppe Hotellerie der Wirtschaftskammer ist, durchaus verschiedene Konzepte, wie maximale Sicherheit geboten werden könnte. Trotzdem rechnet er, dass wohl erst nach Ostern eine Freigabe kommt.

Komplexer ist die Situation in der Hotellerie. Auch im Dreikönigshof steigen immer wieder Geschäftsreisende ab. Für einen wirtschaftlich sinnvollen Vollbetrieb ist laut Hopfeld aber auch das Hochfahren der Veranstaltungen unbedingt nötig.

In Seebarn hat Josef Brait bei der gleichnamigen Gasthof-Pension die Hälfte des Personals kündigen müssen, „die stehen aber bereit, sowie wir wieder öffnen dürfen.“ Wie viele andere Wirte bietet auch er Essen zum Abholen an, mit wechselndem Erfolg. „Es ist nicht schlecht, aber leben kann man davon nicht“, beschreibt Brait den Geschäftsgang.

Zimmervermietung ist gutes Geschäft

Anders sieht es bei der Zimmervermietung aus, „da sind wir voll, wir könnten mehr Zimmer brauchen“, erklärt Brait. Fast durchwegs hat er seit vielen Jahren Monteure als Stammgäste. Wegen der strengen Bestimmungen dürfen sie die Zimmer nur einzeln belegen. Zudem dürfen Frühstück und Abendmahlzeiten serviert werden, bevor die Gäste um 19 Uhr auf ihre Zimmer müssen.

Auch für Brait ist es höchste Zeit, dass die Gastro aufmachen darf. Denn die ersten Rechnungen von Sozialversicherung und Krankenkasse sind bereits ins Haus geflattert. „Wenn man da nichts auf der Seite hat, schaut es schlecht aus“, kommentiert Brait die Situation. Er erinnert sich noch an den vergangenen Sommer, da war das Geschäft sehr gut; „wir leben noch immer vom letzten Sommer, jetzt muss es endlich losgehen!“ Dazu ist nicht nur die Öffnung nötig, sondern auch Feste, „wir hatten ja auch viele Caterings“, erklärt Brait.

Natürlich würde auch Erika Bischof ihre Dorfschenke im Oberzögersdorf gerne möglichst bald aufsperren. Allerdings bleibt sie realistisch: „Im Moment sind die Leute noch nicht so weit, dass sie Tests vor jedem Kaffeehaus- oder Restaurantbesuch akzeptieren.“ Angesichts der kursierenden möglichen Regeln für eine Öffnung rechnet Bischof nicht damit, dass die Gäste auch kommen würden, wenn etwa nur Personen aus zwei Haushalten an einem Tisch sitzen dürfen. Ein Treffen mit Freunden werde so unmöglich.

Die Idee, dass die Wirte selber die Tests anbieten, findet Bischof nicht ausgegoren, denn „Wer soll das bezahlen?“. Man brauche dafür zusätzliches Personal. Realistisch wäre für sie eine Öffnung der Gastronomie nach Ostern. „Ob Mitte oder Ende März, die zwei Wochen machen keinen großen Unterschied“, so Bischof. Man müsse aber verhindern, dass am Osterwochenende die Lokale gestürmt werden und die Ansteckungsgefahr steigt.

Buschenschanken dürfen derzeit Take-Away-Speisen anders als sonst ohne Einschränkungen anbieten. In der Praxis käme allerdings die übrige Arbeit zu kurz, so Andreas Goll, Juniorchef im Familienbetrieb Goll in Hausleiten. Freitag bis Sonntag können die Schmankerln nach Vorbestellung abgeholt werden, die Zubereitung lasse sich sogar ökonomischer gestalten als beim Heurigenbetrieb, erzählt er. Allerdings ist die Nachfrage geringer, „wir machen das aus Treue zu unseren Gästen“, so Goll im NÖN-Gespräch.

Beim Umsatz machen Speisen bei einem kleinen Weinbaubetrieb nicht viel aus, wichtiger sind die Getränke. Und da gibt es Positives zu berichten: „Viele Kunden, die bei uns vielleicht zwei Achterl getrunken haben, nehmen sich jetzt sogar gleich einen ganzen Karton Wein mit, wenn sie das Essen abholen“, erzählt Goll. Der Weinverkauf bleibe auf halbwegs normalem Niveau. Trotzdem kann er es nicht erwarten, wieder öffnen zu dürfen. Ab Mitte April wäre wieder ausgesteckt, „ich hoffe, dass wir da schon draußen sitzen dürfen!“

Aktuelle Umfrage

  • Lockdown für Gastro, Tourismus & Kultur verlängert: Richtige Entscheidung?